Freitag, 19.02.2021

„Jede Haut hat ihre individuellen Bedürfnisse“

In der Pubertät ist Akne eine der häufigsten Hauterkrankungen. Aber auch Erwachsene können betroffen sein. Foto: Pixabay

Kosmetikerin Sabine Stroscio ist auf Problemhaut spezialisiert. Foto: Dämgen

Peelings und Masken können helfen, die Haut zu reinigen oder zu nähren. Werden sie zu häufig angewendet, kann sich das Hautbild jedoch verschlimmern. Fotos: Pixelino/Unsplash

Peelings und Masken können helfen, die Haut zu reinigen oder zu nähren. Werden sie zu häufig angewendet, kann sich das Hautbild jedoch verschlimmern. Fotos: Pixelino/Unsplash

Goslar/Immenrode. Sie jucken und stechen, tauchen grundsätzlich immer in ungelegenen Situationen auf und rauben das Selbstbewusstsein: Pickel und Unreinheiten sind für Jugendliche und junge Erwachsene eine der leidigsten Begleiterscheinungen der Pubertät. Wie man die ungebetenen Gäste los wird, weiß Sabine Stroscio. In ihrem Studio „HautZart“ in Immenrode behandelt die Kosmetikerin regelmäßig Problemfälle. Dabei helfen ihr22 Jahre Erfahrung am Universitätsklinikum Münster im Bereich der Hautklinik und Neuropädiatrie.

Um Pickeln entgegenzusteuern, wird hauptsächlich die Talgproduktion bekämpft. Diese dient eigentlich zum Schutz unserer Haut, durch die hormonelle Umstellung in der Pubertät wird aber mehr von dem fettigen Sekret produziert als nötig. Stroscio erklärt: „Die Poren verstopfen und vergrößern sich – zwar rein mikroskopisch, aber Bakterien können sich darin besser ansiedeln. Das führt zu Pickeln.“

Viel hilft nicht immer viel

Haben sich die lästigen Knubbel erst einmal großzügig auf der Haut verteilt, beginnt schnell das exzessive Waschen, um den Talg wieder abzuführen: Beherzt wird die Haut mit Reinigungsseifen geschrubbt, diversen Gels bearbeitet und wöchentlich gepeelt. „Das ist ganz klar ein Hilfeschrei“, versteht die Expertin, warnt aber: „Wenn jugendliche Haut unter 20 Jahren zu stark behandelt wird, droht sie totgepflegt zu werden.“ Das resultiere nur in mehr Unreinheiten, Entzündungen und Unterlagerungen.

„Die richtige Pflege beginnt mit dem Verstehen der eigenen Haut. Jede hat ihre individuellen Bedürfnisse“, betont Strosico. Matter Glanz deutet auf normale Haut hin, die mit einer Basis-Pflege zufrieden ist, ein leichter Fettglanz insbesondere im T-Zonen-Bereich Nase, Stirn und Kinn hingegen spricht für eine ölige Haut, die eine porentiefe Reinigung benötigt. Kommen starke Unreinheiten hinzu, tendiert die Haut vermutlich zu einer Akne, die einer medizinischen Behandlung durch einen Hautarzt bedarf.

Doch selbst, wer die Bedürfnisse der eigenen Haut kennt, verliert im weiten Dschungel der Pflegeprodukte schnell den Überblick. Wichtig ist ein prüfender Blick aufs Inhaltsetikett. „Junge Haut braucht keine Duftstoffe in ihren Produkten und erst recht nicht Anti-Aging- oder Nachtcremes. Die machen die Haut großporig und schwammig“, sagt Stroscio. Auch beim Inhaltsstoff Alkohol sollten Verbraucher hellhörig werden – er irritiert die Haut enorm. Zu Akne tendierende Haut müsse sich zudem vor versteckten Ölkomponenten vorsehen, ebenso wie vor Fruchtsäure, mit der man bei falscher Anwendung schnell mehr zerstöre als verbessere.

Geduldig bleiben

„Sechs bis acht Wochen sollte man eine Pflege testen, besser wäre ein halbes Jahr. Die Haut braucht Zeit, um sich umzustellen“, sagt die Expertin. „Jeweils morgens und abends sollte die Haut abgereinigt und danach eine Pflegelotion aufgetragen werden.“ Masken empfiehlt die Kosmetikern alle drei bis vier Wochen anzuwenden, Peelings nicht häufiger als einmal im Monat. Bessert sich das Hautbild trotz abgestimmter Pflege nicht, könne auch eine zu fette oder süße Ernährung sowie eine Allergie hinter den Unreinheiten stecken. „Auch Stress kann die Haut so aus dem Lot bringen, dass sogar eine Dermatitis entsteht“, gibt Stroscio zu bedenken.

Allein sei eine ernsthafte Problemhaut kaum in den Griff zu bekommen. „Akne gehört in die Hände eines Hautarztes“, betont Stroscio. „Kosmetiker schauen, ob die Haut zwischendurch intensiver abgereinigt werden kann, und helfen, die passende Pflege zu finden.“ Für junge Haut sei das in jedem Fall zunächst eine milde, auf die Schritt für Schritt aufgebaut wird. Denn gerade bei ihr bewirke weniger häufig mehr.


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