Freitag, 16.07.2021, 17:37 Uhr

Sänger von Inhaler ist der Sohn von Bono

Sänger Elijah „Eli“ Hewson (Mitte) und seine Bandkollegen von Inhaler. Das neue Album „It Won’t Always Be Like This“ der Dubliner Band ist gerade erschienen. Foto: dpa

Seiner privilegierten Herkunft ist sich der 21 Jahre alte Elijah, genannt Eli, Hewson zwar voll und ganz bewusst. Seine Eltern heißen Ali und Paul Hewson, letzterer ist von Beruf Sänger von U2. Zehren möchten Eli und seine drei gleichaltrigen Freunde Robert Keating, Josh Jenkinson und Ryan McMahon aber nur ungern vom Bono-Bonus. „Wahr ist, dass sich die Türen anfangs für uns sehr schnell geöffnet haben“, sagt der Sänger und Hauptsongschreiber von Inhaler. „Aber sie hätten sich auch besonders schnell wieder geschlossen, wenn wir nichts taugen würden.“ Jede Band, so Hewson, brauche eine Basis, ein solides Fundament. Mit einem der charismatischsten Musiker der Welt aufzuwachsen, reiche bei Weitem nicht aus, um selbst einer zu werden.

Es ist lustig, mit Eli kurz über seinen Rock’n’Roll-Vater zu plaudern. Die beiden, so der Eindruck, haben ein herzliches Verhältnis, alles andere als frei von Frotzeleien. „Ich würde niemals auf einem Tourneeplakat unter ihm stehen wollen“, erteilt er der Idee eines gemeinsamen Stadionkonzerts grinsend eine Absage. „Und ich bin mir sicher, dass so einige Inhaler-Fans noch nie etwas von U2 gehört haben. Das ist ja eher die Musik ihrer Eltern.“

Eli Hewson und seine Kumpane sitzen beim Zoom-Gespräch eng zusammengequetscht auf dem Sofa ihres Proberaums in Dublin, der Enthusiasmus der Jungs scheint riesig, sie wirken sympathisch aufgedreht. Alles in allem wirken sie wie junge Hunde, die man im Park endlich von der Leine gelassen hat. Und sie klingen auch so. „It Won’t Always Be Like That“, aufgenommen im vergangenen Sommer in London, ist ein Debütalbum, das vor Ideenreichtum regelrecht überschäumt. Die meisten der Songs machen ordentlich Dampf und gute Laune. Das noch mitten in der Pandemie vorab veröffentlichte „Cheer Up Baby“ ist die pure Indiepop-Heiterkeit („Wir fürchteten zu Unrecht, die Leute könnten denken, wir würden sie mit unserer Fröhlichkeit verarschen wollen“), auch der Titelsong, der von frühjugendlichem Liebeskummer handelt oder auch das energetisch funkelnde „My Honest Face“ fördern die Bewegungslust der Hörenden. Richtig nachdenklich wird es nur mal kurz im noch recht frischen Song „What A Strange Time To Be Alive“. Ein wenig erinnert Eli hier und da gesanglich an seinen alten Herrn, doch die musikalischen Inspirationen für Inhaler kommen aus anderen Ecken: The Strokes, The Killers, Interpol, Thin Lizzy, Roxy Music und sogar Duran Duran lassen sich als Einflüsse heraushören. Inhaler ist zweifelsohne eine Rockband mit massivem Pop-Drall. „Mit zehn, elf Jahren waren wir von Gitarrenmusik total besessen“, sagt Hewson. „Später kam dann die Liebe zu Dance-Acts wie Daft Punk oder LCD Soundsystem dazu.“

Als Eli, Robert und Ryan (Josh stieß 2015 dazu) beschlossen, eine Rockband zu werden, gingen sie zusammen aufs St. Andrews College in Dublin. Auf die Schule als solche hatten sie nicht so richtig Lust. „Wir wollten immer nur Musik machen“, so Eli. „Gedichte von Leuten, die längst tot sind, im Englischunterricht zu interpretieren, fanden wir weniger aufregend.“

Mit 16 verließen die Teenager die Schule und stürzten sich zu hundert Prozent ins Abenteuer Rock’n’Roll, 2017 veröffentlichten sie eine erste Single, am Album selbst tüftelten sie drei Jahre lang.: „Die meisten unserer Songs handeln vom Großwerden“, so Eli Hewson. „Es ist ganz schön verzwickt, den Übergang vom Teenager zum jungen Erwachsenen hinzubekommen. Wir alle müssen irgendwie einen Weg suchen, um zu uns selbst zu finden.“


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