Unmut über Corona-Kritiker: „Gefahr wird herunter gespielt“

Goslar. Der Argwohn, mit dem Anne-Kathrin Feldhoff und Dietrich Keils kürzlich in einem GZ-Interview die Corona-Auflagen betrachtet und deren Legitimität angezweifelt haben, ließen Kritikerstimmen gegen das Goslarer Duo in der Stadt lauter werden. Jetzt melden sich auch die Jungen Sozialdemokraten, die Linksjugend sowie die Grüne Jugend zu Wort.

„Anne-Kathrin Feldhoff und Dietrich Keil spielen die Gefahr des Virus total herunter“, erklärt Kilian Grabow von den Jungen Sozialdemokraten. Zwar sei auch er der Meinung, dass die Landesregierung in der Pandemie nicht immer fehlerfreie Entscheidungen treffe, jedoch dürfe man im Unmut darüber nicht die Risiken, die durch Lockerungen entstünden, außer Acht lassen. Schließlich sei die Gefahr durch das Virus „offensichtlich“, sie zu ignorieren ebenso „verantwortungslos“. Der Auffassung Feldhoffs, dass Grundrechte immer gelten müssten, stellt Grabow entgegen: „Grundrechte sind und waren auch vor der Pandemie schon immer einschränkbar.

Kilian Grabow

Eine zentrale Frage dabei ist die Verhältnismäßigkeitsprüfung. Eine Einschränkung muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein. Bei der angesprochenen Maskenpflicht in Schulen liegt es doch auf der Hand, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Verhältnis zur Gefahr einer Infektion keine zu hohe Einschränkung ist.“ Eine weitere Forderung Grabows: Wer bei Protesten an Seite bekannter NPD-Akteure teilnimmt, müsse sich gezielt von ihnen distanzieren.

"Komplett überzogen und unangebracht"

Derselben Auffassung ist auch die Linksjugend Goslar. „Die NPD ist undemokratisch und gegen unsere Verfassung. Jeder Demokrat, ob links, liberal oder konservativ, sollte sich gegen die Partei stellen und unsere Verfassung verteidigen“, erklärt Sprecher Emanuel Berger. „Wenn sogar der Organisator des Korsos bei NPD-Demos mitläuft, scheint es offensichtlich eine ideologische Überschneidung zu geben.“

„Ein Tragen der Maske als „Tortur und Folter“ zu betiteln, ist nicht nur verwerflich, sondern komplett überzogen und unangebracht“, fährt Berger fort. Die Anpassung der Parameter von R-Wert und Inzidenz befürwortet Berger im Gegensatz zu Feldhoff und Keil: „Die Zahlen gehören gedeutet und sind in die aktuelle Situation einzuordnen. Warum ist 35 die neue 50? Wenn man in seinem Land eine Mutation beobachtet, die circa 70 Prozent ansteckender sein soll, sollten dann die Statistiken und Zahlen wie Ziel-Inzidenzen nicht zum Schutz aller angepasst werden?“, verdeutlicht er seinen Standpunkt und fordert: „Wir brauchen in den schwierigen Zeiten konstruktive Kritik, um solidarisch durch die Krise zu kommen.“

Emanuel Berger

 

Die Grüne Jugend hatte sich vergangene Woche bereits kritisch zu Kundgebungen gegen Corona-Auflagen geäußert, jetzt nimmt sie geschlossen Stellung zu den Äußerungen von Feldhoff und Keil. Die Fragen, die das Duo im Interview aufwirft, hätten „im Verlauf des letzten Jahres schon tausende Antworten bekommen, die die Freiheitsfahrer aber nicht hören wollen“. Besonders scharf verurteilt die Jugendpartei „sozialdarwinistische Wünsche“, wie etwa, dass man lernen müsste, an Corona zu sterben, „reißerische Behauptungen“ wie, dass das Maskentragen eine „Folter“ und die „Presse gleichgestellt“ sei. „All das kommt von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich vom evidenzbasierten Diskurs lange verabschiedet haben“, findet die Grüne Jugend. 

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