Montag, 26.04.2021, 14:00 Uhr

„Und ich leuchte mit den Wolken“: Liebe kennt keine Regeln

Ich ließ meinen Blick über sie gleiten. Über die hellen Dreads mit den Perlen darin, die mandelförmigen Augen, das kunstvolle Mandala-Tattoo auf ihrem linken Unterarm. Die Jeansshorts mit den aufgestickten, bunten Blumen. Das Gefühl von Freiheit und Verbundenheit mit der Welt, das von ihr ausging. Und zwischen all dem die feine Unsicherheit, die immer wieder für einen Moment in ihren Waldaugen aufblitzte. (...) Im nächsten Augenblick stellte sie sich auf die Zehenspitzen und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. Ihre Lippen waren so weich wie die Berührung unerwartet war, und ehe ich noch etwas erwidern oder tun konnte, verschwand sie inmitten all der Menschen, die von den Gleisen in die Halle der Gare du Nord strömten.

Lilou hat frisch ihr Abitur bestanden und ist eigentlich nach Paris gekommen, um sich eine kleine Auszeit zu nehmen. Zeit, endlich mit sich selbst klarzukommen. Zeit, sich über ihre Gefühle und ihr wahres Ich Gedanken zu machen. Denn durchtanzte Nächte und am nächsten Morgen neben irgendeinem Typen aufwachen, macht sie nicht glücklich.

Neuer Lebensabschnitt

Für Schmetterlinge im Bauch sorgte vielmehr diese junge Frau im Zug, die ebenfalls nach Paris fuhr. Die ihr sagte: „Mach deine Träume wahr und dein Herz voll!“ Zufällig trifft Lilou die geheimnisvolle Fremde dann später auf einer Party wieder. Mignon ist für sie Rätsel und Antwort zugleich: Fremd und doch all das, was Lilou je gesucht hat. Aber Mignon steht auf Männer, nicht auf Frauen. Zumindest war das so, bis sie Lilou kennenlernte. Sollen sich beide in dieses Abenteuer stürzen? Oder kann das eigentlich nur in einem Scherbenhaufen enden?

Sophie Bichon schreibt leise, poetisch, bildgewaltig. Ihre Erzählung schwankt zwischen süß und bittersüß. Aber so oder so ist leider zu viel Zucker drin – auch, wenn Paris natürlich die perfekte Kulisse für eine solch große Lovestory darstellt. Auch wenn die besondere Stimmung auf jeder Seite greifbar ist. Letztendlich sind es zu viele Klischees, zu viele erfüllte Erwartungen, zu detaillierte Sex-Szenen – alles ist vorhersehbar. Lilous und Mignons Liebesgeschichte ist schön. Aber so dramatisch sie auch beschrieben wird, wirkt sie insgesamt doch langweilig. Von allem ein bisschen weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen. Wir Leser haben doch auch Fantasie und wollen nicht alles haarklein vorgekaut bekommen. Schade.

„Und ich leuchte mit den Wolken (Love is Love-Reihe Band 1)“ von Sophie Bichon, 448 Seiten, unsere Leseempfehlung: ab 14 Jahre, Heyne Verlag 12,99 Euro (TB).


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