Dienstag, 04.06.2019

Im Ärmel der Stadt Braunlage stecken vier Asse

Leserbrief
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Spätestens seit der Podiumsdiskussion ist klar: Was für ein Glück für Braunlage. Wo andernorts mühevoll Nachfolger gesucht werden, gibt es im Oberharz gleich Kompetenz im Viererpack. Alle vier Kandidaten kamen gut rüber, jede/r hatte seine Stärken, die sie auch klar formulierten.

Überraschend für manche, die ihn gar nicht auf dem Schirm hatten: Borzu Schandermani, als einziger nicht aus Braunlage, gebürtig aus der Sowjetunion und seit dem siebten Lebensjahr in (West-)Berlin aufgewachsen, machte eine echt gute Figur. Seit 16 Jahren kennt er als Winterurlauber Braunlage und lebt heute in Wernigerode. Aufgrund seiner „Nicht-Harzer“ Herkunft ist Schandermani im Quartett der deutliche Außenseiter. Er wirkte verbindlich, gelassen, souverän und klar. Seine wie zufällig eingestreuten Kommentare nach dem Motto „bei der Versammlung des Kinderschutzbundes hatten wir ja auch schon mal darüber gesprochen“ zeigten, wie intensiv er die Braunlager Szene während seines Wahlkampfs begleitet, wie er sich vor Ort zeigt und wie er sich informiert. Das kam gut an im Publikum. Offen zuzugeben, wenn man mal keine Ahnung hat, machte den 45-Jährigen noch sympathischer. Und er erntete einen Lacher mit einem verschmitzten Hinweis auf sein Alter, er ist der Jüngste in der Kandidatenrunde.

Hausaufgaben gemacht

Martina Peine punktete mit Fachwissen. Die Kämmerin der Stadt konnte sich allerdings nicht darauf ausruhen, die anderen Kandidaten hatten ihre Hausaufgaben gemacht und sitzen im Rat und in den Aufsichtsräten der Töchter der Stadt Braunlage (Langer, Ehrhardt). Ihre klaren Worte kamen via Mikrofon teils sehr laut aus den Boxen, da hätte man in der Technik wohl nachsteuern können. Vielleicht setzt Peine zu sehr auf ihren Vorteil, Fachfrau in Sachen Verwaltung und Rathaus und gesetzt als Wahlsiegerin zu sein. Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen, die Wähler möchten wissen, was für ein Mensch sich hinter dem Kandidaten verbirgt. Martina Peines freundliche und umgängliche Art stärker in den Fokus zu stellen, könnte neben ihrer absoluten Professionalität und fachlichen Überlegenheit ein weiteres Plus sein auf dem Weg ins Amt.

Fragen und Antworten

Bei Wolfgang Langer scheint das Format Podiumsdiskussion dafür gesorgt zu haben, dass er nicht so „rüberkam“ wie man ihn sonst kennt. Er hielt sich an die Regeln, antwortete eher kurz und prägnant. Dabei blieb bei den komplexen Themen wie etwa Verkehrslenkung manches auf der Strecke, was der findige Kopf eigentlich an Visionen hätte präsentieren können. Trotzdem konnten sich die Bürger über seine Bandbreite ein gutes Bild machen. Langer trat eher ruhig aber bestimmt auf. Der Kontrast zur Mitbewerberin zu seiner Linken wurde dadurch besonders deutlich.

Dort stand Cornelia Ehrhardt. Für sie war die Podiumsdiskussion ein Geschenk des Himmels. Sie fühlte sich sichtlich wohl, war bestens vorbereitet. Sie scheute sich nicht, im Gegensatz zu Wolfgang Langer auch mal über die zeitlichen Limits zu gehen, das Mikro zu schnappen und noch einen Nachschlag zu liefern, wenn die Frage-Antwort-Runde schon einmal durchgelaufen war. Ihr ehrenamtliches Engagement für die Stadt wusste sie als Vorteil darzustellen.

Eine gute Figur machte zuletzt auch Stefan Grote, auch wenn er gar nicht auf dem Podium saß. Der amtierende Bürgermeister, der zwar nicht namentlich genannt bei den Kandidaten-Statements durchaus sein Fett abbekam, brach eine Lanze für alle vier, die sich so offen den Fragen gestellt hatten. GZ-Chefredakteur Kleine bezichtigte er des „Foulspiels“, weil er die Kandidaten nach der Höhe der Schulden der Stadt Braunlage „insgesamt“ (also mit den Haushalten der „Töchter) gefragt hatte. Das Quartett hatte das entscheidende Wörtchen offenkundig überhört und lag mithin mit den Zahlen deutlich unter den tatsächlich rund 30 Millionen. Das „Foulspiel“ wies Kleine allerdings klar zurück: Es gehe um Transparenz. Der Schlagabtausch zwischen Verwaltungschef und Redaktionschef endete mit einem verbalen Augenzwinkern Kleines, sodass klar war: Das Betreten des Glatteises war ein durchaus erwünschter Effekt gewesen.







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