Wie Jugendliche mit dem Corona-Frust umgehen können

Goslar. Für Jugendliche haben sich durch die Pandemie viele Hürden aufgetan, die nicht immer leicht zu überwinden sind. Psychotherapeutin Sylvia Berghoff von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Bad Harzburg erklärt, wie man am besten mit dem Corona-Frust umgeht.

Alle Altersklassen leiden unter der Pandemie. Bei Jugendlichen allerdings ist die Belastung besonders hoch. Woran liegt das?

Der Lockdown hat das Lebensumfeld der Jugendlichen massiv eingeschränkt. Persönlicher Austausch in der Schule, der Chorprobe oder dem Sportverein findet nicht mehr statt. Das ist ein Ausgleich, der fehlt – viele Jugendliche fühlen sich isoliert. Gerade in der Phase der Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung können sie jetzt keine eigenen Wege gehen. Hinzu kommt, dass nicht jeder technisch so gut ausgestattet ist, um den Verlust durch digitale Kommunikation ein Stück weit auszugleichen.

Wie kann man sich dann zu Hause beschäftigen, um die freie Zeit sinnvoll zu nutzen?

Es empfiehlt sich, sich auf Dinge zu besinnen, die in Vergessenheit geraten sind, weil andere Dinge in den Vordergrund rücken. Das kann ein Buch sein, oder auch der gute alte handgeschriebene Brief. Man kann Fotoalben hervorholen, einen Spieleabend mit der Familie veranstalten oder verborgene Talente, wie das Kochen oder Häkeln, entdecken. Wichtig ist, einen Tagesrhythmus sowie feste Abend- und Morgenzeiten einzuhalten, damit man fit für die Schulaufgaben oder Arbeit bleibt.

Seit Monaten stehen junge Menschen, die jetzt ins Berufsleben einsteigen, eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, vor einer ungewissen Zukunft. Wie können sie damit umgehen?

Am besten ist es, Ruhe zu bewahren und den Dingen ihren Lauf zu lassen, weil ja alle davon betroffen sind. Zudem ist es wichtig, die Zeit nicht als verloren anzusehen. Auch ohne Corona drohen in der Bildung und dem Arbeitsleben Absagen. Damit muss man im Leben grundsätzlich zurecht kommen, es aber auch erst einmal lernen. Man sollte einen Plan B aufstellen und Alternativen suchen, um die Zeit sinnvoll zu überbrücken.

Wie gelingt es, sich trotz der Umstände immer wieder neu zu motivieren?

Der Blick in die Vergangenheit kann helfen. Wenn man sich fragt, wo die eigene Lebenskrise im Vergleich zu anderen Lebenskrisen steht, wird oft klar, dass es einen viel schlimmer hätte treffen können. Man sollte sich auch an das erinnern, was man in der Vergangenheit schon alles geschafft hat. Dann wird klar, dass man auch diese Situation überwinden kann, wenn man neue Kraft schöpft. Letztlich ist es das größte Geschenk, gesund aus der Pandemie heraus zu kommen. däm


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