Dienstag, 15.09.2020

Probstei Seesen-Gandersheim prüft Ideen für Weihnachten in Corona-Zeiten

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Bad Gandersheim. Es sind nur noch 100 Tage bis Weihnachten. Höchste Zeit also, sich über das Fest der Liebe in Zeiten von Corona Gedanken zu machen. „Alle bauen irgendwie darauf, dass bis Weihnachten alles wieder ganz normal ist und die Corona-Problematik sich in Wohlgefallen aufgelöst hat. Das ist eine ganz menschliche Haltung: Wenn wir ein Problem nicht gelöst bekommen, blenden wir es aus und verschließen die Augen davor“, erklärt Pfarrer Thomas Ehgart von der Stiftskirchengemeinde Bad Gandersheim. „Doch es ist unrealistisch anzunehmen, dass wir an Weihnachten wieder Gottesdienste mit 200 oder 500 Menschen in der Kirche feiern können.“

Alles voll in der Herberge

Derzeit beraten die Pfarrerinnen und Pfarrer in der Propstei Gandersheim-Seesen, wie Weihnachten dennoch stimmungsvoll und schön gestaltet werden kann. „Wir haben uns im Pfarrkonvent zusammengesetzt und erste Ideen und Ansätze entwickelt“, berichtet Pfarrer Ehgart. Letzten Endes entscheiden jedoch die Kirchenvorstände vor Ort, wie Gottesdienste gestaltet werden. Dabei sind sie natürlich wie alle anderen an die Corona-Auflagen des Landes Niedersachsen gebunden. „Wir müssen abwägen zwischen den Bedürfnissen der Menschen, den rechtlichen Rahmenbedingungen und dem, was sinnvoll und verantwortbar ist“, betont Ehgart.

Nach den derzeit geltenden Abstandsregeln dürfen viele Kirchen gerade mal 20 bis 50 Besucher pro Gottesdienst einlassen. Schwer vorstellbar an Heiligabend, wo beispielsweise in der Stiftskirche jeder der 500 Plätze belegt ist und die Menschen auf den Gängen stehen. „Ansätze wie das Ausgeben von Tickets für den Gottesdienst kommen für uns nicht in Frage. Wenn300 Menschen in die Kirche wollen und 50 haben eine Karte, dann ist das Betlehem pur: kein Platz in der Herberge. Das wollen wir auf keinen Fall“, erklärt Pfarrer Ehgart. Damit bleibt eigentlich nur der Gottesdienst unter freiem Himmel.

Laien-Andachten im kleinen Kreis

Aktuell werde geprüft, wo auf den Dörfern rund um Bad Gandersheim beispielsweise Reithallen, Schützenhäuser oder Fußballplätze für Weihnachtsgottesdienste in Frage kämen. In den großen Kirchen in Seesen und Gandersheim könnten die Vorplätze genutzt werden.

Eine weitere Idee sind kleine Andachtsformate mit bis zu zwanzig Menschen, bei denen die Weihnachtsgeschichte erzählt und Weihnachtslieder gesungen werden. „Das ist ja eine ur-evangelische Idee: Man braucht keinen Pastor, um einen Gottesdienst zu feiern. Das heißt, auch Laien könnten diese Weihnachtsandacht halten. Dazu würde es einen Workshop zur Vorbereitung geben und die Pfarrerinnen und Pfarrer hätten beratende Funktion“, erklärt Ehgart.

Regionales Projekt

Ergänzend könnte es ein professionell produziertes Video geben, das Heiligabend ausgestrahlt wird. Damit könnte man auch diejenigen Menschen erreichen, die aus Angst vor einer möglichen Corona-Infektion gar nicht erst in die Kirche gehen, sagt Ehgart. „Natürlich kann man sich auch im Fernsehen einen Weihnachtsgottesdienst angucken. Das Charmante an unserem Video wäre, dass darin Orte und Menschen aus dem Propstei-Gebiet zu Wort kommen, quasi ein regionales Gemeinschaftsprojekt.“

Der häufig gehörte Vorschlag, einfach viele kurze Gottesdienste hintereinander abzuhalten, sei dagegen nicht realistisch. „Wir müssten zum Beispiel in der Stiftskirche mindestens zehn Gottesdienste hintereinander machen, dazwischen müsste alles gelüftet und desinfiziert werden. Und damit wären die Dörfer noch gar nicht abgedeckt, die ja auch gerne in ihren Kirchen Weihnachten feiern wollen. So viel Personal steht uns nicht zur Verfügung“, erklärt Ehgart.

Bei allen Ideen handele es sich um Vorschläge. Entschieden sei noch nichts. Ehgart fordert alle Gemeindemitglieder auf, sich in die Diskussion einzubringen und Vorschläge zu machen. 









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