Montag, 22.03.2021, 16:00 Uhr

Lerncoach Manfred Hübner erklärt, wie man erfolgreich lernt

Stundenlang die dicksten Bücher durchzupauken, ist nicht unbedingt der Schlüssel zu erfolgreichem Lernen. Foto: Unsplash

Jeder kennt die Angst vor einer Klausur oder Klassenarbeit, wenn man sich nicht richtig vorbereitet fühlt. Der Stoff war zu schwer um ihn zu verstehen, oder man hat einfach zu spät angefangen zu lernen. Die Junge Szene-Redaktion hat mit einem Lerncoach gesprochen und Lernstrategien und -tipps erfahren, die dabei helfen, sich richtig auf Klausuren vorzubereiten.

Manfred Hübner. Foto: Bargmann

Der Lernexperte Manfred Hübner arbeitet an der BBS Goslar-Bassgeige als Coach und Lehrer – er kennt also die Tricks für erfolgreiches Lernen. Eine wichtige Voraussetzung ist die Motivation, so Hübner. „Man sollte sich klar machen, warum man eigentlich lernt.“ Denn der eigene Wille zum Lernen sei eine deutlich größere Motivation, als wenn nur von außen Druck kommt. „Ich will“ ist also besser als „Du musst“. Sonst könne sogar ein innerer Widerstand entstehen, sagt Hübner. Er rät Schülern daher, zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die getan werden müssen. Erst dann könnten sie versuchen, diese zum Bestmöglichen zu wenden. Wenn es gelinge, etwas Eigenes oder einen eigenen Vorteil in dem jeweiligen Fach, für das gelernt werden muss, zu entdecken, dann steigere das die Motivation enorm, ist sich Hübner sicher.

Ist die Motivation einmal da, gilt es mit dem Lernen loszulegen. Dafür sollte man sich zuerst einen Überblick verschaffen: Was genau muss ich lernen? Bis wann muss ich es können? Hierfür kann es helfen, sich einen Lernplan zu erstellen, entweder auf dem Handy oder auch schriftlich. Der Lerncoach empfiehlt, auch Lernpausen mit einzubauen. „Einen Plan zu haben, was von mir gefordert wird und wann es gefordert wird, ist sehr wichtig. In der Schule und später im Studium noch mehr“, stellt Hübner klar. Gerade im Studium sei Selbstorganisation das A und O.

Mehrere Sinne nutzen

Mit welcher Methodik man am Besten lerne, hänge davon ab, um welches Fach es sich handle, sagt der Experte. „In Mathematik oder Physik hilft es, das Abstrakte aus den Formeln zu nehmen, indem man sie immer wieder an praktischen Beispielen anwendet und durchrechnet.“ In sprachlichen Fächern hingegen ist oft das Auswendiglernen gefragt. Da rät Hübner zur Mnemotechnik, bei der man einzelne Wörter mit Bildern oder Körperteilen verknüpft und sich dadurch besser an sie erinnert.

Neben fachspezifischem Lernen kann es helfen, sein Lernen bewusst auf den eigenen Lerntyp abzustimmen. Es gibt die gängige Unterteilung in die vier Lerntypen visuell, auditiv, haptisch und kommunikativ (siehe Infokasten). Den auditiven Lernern könnte beispielsweise ein Podcast über ein bestimmtes Thema helfen, während für visuelle Lerner eine Grafik besser ist. „Die haptische Wahrnehmung wird in der Schule eher weniger beansprucht“, sagt Hübner. Schüler, die zu diesem Lerntyp gehören, sollten also schauen, dass sie das in der Schule Gelernte zu Hause praktisch umsetzen.

Gemeinsam lernen

Unabhängig vom Lerntyp, belegen Studien, dass am meisten Lernstoff hängen bleibt, wenn Schülerinnen und Schüler möglichst viele ihrer Sinne beanspruchen. Ungefähr 50 Prozent der Informationen bleiben hängen, wenn sie gesehen und gehört werden. Es können bis zu 70 Prozent sein, wenn sie auch erklärt oder diskutiert werden. Wenn die Informationen zusätzlich umgesetzt werden, sind es bis zu 90 Prozent, die im Gedächtnis hängen bleiben.

Der Lerncoach rät daher, zeitweise gemeinsam mit seinen Freunden zu lernen. Den Inhalt mit ihnen zu besprechen und zu diskutieren verfestige ihn in unserem Gedächtnis. Zudem mache es häufig mehr Spaß gemeinsam zu lernen, was wiederum die Motivation steigere. Doch wann habe ich ein Thema tatsächlich verstanden? „Um zu überprüfen, ob das Gelernte wirklich sitzt, muss ich es in eigenen Worten wieder geben“, erklärt Hübner. Und weiter: „Wenn ich das kann, habe ich es in der Tiefe durchdrungen.“ Neben einer eigenen Erklärung könne auch das Anfertigen einer Mindmap helfen, so Hübner. „Dann entwickelt sich eine Sicherheit, weil die Schüler sehen, dass sie etwas verstanden haben.“ Diese Sicherheit helfe dann bei der Klausur.

 

Hintergrund: Die vier Lerntypen

Besonders bekannt ist die Aufteilung von Lerntypen nach Frederic Vester. Der beschrieb sein Modell in den 70er-Jahren und definierte darin vier Lerntypen, an denen sich Pädagogen und Pädagoginnen bis heute orientieren. Ein Mensch kann allerdings nicht zu 100 Prozent einem Lerntyp zugeordnet werden. Vielmehr ist er eine Kombination aus mehreren Lerntypen, bei dem ein oder zwei stärker ausgeprägt sind.

  • Visuelle Lerntypen lernen am Besten wenn sie etwas sehen, lesen oder beobachten. Sie brauchen bildliche Darstellungen, Diagramme oder Skizzen von dem Lernstoff.
  • Auditive Lerntypen lernen am Besten durch das Zuhören. Ihnen helfen Vorträge und mündliche Erläuterungen, auch durch Podcasts oder Hörbücher können sie gut Neues lernen.
  • Haptische Lerntypen müssen eigene Dinge mit dem Gelernten tun, um es zu verinnerlichen. Die Inhalte anfassen, Experimente machen oder Modelle bauen, hilft ihnen. Auch Bewegung unterstützt den Lernprozess.
  • Kommunikative Lerntypen brauchen Kommunikation und einen Austausch mit anderen. Diesem Lerntyp helfen besonders Diskussion, Fragerunden und eigenes Verbalisieren, beispielsweise in Referaten.

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