Drei Ratsgymnasiastinnen befragt
Dienstag, 10.01.2023 , 17:30 Uhr

So definiert sich die Generation Z

Die Generation Z wird im Allgemeinen als „Digital Natives“ bezeichnet und umfasst die Menschen, die zwischen 1996 und 2012 geboren wurden. Doch wie blicken die Jungendlichen auf sich selbst. Die GZ hat drei Schülerinnen vom Ratsgymnasium befragt.

Sozialer Aktivismus ist ein großer Teil der Generationsidentität der Post-Millenials.

Sozialer Aktivismus ist ein großer Teil der Generationsidentität der Post-Millenials. Foto: Unsplash

Goslar. Die digitale Transformation der letzten Jahrzehnte hat nicht nur das tägliche Leben einschneidend verändert, sondern sie hat auch eine Generation von Menschen hervorgebracht, die das amerikanische Pew-Research-Center als „Digital Natives“ bezeichnet. Die Generation Z, welche auch als „Post-Millenials“ beschrieben werden, sind im digitalen Zeitalter aufgewachsen. Der Altersgruppe werden meist diejenigen zugerechnet, die zwischen 1996 und 2012 geboren wurden.

Sie sind außerdem die ethnisch vielfältigste Generation jemals. Doch obwohl sich die meisten älteren Gen-Z-Mitglieder gerade erst in den Arbeitsmarkt begeben, sind sie bereits mit Vorurteilen konfrontiert: Ihre Generation sei konstant online, faul und stelle zu hohe Ansprüche an ihren Arbeitsplatz. Das Definieren von generationellen Grenzen ist laut Anna Dolot, PhD (in englischsprachigen Ländern der wissenschaftliche Doktorgrad) an der Crakow University of Economics, problematisch. Doch wie nimmt sich die Generation selbst wahr?

Die Junge Szene befragte drei Jugendliche zu ihrer eigenen Generation: Welche Bedeutung hat die Generation Z für die Zukunft? Was sind ihre Schwächen? Und welche kulturellen Meilensteine machen diese Generation aus? Die drei Ratsgymnasiastinnen Marlene (18), Laura (18) und Sude (20) standen Rede und Antwort.

„Stütze der Gesellschaft“

Sude fasst die Bedeutung von Post-Millenials als „die Veränderung“ zusammen: „Gen Z setzt sich für politische Themen weltweit ein, wie beispielsweise das Abtreibungsverbot in den USA“, begründet die 20-Jährige ihre Wortwahl.

Respekt der Identität ist die Norm.

Respekt der Identität ist die Norm. Foto: Unsplash

Das Aufstehen gegen soziale Ungerechtigkeit und das virtuelle Vernetzen im Hinblick auf soziale Themen zählt sie zu den Aufgaben ihrer Generation. Die digitale Transformation hätte Generation Z eine „Stimme durch die Medien“ gegeben, welche auch zukünftige Altersgruppen zu mehr Kommunikation und Zusammenhalt erziehen soll. Die Ratsgymnasiastin möchte ältere Generationen wissen lassen, dass nicht jede Veränderung negativ ist.

Laura führt auf, dass von Gen Z ein gewisser Druck auf ältere Generationen aufgebaut wird. „Sofortige Akzeptanz völlig neuer Identitäten wird von älteren Generationen gefordert, die damit gar nicht vertraut sind.“ Sie führt die Praxis des „Genderns“ als Beispiel auf. Trotzdem bezeichnet sie Gen Z als zukünftige „Stütze der Gesellschaft“, denn durch die Schaffung von neuen, weltoffenen Werten und kreativen Lösungsansätzen in der Gesellschaft möchte sie zum Umdenken führen. Trotz der Reform hin zu Normen wie Akzeptanz, Selbstbewusstsein und Respekt der eigenen Identität (zum Beispiel von LGBTQ+ Individuen), soll auch die Erhaltung einiger traditioneller Werte (wie Freundschaft und Stabilität) im Fokus stehen. Laura hofft, diese Werte an die nächste Generation weitergeben zu können.

Digital Natives

Andererseits nennt Laura den Druck, der unter Digital Natives durch Social Media aufgebaut würde, als Problem: „Falsche Schönheitsideale verbreiten Druck durch soziale Medien und Influencer“, führt sie aus. Auch Marlene betrachtet das Internet mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Durch die Beeinflussung von sozialen Medien und Technik, verliert sich unsere Generation zum Teil in virtuellen, nicht existierenden Welten und verliert dadurch den Bezug zur Realität.“ Die Schülerin erkennt an, dass die Generation Z die Chance besitzt, Fehler älterer Generationen zu begleichen. Es bestehe ein Verständnis, dass eine Änderung in der Welt nötig ist und dass Themen wie der Klimawandel bearbeitet werden müssen – man sei sich seiner Verantwortung bewusst.

Gen Z sind Digital Natives.

Gen Z sind Digital Natives. Foto: Unsplash

Das Internet liefere eine unbegrenzte Reichweite, die genutzt werden solle, um auf Probleme aufmerksam zu machen, allerdings zögen sich einige Jugendliche genau deshalb in die virtuelle Welt zurück: „Sie ertragen die Geschehnisse und die Verantwortung nicht.“ Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH (EY) veröffentlichte in 2021 die „Gen Z Segmentation“-Studie. In der groß angelegten Erhebung befragte man über 1500 amerikanische Jugendliche zu Themen wie psychischer Gesundheit und Klimawandel bis hin zu sozialen Medien. Die Studie bestätigt Marlenes Vermutung: Rund 67 Prozent der befragten Jugendlichen beschrieben, mäßig bis sehr besorgt um ihre körperliche und geistige Gesundheit zu sein. Vor allem in der Pandemie berichten fast ein Fünftel der befragten Jugendlichen, dass sie selten oder nie die soziale und emotionale Unterstützung erhielten, die sie benötigten.

Politische Unbildung

Marlene ist zudem der Meinung, dass Post-Millenials nach Repräsentation in Medien und Kultur streben, was bei der Aufklärung in Themenbereichen wie der LGBTQ+-Community helfen und zur Normalisierung in der Gesellschaft führen würde. Jedoch merkt sie an, dass ihre Generation trotzdem politisch ungebildeter sei, als ältere Altersklassen. Laura ergänzt, es gebe „oberflächliche Problemlösungen ohne ein tieferes Verständnis für das Problem zu entwickeln.“ Themen würden deshalb oft unnötig verkompliziert oder vereinfacht.

An die jüngeren Generationen hofft Marlene weiterzugeben, dass Zusammenhalt, Verständnis und das Vermögen zuzuhören essenziell seien.

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