Dienstag, 22.06.2021, 12:00 Uhr

Feminismus muss alle einbeziehen

Beim „Women’s march“ in Washington im Jahr 2019 protestieren Tausende gegen die frauenfeindlichen Äußerungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Symbolfoto: Unsplash

Gleiche Chancen für jeden Menschen, unabhängig von Herkunft, Ethnie, Geschlecht, Sexualität und Religion – von dieser Gerechtigkeit sind wir noch weit entfernt. Was aber jeder von uns tun kann, um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, das vermittelt das Buch „Feminism is for everyone“. Mit einer Mischung aus feministischer Theorie, Aktivismus und Selbsterfahrung führen die Autorinnen Laura Hofmann, Felicia Ewert und Fabienne Sand in eine der wichtigsten gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit ein.

Gleich zu Anfang des Buches machen die drei Frauen ihren Leserinnen und Lesern klar, dass Feminismus weitaus mehr bedeutet, als nur der angestrebte Machtausgleich zwischen Mann und Frau. Schon weiße Cisfrauen (Frauen, die sich ihrem zugewiesenen Geschlecht zugehörig fühlen) werden strukturell benachteiligt: beispielsweise durch einen schlechteren Zugang zu Jobs, schlecht entlohnte Arbeit und ungerecht verteilte Fürsorgearbeit, die von sexistischen Verhaltensweisen herrührt. Doch als wäre das nicht genug, haben andere Menschen zusätzlich mit Rassismus, Homophobie oder Transfeindlichkeit zu kämpfen. Hier setzt „Feminism is for everyone“ seien Schwerpunkt: Das Autorinnentrio bezieht alle mit ein und lehrt den Leserinnen und Lesern so, Feminismus „intersektional“ zu denken.

Es geht um die großen Themen

Nach einer kurzen Einführung in den Feminismus geht es im Buch deshalb gleich über zu den drei großen Schwerpunkten Sexismus, Rassismus und Transfeindlichkeit, die für die verschiedenen Ausprägungen sensibilisieren sollen, in denen Menschen Benachteiligung erfahren. Autorin Felicia Ewert teilt unter anderem Erfahrungen, die sie selbst als transsexuelle Frau gemacht hat, und zeigt im gleichen Zug, wie man sich gegen diskriminierende Fragen und Kommentare wehren kann.

Auch, wenn das Buch keine wissenschaftliche Abhandlung ist, bleiben viele Begriffsklärungen und Definitionen natürlich nicht aus. Wer in der Feminismus-Debatte durchblicken will, muss auch Bezeichnungen wie cis, trans, queer, binär, fluid

verstehen und seine Perspektive erweitern. Nur so komme man weg von gesellschaftlich erlernten Geschlechternormen, wie die Autorinnen im Buch nicht müde werden zu fordern.

Lösungsansätze werden geliefert

Wie das im Konkreten aussehen kann, dafür gibt das Buch ebenfalls Lösungsansätze an die Hand. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigt es, wie wir Diskriminierung entlarven, ansprechen und korrigieren können. Ziel ist es, vor allem die eigenen Taten und Gedanken zu reflektieren, die Lage von Negativbetroffenen stärker zu berücksichtigen und so den eigenen Standpunkt in der Debatte zu finden.

An manchen Stellen ist „Feminism for everyone“ etwas starr und trocken formuliert. Mehr Beispiele und eine lockerere Sprache würde viele Passagen lesefreundlicher machen. Jedoch behandelt das Buch nun mal ein kompliziertes Thema, das ohne politische Korrektheit nicht zu denken ist und daher oft eine sachliche Abhandlung erfordert. Für alle, die sich ernsthaft in die Debatte einbringen wollen, ist „Feminism is for everyone“ auf jeden Fall weiterzuempfehlen – eben ein Einstieg für jedermann (und -frau).


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