Freitag, 20.09.2019

Die Welt lockt, der Harz aber auch

Leserbrief

Goslar. Die Faktoren Ausbildung und Zukunftsperspektive sind für Jugendliche und junge Erwachsene bei der Entscheidung wichtig, in der Heimatregion zu bleiben oder zu gehen. Was darüber hinaus wichtig für sie ist, und ob es überhaupt ein Schwarz-Weiß-Denken beim Thema Weggehen oder Bleiben gibt, haben Auszubildende und Schüler der Jungen Szene auf der Berufs- und Studienmesse im Kreishaus erzählt.

Pia Ruprecht, die beim Relexa Hotel Harz-Wald in Braunlage eine Ausbildung zur Hotelkauffrau und ein Duales Studium in Wernigerode absolviert, hat solche Pläne. „Im Relexa Hotel haben wir ein gutes Arbeitsklima und ein tolles Team. Nach dem Studium möchte ich aber noch etwas Auslandserfahrung sammeln und auch andere Betriebe kennenlernen“, sagt Pia Ruprecht. „Nach Braunlage möchte ich auf jeden Fall zurückkehren, schon wegen meiner Familie. Aber auch ins Relexa Hotel würde ich jederzeit zurückkommen.“

Erst etwas umschauen

Die 19-jährige Laura Brennecke macht eine Ausbildung zur Fleischerin. Sie habe nach der Schule einige Praktika absolviert, um sich beruflich zu orientieren, erzählt sie. „Für die Lehre möchte ich auf jeden Fall in der Region bleiben. Aber danach möchte ich mich etwas umschauen. In anderen Regionen gibt es andere Arbeitsweisen und auch andere Produkte. Ich bin aber grundsätzlich gerne im Harz. Durch den steigenden Tourismus hat er wirtschaftlich einiges zu bieten.“

Für Nina Heinemann und Jan Schröder zählen neben ihrem Ausbildungsplatz bei Holz-Heinemann in Goslar ganz klar die Natur und die vielen Ausflugsziele in der Region. „Ich bin in Clausthal aufgewachsen und bin gerne hier. Mir gefällt besonders die gute Luft bei uns im Harz“, sagt Schröder.

Bus- und Bahnanbindung könnten vebessert werden

Kimberly Schäfer aus Goslar hat andere Pläne. Sie möchte in Göttingen Jura studieren. „Es gibt schon einige tolle Sachen, wie die Sommerrodelbahn in Hahnenklee. In der Innenstadt von Goslar könnte es allerdings mehr für Jugendliche geben“, sagt sie. Bus- und Bahnanbindung könnten auch verbessert werden. Jugendliche seien doch sehr aufs Auto angewiesen.

Der aus Bad Harzburg kommende David Vujicic möchte nach dem Abitur eine Ausbildung beginnen. Dass es wenig Lärm gebe im Harz, finde er gut. „Andererseits gibt es ab zehn Uhr nichts mehr zu machen. Deswegen möchte ich später auch in eine größere Stadt umziehen“, sagt er. Wohin genau, sei aber noch offen.

Stadt erscheint besser

Auch wenn es in der Region einige interessante Angebote gäbe, sehen die beiden Schüler und ihre Freunde ihre Zukunft eher in größeren Städten. Dort gäbe es mehr Auswahl an Jobs und Freizeitmöglichkeiten, und der öffentliche Nahverkehr sei besser.

Was sie an der Messe, aber auch an der Schule etwas störe, sei der Druck, der aufgebaut werde, ein Studium anzufangen. Sie hätten gerne auch mehr über die Ausbildungsberufe in der Region Goslar erfahren. Sie hätten den Eindruck, nach dem Abitur gar keine andere Wahl zu haben, als an die Uni zu gehen.

Um mehr Raum für Aussteller und die 2500 Besucher im Kreishaus an der Klubgartenstraße zu schaffen, wurden die beiden Messetage zwischen der Sekundarstufe I und II getrennt. Am ersten Tag gab es einen Schwerpunkt bei den Ausbildungsberufen, während am zweiten Tag die Universitäten aus der Region und den Nachbarregionen verstärkt vertreten waren. Eine Trennung aus rein logistischen Gründen, wie es vonseiten des Landkreises hieß.

 

DAS SAGEN UNSERE SOCIAL-MEDIA-NUTZER:

Auch online haben sich junge GZ-Leser dazu geäußert, was sie im Harz hält, beziehungsweise ältere preisgegeben, was sie damals in der Region gehalten hat. Das Freizeitangebot spielt bei den Antworten allerdings scheinbar eher eine nebengeordnete Rolle: Familie, Natur und das Gefühl, in einer Gemeinschaft zu leben, scheinen für junge Menschen die ausschlaggebenden Faktoren zu sein, zu bleiben. Schlechte berufliche Perspektiven werden allerdings als Gründe genannt, den Harz zu verlassen.

Folgendes schreiben User bei Facebook:

Daniel Grimm: „Ich habe hier Familie, Freunde – man kennt sich im Ort. Das Haus, das man eventuell erbt, kommt noch dazu. Zudem ist für mich als Motorradfahrer hier alles vor der Tür.“
Buford T. Justice: „Home is where the Harz is!“
Frank Lange: „Weiß nicht, ob sich junge Menschen aus dem Harz von jungen Menschen aus dem Rest der Republik oder der Welt unterscheiden? Niemand verlässt gern seine Heimat, Freunde oder Familie. Aber wenn man keine gute Perspektive in Sachen Ausbildung und Beruf bekommt, dann zieht man dort hin, wo man sich mehr erhofft.“

Und diese Meinungen erreichten uns über Instagram:

kaffeemaul: „Ich bin damals dort abgehauen, weil es null Perspektiven gab. Die hat man in anderen Städten definitiv mehr. Seit ich in Celle wohne, geht es mir in allen Lagen besser. Auch die Leute sind hier nicht so engstirnig und verlogen, wie dort oben.“
stephie_chah: „Geboren im Harz und aufgewachsen in Clausthal-Zellerfeld, meine Tochter wächst auch hier auf. Die Natur und das Familiäre sind einfach unglaublich. Jeder kennt sich und man ist nirgendwo fremd. Wir bleiben dem Oberharz treu.“








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