Montag, 12.03.2018

Cannabis ist gefährlicher, als man denkt

Leserbrief

Goslar/Harz. Experten wie Lars Fischer von der Goslarer Jugend- und Drogenberatung „Drobs“ warnen eindringlich vor dem Konsum von Cannabis: Immer mehr Jugendliche würden schon in jungen Jahren zu der Droge greifen. Fischer sagt sogar, dass es die Droge mittlerweile an jeder Schule gebe. Dabei seien die Wirkstoffe heute viel gefährlicher als noch in früheren Jahren.

Das größte Problem sei, dass es Cannabis an jeder Ecke gebe, berichtet Fischer. „Die Droge ist für Minderjährige viel leichter zu erhalten als Alkohol. An der Supermarktkasse wird der Personalausweis kontrolliert. Dem Dealer ist es hingegen total egal, wie alt seine Kunden sind“, erzählt er.

Er berichtet, dass bundesweit jeder Dritte der 12- bis 25-Jährigen bereits einmal illegale Drogen konsumiert hätte und es sich dabei fast immer um Cannabis handele.

Eine falsche Vorstellung

„Erschreckend ist auch, dass das Alter beim Erstkonsum gesunken ist.“ Statistiken belegen, dass es in den 1990er Jahren noch bei etwa 17,6 Jahren lag und nach 2000 auf unter 16,4 Jahren gesunken ist. Fischer berichtet, dass bei Jugendlichen offenbar die falsche Vorstellung bestehe, Cannabis sei nicht so schädlich wie Alkohol oder andere Drogen.

Der Experte erklärt, dass Cannabis besonders bei Jugendlichen irreparable Schäden anrichten könne: „Gerade in der Pubertät, wenn das Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist, kann die Droge lang anhaltende Beeinträchtigungen mit sich bringen.“ Sie schränke besonders die Aufmerksamkeit oder das Gedächtnis ein. Zudem sagt Fischer, dass sich psychische Störungen und Abhängigkeiten entwickeln können. Bei Jugendlichen könne die Hemmschwelle für den Konsum stärkerer Drogen sinken.

„Hinzu kommt, dass sich in den vergangenen Jahren der Wirkstoffgehalt im Cannabis erhöht hat“, sagt der Diplom-Pädagoge. Vor einiger Zeit lag der Wirkstoff noch bei etwa fünf bis sieben Prozent. Heutzutage sei mehr als 20 Prozent davon in Cannabis enthalten. „Da es sich um eine illegale Droge handelt, wird der Stoff der Dealer nicht auf seine Inhaltsstoffe kontrolliert. Manchmal können auch sogenannte synthetische Cannabinoide darin enthalten sein, die noch weitreichendere Nebenwirkungen mit sich bringen können“, erklärt er.

Wegen der gefährlichen Folgen des Drogenkonsums „gehe die Freigabe von Cannabis für Jugendliche absolut gar nicht“, sagt Fischer. Viele Menschen in Deutschland und in anderen Ländern fordern, Cannabis zu legalisieren. Vor fast genau einem Jahr trat ein Gesetz in Deutschland in Kraft, das es Ärzten in Einzelfällen erlaubt, Schwerkranken Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Die darin enthaltenen Wirkstoffe können für sie schmerzlindernd sein. Cannabis als Rauschmittel ist aber nach wie vor illegal.

Mehr Hilfesuchende

Dass sich der Cannabiskonsum in den vergangenen Jahren stark verändert hat, bemerkt der Experte an den Hilfesuchenden in der Drogenberatung. „Vor 25 Jahren hat sich kein einziger Cannabiskonsument an uns gewendet. Nun sind sie die zweitgrößte Gruppe in unserer Beratungsstelle“ sagt er.

Für Außenstehende wie Eltern sei es auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen, ob ihre Kinder Kontakt zu dieser Droge haben, sagt Fischer. „Es kann ein Warnsignal sein, wenn Jugendliche ihr Verhalten ändern oder ihre Interessen und Hobbys vernachlässigen. Da sie sich aber in der Pubertät befinden, könnte das aber auch ein Anzeichen für das Erwachsenwerden sein“, beschreibt er die Schwierigkeit mit der unterschätzten Droge.







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