Donnerstag, 11.06.2020

Intendant der Domfestspiele: Online-Theater ist „keine Lösung“

Die Braunlager Musical-Darstellerin Maike Switzer spielte 2016 die Rolle der Mutter von Michel aus Lönneberga. Archivfoto: Eggers

Bad Gandersheim. Der Intendant der Domfestspiele hat die Situation des „größten professionellen Freilichttheaters in Niedersachsen“ in der aktuellen Corona-Krise geschildert. „Wir haben zusammen mit dem Aufsichtsrat die richtige Entscheidung getroffen, die Spielzeit abzusagen, aber wir haben sie unter Tränen getroffen“, sagte er im Skype-Webtalk des Landtagsabgeordneten Christian Grascha (FDP).

Theater bleibe ein Live-Ereignis, ein persönliches Erlebnis zwischen Menschen auf der Bühne und dem Publikum. Deswegen seien Online-Theaterformate auch keine Lösung. Diejenigen, die von der Absage der Domfestspiele am stärksten betroffen seien, die Schauspieler und Techniker und Mitarbeiter in Maske und Bühnenbild, in Summe in Bad Gandersheim rund 70 Mitarbeiter pro Saison, hätten jetzt häufig kein Einkommen. Wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe, würden die Menschen auf und hinter der Bühne aktuell nicht häufig auf Grundsicherung zurück geworfen, äußerte er laut Pressemitteilung der Festspielleitung.

Nachhaltigere Förderung

Lenz sprach sich für eine nachhaltigere, auf Dauer ausgelegte Kulturförderung aus. Die Gandersheimer Domfestspiele seien dankbar für die Unterstützung von Bund und Land. Dennoch bestehe vielleicht durch die Corona-Krise die Chance, in „der Art der Hilfe“ etwas zu verändern – von der projektbezogenen, jährlichen Förderung hin zu einer längerfristigen Unterstützung. Lenz nannte hier als Beispiel das Kulturfördergesetz in seiner Heimat der Schweiz, das einen Dreijahreszeitraum als Förderperiode berücksichtige. Das würde Theatern eine verlässlichere Planungsgrundlage und Sicherheit für die Beschäftigten geben. Dafür sprach sich auch der Einbecker FDP-Landtagsabgeordnete Grascha aus: Gerade bei Veranstaltungen, die auf Dauer ausgelegt seien (die Domfestspiele gibt es seit mehr als 60 Jahren) sollte es eine mehrjährige Unterstützung geben.

Der Intendant bedankte sich für die Solidarität vieler Sponsoren, an der sich die regionale Verbundenheit untereinander zeige. Lenz: „Die wollen, dass die Domfestspiele nächstes Jahr wieder stattfinden.“ Der Intendant ist vorsichtig optimistisch, dass es 2021 wieder Sommertheater vor dem Domportal geben kann. 


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