Freitag, 18.08.2017

„Wir halten uns weiterhin auf Standby“

Leserbrief
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Clausthal-Zellerfeld. Eigentlich hatte Annika Klose einen festen Plan für die nächsten zwei Wochen: Die25-Jährige wollte ab morgen mit der Regensburger Organisation „Sea Eye“ bei einer Seenotrettungsaktion mithelfen, um vor der libyschen Küste Flüchtlinge zu retten – die Organisation musste dieses Vorhaben jetzt aber absagen.

Clausthal-Zellerfeld. Eigentlich hatte Annika Klose einen festen Plan für die nächsten zwei Wochen:  Zu hoch ist das Risiko, das für die Crew dabei besteht: Am vergangenen Wochenende hatte die libysche Regierung die Küstenregion nämlich zur Sperrzone für ausländische Schiffe erklärt und jedem, der diese verletzt, Gewalt angedroht.

Ursprünglich stammt Annika Klose aus Clausthal-Zellerfeld und ist heute noch mit ihrer Heimatstadt verbunden, auch wenn sie mittlerweile Sozialwissenschaften im Master in Berlin studiert. Im Juni hat sie sich dafür entschieden, bei einer solchen Aktion zu helfen: „Ich habe oft Bilder von Flüchtlingen auf dem Meer gesehen. Dabei hatte ich ein Gefühl der Machtlosigkeit, dass ich selbst nichts dagegen unternehmen kann“, erzählt sie.

„Dann habe ich mir gedacht: Doch, ich kann helfen: Ich bin zwar weder Medizinerin noch Nautikerin, aber auch ich kann die Menschen unterstützen und habe die Organisation deswegen angeschrieben.“

Warten vor Ort in Malta

Da Annika Klose außerdem selbst als Landesvorsitzende bei den Jungen Sozialen in Berlin politische aktiv ist, wollte sie durch ihren Einsatz das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Dass die Mission aufgrund der Entscheidung Libyens vorläufig abgesagt wurde, stimmt sie besorgt und enttäuscht: „Einerseits mache ich mir Gedanken um die Menschen, die darunter leiden werden, weil sie nicht gerettet werden können. Auf der anderen Seite fühle ich mich selbst hilflos, weil ich nun doch erst mal nichts unternehmen kann“, meint sie.

Annika Klose befindet sich dennoch gerade vor Ort in Malta und hat sich gestern mit der Crew getroffen, mit der sie morgen eigentlich in See stechen wollte. „Wir sind hier gerade quasi im Standby-Modus“, erklärt sie. „Heute übernehmen wir das Schiff, selbst wenn die Mission nicht startet. Ich hoffe zwar nicht, dass wir tatsächlich in den nächsten zwei Wochen nur tatenlos herumschippern können, aber bisher kann leider niemand genau sagen, was wird.“

Hilfe hat Priorität

Die 25-Jährige könnte sich außerdem vorstellen, auch an anderer Stelle zu helfen. „Selbst wenn die Mission gar nicht startet, möchte ich die politische Aufmerksamkeit auf solche Hilfsaktionen lenken“, sagt sie. „Gerade in der jetzt beginnenden Zeit der Wahlen sollte man darüber sprechen – ich bin mir sicher, dass das Thema auch viele andere nicht kalt lässt.“

Hinsichtlich der vor der libyschen Küste eingerichteten Sperrzone hat die deutsche Bundesregierung gestern Stellung bezogen: Die Einrichtungen des libyschen Such- und Rettungsbereichs sollten nicht zu Einschränkungen führen, die die Völkerrechte von sogenannten Nicht-Regierungsorganisationen einengt, wie die „Welt“ gestern vermeldete. Eine Änderung der Situation ist aber bisher nicht in Sicht.

Selbst wenn Annika Klose nicht helfen kann, die Seenotrettungsmissionen aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden, würde sie das freuen: „Es ist natürlich schade, wenn unsere Crew nichts ausrichten kann. Aber im Endeffekt geht es nicht um mich – es geht darum, die Menschen zu retten“, meint sie.



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