Sonntag, 18.07.2021, 17:42 Uhr

Wie man Mobber einfach sitzen lässt

Oben: Die Klasse 6a diskutiert über das Theaterstück. Links: Schülerin Laura Halbsgut stoppt den Lästerer Tim (dargestellt von Sim Dhaliwal). Fotos: Hartmann

Oben: Die Klasse 6a diskutiert über das Theaterstück. Links: Schülerin Laura Halbsgut stoppt den Lästerer Tim (dargestellt von Sim Dhaliwal). Fotos: Hartmann

Goslar. „Boah, ey, die Jessica, die spuckt dauernd beim Reden. Find‘ ich voll eklig.“ „Und hast du mal die Anna gesehen? Mann, die ist voll fett geworden.“ „Aber die Melanie. Puuh, die ist so dumm, ich glaub‘, es gibt keinen Menschen, der so dumm wie die ist ...“

Tim und Kiara sitzen zusammen und tun das, was sie am liebsten tun: Lästern über ihre Mitschüler. Ein harmloses Hobby? Als die beiden den schüchternen Simon aufs Korn nehmen und auch noch über seine Mutter herziehen, eskaliert die Situation. Simon beginnt zu weinen und hält sich für einen vollkommenen Versager. Und das, obwohl er eigentlich alle Mathehausaufgaben richtig gelöst hat...

Das kurze Theaterstück ist Teil des Projekts „Demokratie leben“ an der Realschule Goldene Aue, das ein friedliches und respektvolles Miteinander fördern soll. Die Theaterpädagogen Sim Dhaliwal, Nadia Abzi und Lasse Thoms sind zu Gast in den sechsten Klassen. Den Startschuss gab die Organisatorin Gaby Drost in der 6a von Klassenlehrerin Sandra Lindermeir. Finanziert wird das Ganze mit Geldern des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wie Sozialpädagogin Viola Markwort erklärte.

Wunschthema: Lästern

Die Klasse 6a hatte sich etwas zum Thema „Lästern“ gewünscht. Eine Bestellung, die die drei Theaterpädagogen prompt lieferten. Die anderen Klassen bekommen eigene, jeweils auf ihre Ideen zugeschnittene Spielszenen.

In der Diskussion nach der Aufführung zeigten sich die Schüler empört über das Verhalten Tims. Schauspieler Sim Dhaliwal, der den fiesen Oberlästerer sehr überzeugend dargestellt hatte, fragte die Sechstklässler nach ihrer Meinung und vor allem danach, wie sie sich anstelle Kiaras verhalten hätten. Mitlästern, ja, das hätten sie alle schon mal getan, meinten die Jungen und Mädchen, aber spätestens als Tim Simons Mutter als zu doof zum Rechnen bezeichnet hatte, da wäre der Punkt erreicht gewesen, an dem Kiara ihn hätte stoppen müssen. „Ich bin auch schlecht in Mathe, aber ich werde nicht gemobbt“, stellt Laura Halbsgut klar und ergreift Partei für Simon. 

„Wer will mal Kiara spielen und es uns zeigen?“, fragt Schauspieler Dhaliwal in die Runde. Sofort meldet sich Laura. Sie ist etwas aufgeregt, aber sie hat ganz klare Vorstellungen davon, was zu tun ist. Nun gibt sie dem fiesen Mobber ruhig, aber bestimmt contra, und das Gespräch verläuft plötzlich ganz anders.

Noch härter weist Mitschüler Duajet Krasnici den lästernden Tim in die Schranken. Er lässt ihn einfach sitzen, dreht ihm den Rücken zu und beginnt ein Gespräch mit dem gemobbten Simon. Tim ist plötzlich winzig klein und allein. Alles, was ihm übrig bleibt, ist, um Entschuldigung zu bitten, damit die anderen ihn wieder mitmachen lassen. So einfach kann das sein.

Im Anschluss treffen sich die Schüler in drei kleineren Arbeitsgruppen. Jeder einzelne muss kurz vor die Tür gehen, während die anderen auf einem Zettel seine positiven Eigenschaften auflisten. „Freundlich“, steht da neben dem Namen. Oder: „Hilfsbereit, mutig, humorvoll.“ Einige sind durchaus verblüfft, als sie die vielen Komplimente lesen. „Ich soll ordentlich sein?“, lacht einer und schwenkt seinen Zettel durch die Luft. Aber ein gutes Gefühl nehmen wohl alle mit nach Hause. Und am nächsten Tag warten neue Spielszenen und Übungen auf die Klasse, in denen es erneut um Mobbing, Lästern und Menschenfeindlichkeit geht. Und darum, was man dagegen tun kann. 

Oben: Die Klasse 6a diskutiert über das Theaterstück. Links: Schülerin Laura Halbsgut stoppt den Lästerer Tim (dargestellt von Sim Dhaliwal). Fotos: Hartmann


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