Freitag, 08.11.2019

„NSU Watch“ fordert : „Keinen Schlussstrich ziehen!“

Leserbrief

Goslar. Verfassungsschutz: Versagt. Polizei: Versagt. Medien: Versagt. Gesellschaft: Versagt. Konsequenz: Eine rechtsextreme Terror-Gruppe begeht in fast zehn Jahren unbehelligt zehn Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Fasst man die Geschichte des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) so zusammen, ist die Bilanz schon erschreckend genug.

Was noch hinzu kommt, beschäftigt und beschämt gleichermaßen: Anstatt die Mordserie an Mitbürgern mit ausländischer Herkunft mit den Aktivitäten des bekannten Nazi-Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in Verbindung zu setzen, glauben Polizei und Medien an eine kriminelle Verwicklung der Opfer, die zu deren Ermordung führte – wie sich herausstellt, aufgrund rassistischer Vorurteile.

Nach Gerichtsverhandlung weiter gemacht

Was Caro Keller von der Organistion „NSU-Watch“ den Schülernam Christian-von-Dohm-Gymnasium am späten Vormittag berichtet, sind Fakten, die während der Ermittlungs- und Gerichtsverfahren rund um den NSU-Komplex ans Licht gekommen sind.

„Wir haben uns nach dem Ende der Gerichtsverhandlung in München dazu entschieden, weiter zu machen, da das Thema nach wie vor aktuell ist“, erklärt Keller. Sie und ihre Kollegen wollen Aufklärungsarbeit leisten, um so zukünftigen rechten Terror zu verhindern. Außerdem seinen noch sehr wichtige Fragen offen. „Wer war das Unterstützer-Netzwerk der Terroristen? Wer hat die Opfer und Ziele ausgewählt? Es ist klar, dass der NSU jeweils ortsansässige Unterstützer hatte, die die Taten mit vorbereitet und ermöglicht haben“, zählt Keller auf. Es sei nach wie vor unklar, wieso der Verfassungsschutz, mit etwa 40 V-Leuten in rechten Netzwerken, Informationen nicht weitergegeben hat. Außerdem sei bislang noch nicht klar, warum ebenfalls vonseiten des Verfassungsschutzes bewusst gelogen wurde und wichtige Akten geschreddert wurden.

Stärker und weiter aufklären

Damit es nicht zu weiterem rechtsextrem motiviertem Terror komme, müsse die Gesellschaft stärker eine weitere Aufklärung fordern und fördern. Auch das gemeinsame Gedenken, und das Erinnern an die Opfer des NSU helfe, für das Thema zu sensibilisieren.

Wichtig sei, offen rechtem und rassistischem Gedankengut entgegenzutreten und derartig motivierte Straftaten, auch so zu benennen. Derzeit käme es noch oft zu Verharmlosungen.

In der anschließenden Diskussionsrunde hatten die Schüler einige Fragen, die Keller mit ihnen ausführlich beleuchtete. Weitere Info zum Thema gibt es unter www.nsu-watch.info.









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