Donnerstag, 07.03.2019

SPD Braunlage: Viel Gegenwind zum Kandidatur-Start

Leserbrief
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Braunlage. So ganz begeistert waren die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß anfangs nicht, als ihnen Vorsitzender Hans Metje Borzu Schandermani als Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl präsentierte. Nach einer kontroversen Diskussion wählten sie ihn aber mit elf Stimmen. Der 45-jährige Wernigeröder erhielt drei Nein-Stimmen, zudem gab es zwei Enthaltungen.

Schandermani ist mit diesem Ergebnis zufrieden. „Ich hatte mit Gegenstimmen gerechnet“, sagte er. Dies sei nun einmal in der Demokratie so, zudem sei er bislang wenig bekannt. Dies wolle er aber ändern. Schandermani will nun verstärkt in die Stadt reisen und sich vorstellen. Weiter kündigte er an, auch nach Braunlage oder in einen der Ortsteile zu ziehen, sollte er am Sonntag, 16. Juni, gewählt werden. Und er könne sich zudem vorstellen, auch Mitglied der SPD zu werden.

Völlig unbekannt

Die fehlende kommunalpolitische Erfahrung war es auch, die ihm die Mitglieder unter anderem zuvor vorwarfen. „Normalerweise wird man erst einmal Mitglied einer Partei, kandidiert für den Rat, bewährt sich und wird dann Bürgermeister“, meinte beispielsweise Ulrich Wemheuer aus St. Andreasberg. Der SPD-Kandidat sei zudem völlig unbekannt, weil er nicht aus dem Bereich Braunlage komme. „Sie kennen ja nicht einmal den örtlichen Kaufmann“, sagte Wemheuer.

Aber genau das sei doch auch eine Chance, meinte Bürgermeister Stefan Grote, der betonte, als SPD-Mitglied an der Sitzung teilzunehmen. So könne jemand von außen auf die Stadt sehen und Dinge erkennen, die nicht gut laufen. „Im Fall des neuen Bauamtsleiters Thomas Reiß oder der neuen Kämmerin Martina Peine habe dies auch gut funktioniert“, ergänzte Ulrike Kleemann.

Personalverantwortung

Weiter fragte Wemheuer den Kandidaten, ob er denn schon einmal Mitarbeiter geführt habe. Immerhin seien in der Stadtverwaltung, die er führen müsse, 30 Leute beschäftigt. Für so viele Mitarbeiter habe er noch keine Personalverantwortung gehabt, aber 15 seien es auch gewesen. Er wolle zudem vielmehr ein Team führen, meinte Schandermani. Immerhin seien die Mitarbeiter alle gut ausgebildet. Dies traue er sich auch zu, zumal er derzeit Computerlösungen für die Studieninstitute erarbeite, in denen die Verwaltungsmitarbeiter ausgebildet werden. „Ein wenig Ahnung habe ich dadurch auch.“

Birgit Hahne kritisierte, dass der Kandidat in Wernigerode wohnt, dem Hauptkonkurrenten Braunlages um Übernachtungen. „Wir haben keine Konkurrenz“, sagte Grote. Die Stadt Braunlage mit 5800 Einwohnern und 1,3 Millionen Übernachtungen sei einzigartig im Harz.

Schwierige Suche

Schandermani betonte denn auch, dass er sich vor allem für den Tourismus engagieren wolle. Er wolle helfen, Mitarbeiter in die Stadt zu locken und Wohnraum zu schaffen. Weiter wolle er an der Lösung des Verkehrskonzeptes arbeiten. Die Staus in Braunlage kenne der begeisterte Skifahrer persönlich, wenn er zum Wurmberg wolle. „Wir müssen da ein Leitsystem schaffen, bei dem die Urlauber und Tagestouristen auch nach St. Andreasberg und Hohegeiß gelenkt werden, falls Braunlage überlaufen ist.“

Grote gab zu, dass es schwierig gewesen sei, einen Kandidaten zu finden. Zunächst habe eine Kommission in den eigenen Reihen gesucht. Aber viele der 58 Mitglieder des Ortsvereins hätten das Höchstalter für die Kandidatur von 67 Jahren bereits überschritten, und die Jüngeren hätten abgewinkt. Also habe man versucht, auf Unterbezirksebene jemanden zu finden, der sein Nachfolger im Amt werden wolle. Aber auch das habe nicht funktioniert. Schließlich sei Borzu Schandermani auf den Ortsverein zugekommen, habe überzeugt und sei unterstützt worden.

„Die Alternative wäre gewesen, so wie die CDU in Bad Harzburg keinen Kandidaten aufzustellen“, sagte Grote. Das wollte der Ortsverein aber nicht, er wolle vielmehr die Zukunft der Stadt mitgestalten, gerade auch im Hinblick auf die gute Vernetzung nach oben zu Land und Bund. „Sie hat uns gerade eine Bedarfszuweisung über zwei Millionen Euro eingebracht“, betonte Metje.

ZUR PERSON

Der 45-jährige Borzu Schandermani ist in Duschanbe, der heutigen Hauptstadt Tadschikistans, geboren. Sein Opa war eigenen Angaben zufolge der Vorsitzende des Zentralkomitees der Tadschikischen Sozialistischen Sowjetrepublik, sein Vater ist Arzt. Als Borzu Schandermani sieben Jahre alt ist, zieht er mit seinen Eltern nach Berlin. Der Medizinersohn wächst im Stadtteil Charlottenburg auf, macht sein Abitur und anschließend eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach studiert er Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt/Oder und Berlin. Sein Studium schließt er mit dem Diplom ab. Danach organisiert er als Selbstständiger unter anderem Mode-Events. Weil die Kinder auf dem Land aufwachsen sollen – er hat einen neunjährigen Sohn und eine sechsjährige Tochter – zieht Schandermani 2011 mit seiner Frau, die aus Blankenburg kommt, von der Hauptstadt nach Wernigerode und arbeitet seit dem im Projekt-Management eines IT-Unternehmens in Hasselfelde. 








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