Donnerstag, 29.04.2021, 19:00 Uhr

Kultureller Austausch in digitaler Form

Lehrerin Ann-Katrin Münch

Schülerin Julia Keiber

Goslar. Kulturelle Brücken schlagen – das kann dank der Digitalisierung selbst in Pandemiezeiten gelingen. In Kooperation mit der Universität Göttingen hat das Ratsgymnasium seinen Schülerinnen und Schülern einen kulturellen Austausch mit China ermöglicht. Dass dieser auch seine Früchte trägt, wenn er über den Bildschirm vonstatten geht, kann Julia Keiber nur bestätigen. Die 16-Jährige hat sich sieben Wochen lang regelmäßig mit ihrem chinesischen Austauschpartner Daniel via Zoom-Konferenz getroffen.

Zustande gekommen ist die Teilnahme am Projekt durch die Kontakte von Englischlehrerin Ann-Katrin Münch zu der Universität Göttingen. „Ein Kollege, den ich durch meine Lehrerverlagerungsstunden an der Uni kenne, suchte händeringend Probanden für das Forschungsprojekt zu seiner Dissertation“, erklärt Münch, die das Projekt natürlich sofort ihren Schülerinnen und Schülern vorschlug, um dadurch die englischen Sprachkenntnisse zu verbessern. Julia Keiber war von Anfang an begeistert: „Ich fand, dass es eine gute Idee war. Außerdem hatte man im Home-Schooling ja auch nicht so viele Kontakte“, sagt die 16-Jährige.

Also tauschte sich die Goslarerin sieben Wochen lang mit Daniel aus Kunming, einer Stadt im Süden Chinas, aus. Gesprächsthemen waren vorgegeben, die Schüler sollten schließlich gegenseitig über die Kultur und die Heimatstadt des anderen lernen.

Herausforderung Sprache

Aber auch abseits der festgelegten Themen hatten die beiden immer genug zu erzählen: „Wir konnten uns gut unterhalten, auch persönlich“, schildert Julia. Kulturelle Differenzen hätten den Gesprächsfluss nie negativ beeinflusst, wären viel eher kaum aufgefallen.

„Ich habe meinen Sprachfluss auf jeden Fall verbessert“, freut sich Julia. Mal dazu gezwungen zu sein, sich mit dem Gesprächspartner ausschließlich auf Englisch zu unterhalten, sei genau das richtige für sie gewesen. „In meinem Unterricht lege ich sehr großen Wert darauf, nur Englisch mit den Schülern zu sprechen“, knüpft Lehrerin Münch an das Thema an. „Aber bei ihnen taucht dann immer dieses kleine Fragezeichen auf, warum man denn jetzt hier Englisch sprechen muss, wenn es doch auch anders geht. Das Austauschprojekt ist da sprachlich eine tolle Herausforderung. Und es zeigt, dass man Englisch nicht nur für den Unterricht lernt, sondern, um in der sozialen Kommunikation zu bestehen.“

Besonders angetan ist Münch vom Projekt aber nicht nur wegen seiner sprachlichen Komponente, sondern auch wegen seiner kulturellen und sozialen Bestandteile: Im Unterricht bewege man sich immer stärker weg vom stark fokussierten landesspezifischen Wissen hin zur „Global education“. Hin zu einer Form, die Schülerinnen und Schülern das Verständnis einer Weltgemeinschaft vermittle.

Julia hat ihren digitalen Austausch jetzt hinter sich. Den Kontakt wollen sie und David aber trotzdem weiter aufrecht erhalten. Auch, wenn das „in China etwas schwieriger ist, weil Apps wie Instagram und Whatsapp untersagt sind“, erklärt Julia. Dafür gebe es immerhin „Wechat“, einen chinesischen Messenger, den sich die 16-Jährige jetzt ebenfalls geholt habe.

Bald geht das Projekt in die zweite Runde. Dann kann eine weitere Schülerin des Ratsgymnasiums von der interkulturellen Erfahrung via Zoom profitieren.


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