„R vom Renneberg“: Flinke Döhrener haben guten Klang
Mario und Annegret Backen leben die Welsh-Ponyzucht als gemeinsames Hobby. Drei forsche Jährlingsstuten mit den klingenden Namen Resi, Belinda und Shakira teilen sich derzeit mit der 33-jährigen „Pony-Oma“ Ramona die Koppel. Foto: Leifeld
Annegret Backen war über viele Jahrzehnte im Reit- und Fahrsport sehr erfolgreich und aktiv. Inzwischen hat die 54-jährige Döhrenerin den Pferdesport an den Nagel gehängt und widmet sich mit großem Erfolg der Welsh-B-Ponyzucht.
Döhren . Wer A sagt, muss auch B sagen. Für Annegret Backen war das aber niemals eine Frage. Denn sie sagt niemals A , sondern immer gleich B – und bleibt strikt auch dabei. Inzwischen züchtet die bekennende Pferdenärrin seit gut 30 Jahren Welsh-B-Ponys. Zur Kategorisierung A, B und C benötigt der Laie eine Erklärung. Unterteilt wird die beliebte Rasse der Welsh-Mountain-Ponys in vier Sektionen der Größe nach: A, das sind Ponys bis zu einem 1,22 Meter Stockmaß, in der B-Kategorie reichen die Pferde bis 1,37 Meter und C bedeutet, Tiere, die deutlich stämmiger als B und eine Kreuzung aus A und D sind. Dann gibt es auch noch die Welsh-D-Ponys. Das sind sehr kraftvolle Pferde mit einer Größe zwischen 145 und 1,55 Metern. Jede Sektion ist gleichermaßen gut geeignet fürs Springen oder für die Dressur, Vielseitigkeit, Fahren und natürlich auch als Freizeitpony.
Welsh-B-Ponys sind kräftig und können bis zu 60 Kilogramm schwere Reiter tragen. Die Tiere der ursprünglichen Rasse wurden im frühen 19. Jahrhundert als Grubenponys im englischen Kohlenbergbau eingesetzt, fanden aber auch zum Fahren kleiner Wagen und als Lastentiere ihre Verwendung.
Vierbeiner mit viel Charakter
Die robusten Vierbeiner sind geradezu ideal für den Fahrsport. Auf solchen Turnieren wird ein-, zwei- oder vierspännig gefahren. Die meisten Turniere bestehen aus Prüfungen in den Disziplinen Dressur, Gelände- und Hindernisfahren. Dieser sportliche Aspekt, in Kombination mit der Ponyzucht, prägt seit Jahrzehnten das sportliche Leben der Familie Backen. „Anfänglich züchteten mein Vater und ich das Deutsche Reitpony“, erinnert die 54-jährige an einen beständigen, tierischen Trubel im Hause. Aber später schwenkten sie sehr erfolgreich auf die robusten Briten um.
Und die Döhrener Welsh-B-Zuchtlinie „R vom Renneberg“ hat sich in Kennerkreisen längst mit einem guten Klang etabliert. „Kardinal R von Renneberg“ ist ein 2021 geborener Fuchshengst, der bereits in jungen Jahren viele Preise abräumte: So wurde er Sieger im Fohlenchampionat des Ponyverbandes Hannover und ist als Prämienhengstanwärter bestens geeignet für die Zucht.
Für „Pony-Mama“ Annegret Backen ist es als Züchterin immer wieder wunderbar, wenn eines ihrer Fohlen erfolgreich in die Welt hinauszieht, aber es bleibe auch immer eine Lücke im Herzen zurück. Auf einer Koppel, nahe des Döhrener Sportplatzes, tummelt sich der Fohlenjahrgang des laufenden Jahres mit den Eltern. Das sind die 26-jährige Sina mit Töchterchen Sunlight und die Staatsprämienstute Orea mit ihrem vielversprechenden Sohn Odin „Auch Odin ist ein wunderbares Fohlen“, gerät die Züchterin beim Anblick des feschen Schwarzbraunen ins Schwärmen. Er präsentierte sich unlängst auf der Fohlenschauen der Interessengemeinschaft (IG) Welsh in Hohne sehr erfolgreich. Es sei zu Schade, dass er ein Hengst ist, bedauerte sie beim Blick auf das so fröhliche Fohlen: „Ich kann nur Stutenfohlen behalten. Hengstfohlen verkaufe ich, wenn sie rund sechs Monate alt sind.“ Auch der kleine „Odin R. vom Renneberg“ hat schon einen neuen Besitzer und wird bald in die große weite Welt ziehen.

Der kleine Odin präsentiert sich unlängst auf der Fohlenschauen der Interessengemeinschaft (IG) Welsh in Hohne sehr erfolgreich. Foto: Privat
Riesige Nachfrage nach Döhrener Ponyzucht
Die Nachfrage nach Welsh-B-Ponys aus der Döhrener „R vom Renneberg“-Zucht sei riesig, bestätigt Backen. „Auf viele Turnieren sehe ich immer wieder Ponys aus unserer Zucht. Und oft bekomme ich auch berichtet, wo welche Tiere erfolgreich vertreten waren.“ Das erfülle sie dann immer mit Stolz und auch ein bisschen Wehmut, sagt sie. Nach vielen erfolgreichen Jahrzehnten im Fahrsport ist die 54-jährige sportlich derzeit nicht mehr aktiv.
„Der Fahrsport ist ein Sport für reiche Leute geworden“, bedauert sie zutiefst und erklärt: „Man fährt mit einem Zwei- oder Vierspänner zum Turnier. Mit der entsprechenden Kutsche und idealerweise noch mit einem Ersatzpony. Das alles muss transportiert werden. Die dreigeteilten Turnierprüfungen gehen von Freitag bis Sonntag. Anreise ist am Donnerstag. Boxen kosten 120 Euro pro Pferd und Tag müssen gebucht und das Futter vor Ort gekauft werden.“

Welsh-B-Ponys sind freundliche und robuste Vierbeiner mit viel Charakter. Foto: Leifeld
Zuletzt sollte Annegret Backen zu ihrer geländegängigen Kutsche sogar noch eine für die Dressurprüfung mitbringen. „Und Zuhause steht das Leben an so einem Turnierwochenende ja auch nicht still. Die Ponys die dort bleiben, müssen ebenfalls versorgt werden.“ Das sind Aufgaben, die neben einem Berufsleben nicht mehr zu stemmen sind, bedauert sie sehr. Fahrwettbewerbe im Landkreis Goslar gäbe es schon lange nicht mehr. „Darum sind wir derzeit im Fahrsport nicht aktiv.“ Jede erdenkliche Unterstützung erhält sie durch ihren Ehemann Mario. Die Ponyzucht leben sie als gemeinsames Hobby.
Pony-Oma hütet die Kinderstube
Neben den zwei Mutterstuten ist natürlich noch viel Luft im Hause Backen. „Früher hatten wir bis zu 18 Ponys, als wir noch im Fahrsport aktiv waren.“ Heute frage sie sich oft, wie das alles zu schaffen war. Es gibt aber noch vier weitere vierbeinige Familienmitglieder: Die 33-jährige Fuchsstute Ramona sei selbst im hohen Alter noch ein wunderbarer Ruhepol, strahle Gelassenheit aus und hüte die Kinderstube im Hause Backen: Drei forsche Welsh-B Jährlingsstuten mit den Namen Resi, Belinda und Shakira teilen sich mit ihr die Koppel. Drei freche Teenies in der Pferdewelt, aber Ramona bremst allen tierischen Übermut aus. „Das ist ganz wichtig, dass sich die Jährlinge an ihr als lebenserfahrener Oma orientieren können“, hält Annegret Backen fest. Das Trio wird die Döhrener Welsh-B-Ponyzucht „R vom Renneberg“ mit neuen Blutlinien auffrischen und in der nächsten Generation führen. „Sie werden eingeritten und als Fahrponys ausgebildet, wenn sie mindestens drei Jahre alt sind“, erzählt die Pferdekennerin. Die Ausbildung selber werde ein gutes Jahr dauern.“ Bis dahin sollen sie ihre Kindheit auf ihrer Weide bei Döhren genießen.

Der Fohlenjahrgang 2024 präsentiert sich bereits sehr erfolgreich. Foto: Andrea Leifeld