Mittwoch, 06.12.2017

Schnee, Sportkurse und Sprachbarrieren

Leserbrief
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Goslar/Rehoboth. Statt praller Sonne plötzlich Regen und später sogar Schnee – größer hätte die Umstellung für die 20-jährige Dominique Diergaardt kaum sein können, als sie für ein freiwilliges soziales Jahr im Sport nach Goslar kam. Und das Wetter war nicht das Einzige, an das sich die junge Frau aus Namibia erst einmal gewöhnen musste.

Seit August lebt sie in Deutschland und arbeitet beim MTV Goslar. Quasi in letzter Minute hat sie sich dafür entschieden, über ein Programm des Sportvereins ASC Göttingen ihre Heimat in Namibia zu verlassen. „Ich habe gerade die Schule beendet und darüber nachgedacht, ein Gapyear, also ein Jahr Pause, zu machen“, erklärt Dominique. Mit etwas Glück konnte sie ihren Plan direkt in die Tat umsetzen.

Im Rahmen ihrer Arbeit beim MTV übernimmt sie Kurse und unterrichtet gemeinsam mit den Trainern Sportarten: „Zu Hause rudere ich, hier bin ich allerdings für andere Bereiche verantwortlich“, meint sie. „Ich unterrichte Senioren in Crossfit und gebe einen Schwimmkurs für Babys.“ Ihre Tätigkeit gefällt ihr sehr gut, gerade auch, weil sie Menschen etwas beibringen kann: „Ich habe dabei die Kontrolle und kann Anweisungen geben, das gefällt mir“, erzählt sie lachend.

Alles etwas anders

Obwohl Dominique sich mittlerweile hier wohlfühlt, war die Ankunft gar nicht so einfach für sie. Viele Dinge empfand sie als ungewohnt wie beispielsweise das Essen: „Ich musste mich erst ganz langsam daran gewöhnen“, gibt sie zu. „ Ich habe das Gefühl, zu Hause in Namibia schmeckt alles intensiver, gerade auch Fleisch. Aber ich stehe dem Ganzen offen gegenüber, ich will noch vieles ausprobieren.“ Die deutsche Sprache ist für Dominique auch noch eine Herausforderung. Zurzeit unterhält sie sich noch auf Englisch, allerdings lernt sie in einem Deutschkurs immer mehr dazu und versteht schon vieles. Zu Hause in Namibia spricht sie Afrikaans, aber obwohl die Sprache mit Niederländisch verwandt ist und daher auch Deutsch ähnelt, merkt sie bisher keine Vorteile: „Manchmal sitze ich im Deutschkurs und sehe ein Wort, das ich kenne“, erzählt sie. „Dann spreche ich es aber afrikaans aus, und mein Lehrer guckt mich merkwürdig an. Es gibt also schon deutliche Unterschiede.“

Auch das Wetter und das Klima waren für sie ungewohnt: „Als ich Namibia verlassen habe, wurde es gerade Winter bei uns. Dann kam ich hier in Deutschland an, und es war einfach genauso warm. Dabei war es hier Sommer“, meint sie. „Anfangs habe ich mich über den Regen gefreut und bin draußen rumgelaufen. Irgendwann hat es mir aber gereicht.“

Ein bisschen Heimweih

Doch das deutsche Klima hat sie auch positiv überrascht: „Ich habe meinen ersten Schnee gesehen“, erzählt sie begeistert. „Ich rief sofort meine Familie an und erzählte ihnen, dass es gerade schneit. Dann bin ich rausgegangen und habe einen Schneemann gebaut.“

Ihre Heimat und ihre Familie fehlen ihr zwar ziemlich, doch ganz allein ist Dominique nicht. Ihr Freund kommt aus Göttingen, mit ihm wird sie auch das Weihnachtsfest verbringen. Die beiden haben sich in Namibia kennengelernt, da er mit der Organisation ASC vor Ort war. Apropos Weihnachtszeit: Den Weihnachtsmarkt in Goslar hat die 20-Jährige auch schon für sich entdeckt. „Ich war am Wochenende schon da und fand alles so süß“, sagt sie. „Die kleinen Buden sehen aus wie kleine Häuschen, und ich habe auch schon eine Bratwurst gegessen und Glühwein probiert.“

Obwohl Dominique noch einige Monate bleibt, hat sie jetzt schon viele Erfahrungen mitgenommen: „Ich habe sehr viel Spaß dabei, die Menschen in Sportarten zu unterrichten“, erzählt sie. In Namibia hatte sie eigentlich geplant, nach der Schulzeit zu studieren, um Lehrerin zu werden. „Jetzt hab ich mir aber überlegt, dass ich nach meiner Zeit hier auch gerne etwas mit Sport machen will. Ich habe viel Spaß daran, und durch die verschiedenen Menschen wird es mir auch nie langweilig“, erklärt sie. Für die kommenden Monate hat Dominique sich schon einiges vorgenommen: Sie will reisen und dadurch auch andere Orte in Deutschland kennenzulernen.



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