Donnerstag, 06.12.2018

Hintergründe zum Fall der Bad Harzburger Berufsbetreuerin: Betreut und wohnung(s)los

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Bad Harzburg. Sehr individuell, mit außergewöhnlich schönem und exklusivem Ambiente sowie einem herrlichen Blick über die Dächer der Kurstadt: Die 84 Quadratmeter große Immobilie im noblen Kurviertel wird von ihren Eigentümern als die „vielleicht schönste Vier-Sterne-Maisonette-Ferienwohnung im Harz“ zur Miete angeboten.

Um ihren Verkauf im Spätsommer 2013 rankt sich eine Geschichte, die eigentlich auf wenig Luxus schließen lässt und bis zum aktuellen, derzeit aufgrund von Krankheit ausgesetzten Prozess vor dem Braunschweiger Landgericht gegen eine 39 Jahre alte Berufsbetreuerin aus Bad Harzburg reicht. Die Frau war seinerzeit als Betreuerin eines pflegebedürftigen Bad Harzburgers mit klangvollem Kurstadt-Namen eingesetzt und hatte dessen Immobilie an ein Ehepaar aus der Kur-stadt verkauft.

Der Kreis schließt sich

Der Ehemann wiederum war jahrelang gemeinsam mit der in Braunschweig mitangeklagten 49-jährigen Pflegedienst-Kraft Geschäftsführer in einer Immobilienfirma. Ob Zufall oder nicht: Der Kreis schließt sich. Die Wohnung, die Mitte der 1990er Jahre 349.000 DM oder umgerechnet 178.504 Euro gekostet hat, wechselt für 49.000 Euro den Besitzer. Der Preis basiert auf einem Wertgutachten, das die Betreuerin zuvor bei einem Sachverständigen aus Wernigerode eingeholt hat.

Kein Gericht stellt das Werk 2013/14 in Frage, obwohl die vom betreuten Bad Harzburger getrennt – mit neuem Partner in Goslar lebende Ehefrau – gemeinsam mit dem Sohn auf mehreren Ebenen Alarm schlägt. Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die zuständige Rechtspflegerin am Goslarer Amtsgericht laufen ins Leere, ebenso eine hiergegen gerichtete Beschwerde beim Landgericht. Ob und wie die Wohnung auf dem Markt zum Verkauf angeboten wurde, bleibt offen – und auch, ob sie zwischenzeitlich luxussaniert wurde. Weder die Betreuerin noch die neuen Eigentümer oder der Gutachter waren gegenüber der GZ zu Auskünften bereit oder gar nicht erst zu sprechen. Die 60-jährige Goslarerin, die die Notwendigkeit zum Vorkauf stets angezweifelt hatte, sieht den Vorgang spätestens seit dem Prozessbeginn noch in einem anderen Licht, obwohldie Staatsanwaltschaft denFall trotz „signifikanter Ähnlichkeit“ zu den vor dem Landgericht angeklagten Vorwürfen eingestellt hat.

Insofern gilt: Die Geschichte, die die GZ ab heute ausführlich in drei Teilen aufrollt, beschreibt einen Vorgang, der von keinem Gericht der Welt sanktioniert wurde. Insofern gilt wie stets die Unschuldsvermutung für alle Akteure, die allerdings teils bei günstigen Gelegenheiten energisch zugreifen, teils trotz offenkundiger Ungereimtheiten mindestens aus Bequemlichkeit wegschauen.








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