Dienstag, 04.06.2019

GZ-Wahlpodium: Die Bürger suchen ihr neues Oberhaupt

Leserbrief
Kommentieren
Mehr zum Thema
 
Im Ärmel der Stadt Braunlage stecken vier Asse
„Kandidaten haben Klartext geredet“
Warum man sie wählen sollte
Video(s)
 

Wenn vier Kandidaten zur Wahl stehen, dann wird viel geredet. Dennoch kurzweilig bei tropisch-schwülen Temperaturen in der Hapimag-Scheune gestaltete sich die GZ-Podiumsdiskussion zur Bürgermeister-Wahl in Braunlage. Als Stichwortgeber – und gern auch mal als Provokateur – lockten die Moderatoren, Chefredakteur Jörg Kleine und Braunlage-Redakteur Michael Eggers, die Vier aus der Reserve.

Cornelia Ehrhardt (CDU), Wolfgang Langer (Bürgerliste), Martina Peine (parteilos) und Borzu Schandermani (parteilos, für die SPD), hier in alphabetischer Reihenfolge genannt, standen themenblockweise Rede und Antwort. Wer von den knapp 200 Besuchern keinen Sitz- oder Stehplatz gefunden hatte, konnte die Diskussion per Video-Leinwand im Foyer verfolgen.

Es gab viel Einhelligkeit auf dem Podium, so unterschiedlich sind die Programme der Bürgermeister-Kandidaten nicht. Dennoch flachte die Diskussion nicht ab in ewig gleiche Formulierungen. Die Podiumsteilnehmer suchten sich unterschiedlich darzustellen. Sich den Vorrednern anzuschließen, blieb allerdings dann doch noch dem letzten Befragten hie und da übrig.

Verkehr

Es ist das Thema, das die Gemüter erhitzt, das wurde auch in der Publikums-Fragerunde deutlich. Als Ganzjahresproblem charakterisierte Cornelia Ehrhardt die Verkehrssituation. Konsens bei den Kandidaten: Die Umsetzung von Maßnahmen möglichst kurzfristig sei dringlich, das Spektrum reichte vom Skibus im Rahmen des gästekartenbasierten Bustickets Hatix über Shuttle, Kreisel und Parkplätze an der Peripherie bis zu Verkehrslenkungsmaßnahmen und geänderter Ampelschaltung bzw. phasenweise die Ampel am Eichhörnchenbrunnen komplett auszuschalten. Zur Forderung von Bürgern, den Schnee im Winter abzutransportieren, gab Martina Peine zusätzliche Kosten und die Belastung der Mitarbeiter, die bei Schneefall ohnehin stark beansprucht seien, zu bedenken.

Wohnen

Wieder Einstimmigkeit: Es gebe erheblichen Zuwachs an Ferienwohnungen, feste Wohnungen dagegen weniger, fasste Wolfgang Langer zusammen. Man müsse behutsam umlenken, ohne die positive wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt zu bremsen. Ein Bürgermeister müsse Klinken putzen, um Investoren für Wohnraum zu finden, sagte Schandermani. Investoren-Pläne für ein Feriendorf im Kegelbahnweg sahen alle Kandidaten mit gemischten Gefühlen. Ein(e) Bürgermeister(in) müsse mit dem Investor Lösungen entwickeln, hieß es in Bezug auf Größe der Planungen und Wohnraum für die künftigen Mitarbeiter. Applaus erhielt Martina Peine, die sich an dieser Stelle auch ein Parkhaus hätte vorstellen können, doch die Initiative sei aus dem Rat nicht gekommen. Nachfrage der Journalisten: „Warum hat die Stadt das nicht gekauft? Wenn man Bürgermeister werden will, kann man die Initiative ergreifen...“ Als Teufelskreis bezeichnete Schandermani die Situation: Es gebe Bedarf an Mitarbeitern, aber die Menschen würden nicht kommen, wenn sie hier keinen Wohnraum finden könnten. Der Einwurf aus dem Publikum, in St. Andreasberg gebe es Leerstand, regte die Kandidaten zu Gedankenspielen an. Es sei Aufgabe des Bürgermeisters, hier zu vermitteln, so Langer. Und Martina Peine sah Braunlage auf Fachmessen werben, um Handel und Handwerk in die Stadt zu holen. Schandermani und Langer lobten die Initiative des Kinderschutzbundes eines Runden Tisches. „Einfach mal manches auf dem kurzen Dienstweg genehmigen“, das würde ein Bürgermeister Wolfgang Langer tun. Zum Beispiel auch in Bezug auf das sanierungsbedürftige Kurhaus in St. An-dreasberg, das alle Kandidaten für wichtig für die Vereine hielten.

Tourismus

Die Stadt könne das Thema Personalmangel begleiten, meinte Langer. Die Politik könne mit entsprechenden Rahmenbedingungen Hilfe leisten, so Cornelia Ehrhardt. Martina Peine sah Kontakt zu Verbänden wie Wirtschaftsförderung Region Goslar (WiReGo, Industrie- und Handelskammer oder den Gaststättenverband Dehoga als wichtigen Kontakt. Und Schandermani wiederholte, dass mit ausreichendem Wohnraum auch das Personalproblem beeinflusst werden könnte. Ein gemeinsames Skigebiet Wurmberg/Schierke sahen die Kandidaten nach jetziger Planung kritisch. Schandermani brachte aber das Parkhaus Schierke für Braunlage ins Spiel: „Ich bin ein Freund von landesübergreifender Zusammenarbeit.“ Kontrovers wurde eine Verlängerung der Schmalspurbahn nach Braunlage diskutiert. Während die Braunlager begeistert wären (Langer: „touristisch eine Riesennummer“), fragte Schandermani nach dem Geldgeber für so ein Projekt, für das er zudem keinen Nutzen für Braunlage sehe.

Finanzen

Eine schwarze „Null“ im verschuldeten Braunlage kann ein Bürgermeister nicht herbeizaubern, darüber waren sich die Kandidaten einig. Die von Chefredakteur Jörg Kleine zitierten 30 Millionen Euro Schulden des Gesamtkonzerns Stadt Braunlage könnten nur in kleinen Schritten und mit Unterstützung des Landes verringert werden, hieß es. Höhere Einnahmen durch höhere Zuweisungen für Neubürger waren für Langer das A und O, Investoren und Tourismus führte Cornelia Ehrhardt an. Digitalisierung und Mitarbeiterschulung stand für Martina Peine an erster Stelle. Ordentlich wirtschaften und Überschuss erzielen, würden für Schandermani als Maßnahmen greifen.







Weitere Topthemen aus der Region:
  • Goslar
    Ein Känguru hopst durchs Kraftwerk
    Mehr
  • Goslar
    Große Gästeschar zum 125. Geburtstag
    Mehr
  • Braunlage
    „Nehme es sportlich“
    Mehr
  • Braunlage
    Wahlbeteiligung schlechter als 2011
    Mehr
  • Braunlage
    „Nicht enttäuscht“
    Mehr