Warum friedlicher Widerstand effektiver ist als Gewalt

Im Sach-Comic „Widerstand ist zwecklos – Nein!“ erläutert Lea Loos wie gewaltloser Protest funktioniert und worin seine Stärke liegt. Spannend, leicht verständlich und mit einer Prise Humor überträgt sie dabei aktuelle Forschungsergebnisse ins Comic-Format.

In einem Altenheim geht’s rund: Nach zunächst friedlichen Protesten mit Petition und Sitzblockade gegen den „miesen Saufraß“ in der Einrichtung eskaliert die Situation und vermummte Senioren greifen das Pflegepersonal an. Eine der militanten Alten ist seitdem auf der Flucht vor der Polizei.

Der Einstieg in den Sach-Comic „Widerstand ist zwecklos – Nein!“ von Lea Loos ist absurd komisch, klingt aber nicht, als wäre das Szenario unwahrscheinlich – schließlich sitzt mittlerweile auch die 68er-Generation in den Altenheimen. Doch muss Widerstand zwangsläufig in Gewalt umschlagen, wie im Fall des Altenheims? Oder ist gewaltloser Widerstand effektiver? Diesen Fragen lässt Loos eine Familie nachgehen, deren Diskussion sich an dem Bericht über den Altenheim-Riot entzündet. Während der Vater jede Form von Gewalt und Verstöße gegen Gesetze als unmoralisch ablehnt, ist die Mutter überzeugt, dass passiver oder gewaltloser Widerstand nichts bringt. Die Tochter hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und verfügt über ausgezeichnete mediatorische Fähigkeiten. „Generation Klima“ eben.

Bei der Beschäftigung mit gewaltlosem Widerstand gibt es zwei Vorbilder, die den meisten, und so auch der Tochter, bei dem Thema in den Sinn kommen: Der Inder Mohandas Gandhi, genannt Mahatma Gandhi, und der US-Amerikaner Martin Luther King jr.. Beide Bürgerrechtler setzten nicht nur aus moralischen Gründen auf Gewaltlosigkeit, sondern auch, weil sie sie als die effektivere Methode des Widerstands ansahen. Gandhis und Kings Einschätzungen seien erst viel später durch eine Studie der Wissenschaftlerinnen Erica Chenoweth und Maria J. Stephan bestätigt worden, weiß die Tochter zu berichten. Zur Überraschung aller klopft es an der Wohnungstür. Chenoweth höchst persönlich steht davor. Und natürlich bringt sie sich gerne in die Diskussion ein.

Dadurch, dass Loos Chenoweth und einige andere Wissenschaftler wie zum Beispiel Gene Sharp immer wieder persönlich zu Wort und ins Bild kommen lässt, schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn einerseits sorgt das humoristische Auftreten der Spezialisten für eine schräge Komik. Anderseits schafft Loos es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Protagonisten durch die Dialoge mit den Familienmitgliedern locker, unterhaltsam und verständlich rüberzubringen.

Besonders spannend und anschaulich sind die Erläuterungen dazu, auf welche Säulen sich Regierungssysteme stützen – und mit welchen friedlichen Mitteln Protestbewegungen selbst autoritäre Regime aushebeln können.

Vor dem aktuellen Hintergrund von groß angelegten Demonstrations- und Streik-Kampagnen wie zum Beispiel der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ kommt Lea Loos‘ Sach-Comic wie gerufen. Denn einerseits machen die Analyse und Geschichte der friedlichen Widerstandbewegungen in „Widerstand ist zwecklos – Nein!“ Mut. Andererseits vermitteln sie auch Beispiele von effizienten gewaltlosen Protestformen und was bei ihrer Organisation wichtig ist. Die Bezeichnung Leitfaden ist vielleicht zu hoch gegriffen – eine Inspirationsquelle ist der Comic aber allemal.

„Widerstand ist zwecklos – Nein!“ von Lea Loos, Avant-Verlag, 154 Seiten, 16 Euro.


Blog der Redaktion
Weitere Themen aus der Region