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Hochseilpark im Schutzgebiet

GZ Plus IconKreistag stellt Weichen für Investition im Kalten Tal in Harzburg

Der Hochseilpark „Skyrope“ im Kalten Tal in Bad Harzburg soll durch einen Abenteuerspielplatz auf bis zu 28 Meter hohen Masten ersetzt werden. Dazu muss eine Fläche aus dem Landschaftsschutz entlassen werden.

Der Hochseilpark „Skyrope“ im Kalten Tal in Bad Harzburg soll durch einen Abenteuerspielplatz auf bis zu 28 Meter hohen Masten ersetzt werden. Dazu muss eine Fläche aus dem Landschaftsschutz entlassen werden. Foto: Schlegel

Der in die Jahre gekommene Hochseilpark „Skyrope“ im Kalten Tal in Bad Harzburg soll durch einen Abenteuerspielplatz auf bis zu 28 Meter hohen Masten ersetzt werden. Der Kreistag ebnete den Weg für die Investition, an der es auch Kritik gibt.

Von Oliver Stade Donnerstag, 15.05.2025, 04:00 Uhr

Goslar/Bad Harzburg. Was wiegt höher, Naturschutz oder Investitionen in den Tourismus? Mit dieser Grundsatzfrage hat sich der Kreistag in Goslar in dieser Woche befasst. Er hat mehrheitlich die Weichen für eine Investition im Kalten Tal in Bad Harzburg gestellt.

Der 2004 errichtete Skyrope-Hochseilpark soll durch eine „Wipfel-Erlebnis-Welt“, ein Abenteuerspielplatz auf 18 bis 28 Meter hohen Masten, an gleicher Stelle ersetzt werden. Dazu muss eine Fläche aus dem Landschaftsschutz entlassen werden. Dieses Verfahren wird nun durch den Kreistagsbeschluss ermöglicht.

Nur zweiter Sieger

Mit dem Thema ist eine Grundsatzfrage verknüpft: Ob der Naturschutz ausreichend wichtig genug genommen wird. Detlef Vollheyde von der Bürgerliste/WGL erklärte, die Interessen des Natur- und Umweltschutzes würden missachtet, sie blieben im Abwägungsverfahren stets nur zweiter Sieger.

„Das kann so nicht weitergehen“, sagte Vollheyde und verwies darauf, dass die Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet Harz mit dem bevorstehenden Eingriff bereits zum 15. Mal geändert wurde, seit das Gebiet Ende 2010 für etwa ein Drittel der Landkreisfläche eingerichtet wurde.

Vollheyde sprach „von Störungen im Naturraum“. Mit Blick auf den Natureingriff im Kalten Teil lenkte er den Blick zudem auf „Erweiterungen der Steinbrüche“, die anstehen. Mathias Schlawitz, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, erklärte, es gehe zunächst nur darum, das Verfahren einzuleiten, um die beantragte Flächenentlassung zu prüfen. Außerdem werde das Gelände bereits „touristisch genutzt“. „Es ändert sich nichts“, erklärte er. Darüber hinaus würden „Ausgleichsflächen in der gleichen Kommune“ vor einer weiteren Nutzung bewahrt.

Damit spielte Schlawitz darauf an, dass die Stadt Bad Harzburg gleichsam im Gegenzug zu der Entlassung aus dem Landschaftsschutz im Kalten Tal für eine Fläche an der Rennbahn den Schutzstatus erhöhen will. Schlawitz sagte mit Blick in seine Fraktion außerdem: „Wir haben uns die Diskussion nicht leicht gemacht, nicht alle werden der Vorlage zustimmen.“

„Vernünftige Abwägung“

Der Bad Harzburger Sozialdemokrat Henning Franke sprach von einer „Erfolgsgeschichte“ im Kalten Tal. Dort habe „sich richtig was getan“. Er sieht die Entscheidung für die Investition als „vernünftige Abwägung zwischen Natur und Entwicklung“, zumal es sich mit zwei Hektar um eine „kleine Fläche“ handle.

Kritische Worte fand Peggy Plettner-Voigt („Die Linke“). Ihre grundsätzliche Haltung „zu solchen Vorhaben“ bezeichnete sie als „kritisch bis ablehnend“. Der Baumwipfelpfad mit den anderen Einrichtungen im Kalten Tal sei ein „Projekt mit Strahlkraft“. Aber „touristischer Erfolg“ darf nicht dazu führen, dass der Landschaftsschutz das Nachsehen habe. Sie meinte außerdem, dass die Gefahr bestehe, dass sich der Harz in zwei Richtungen entwickle: Leuchtturmprojekte neben verödeten Orten.

Die Kreistags-Vorlage wurde mit großer Mehrheit angenommen, sie erhielt 43 Stimmen. Mit Nein stimmten Detlef Vollheyde und Heike Wodicka (ebenfalls Bürgerliste/WGL) und die CDU-Abgeordnete Gesine Kirschke. Die Abgeordneten Rüdiger Wohltmann und Peggy Plettner-Voigt (beide „Die Linke“) enthielten sich ebenso wie Dr. Friedhart Knolle von den Grünen. Claudia Schmalz von der SPD beteiligte sich aus Gründen der Befangenheit nicht an der Abstimmung.

Einseitige Abwägung?

Damit nicht der Eindruck entsteht, der Landkreis entlasse leichtfertig und allzu häufig Flächen aus dem Landschaftsschutz und bewerte Investitionen in der Abwägung grundsätzlich höher, berichtete die Kreisverwaltung nach der Sitzung von zwei Fällen, bei denen es anders gelaufen sei. Zum Beispiel bei der beantragten Erweiterung eines Discounters in Zellerfeld auf geschützte Wiesenflächen und beim Bau einer Ferienhaussiedlung in Schulenberg. Diese Vorhaben seien wegen des Landschaftsschutzes bereits „in einem frühen Stadium“ gestoppt worden.

Das 38.975 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Harz umfasst unterschiedliche Flächen, etwa den Wald, aber auch Biotope wie Moore, Bergwiesen, Felsen im Okertal.

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