Ein kleiner Vielfraß auf dem Weg zum gefeierten Manga-Zeichner

Abbildungen: Reprodukt-Verlag

Abbildungen: Reprodukt-Verlag

Abbildungen: Reprodukt-Verlag

Abbildungen: Reprodukt-Verlag

Shigeru Mizuki erzählt aus seiner Kindheit und Jugend haarsträubende, witzige und nachdenklich machende Epiosoden, die ihn für sein späteres Leben geprägt haben - Essen in rauen Mengen gehört in jedem Fall mit dazu.

Mit Fremden mitgehen? Selbstverständlich. Tierknochen sammeln und in einer Kiste im Schrank aufbewahren? Immer doch. In der Schule zu besonderen Anlässen laut furzen? Sein Spezialgebiet.

Abbildungen: Reprodukt Verlag

Die Eltern des Jungen Shigeru haben es oft nicht leicht mit ihm. Genauer gesagt, seine Mutter. Denn Shigerus Vater ist oft nicht anwesend. Wenn er nicht gerade auf Jobsuche ist, arbeitet er in Osaka oder einer anderen großen Stadt, während seine Familie im beschaulichen Sakaiminato am Japanischen Meer zurückbleibt. Und Familie Mura hat es mit drei Kindern nicht leicht in der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 30er. Zumal Shigeru Unmengen von Essen vertilgen kann – eine Eigenschaft, der Zeichner in seinem autobiografischen Manga „Kindheit und Jugend“ oft thematisiert. So erinnert er sich zum Beispiel daran, als Kleinkind die Goldfarbe von der Spitze eines Fahnenmastes abgeknabbert zu haben. Oder dass er mit seinen Brüdern fast zwanzig Kilometer weit läuft, um ein neues Gebäck mit einem Loch in der Mitte zu probieren. Die Rede ist von Donuts.

Ein weiteres prägendes Thema in Mizukis Kindheit ist der weit verbreitete Militarismus – auch unter den Kindern. Besonders die Jungen bilden Banden, die sich erbittert bekriegen und nicht zimperlich miteinander umgehen.

Natürlich erzählt Mizuki auch über seine Faszination für unheimliche Geschichten und Yokai – Das sind Fabelwesen, Geister und auch Monster aus der japanischen Folklore. Diese Begeisterung fördert seine Tante Non Non, die Shigeru und seinen Geschwistern viele Gruselgeschichten und auch so manchen unheimlichen Volksglauben erzählt – etwa, dass jüngst Verstorbene andere Menschen „mit ins Grab ziehen“. Diese oft intensiven Begegnungen mit dem Übernatürlichen und dem Unheimlichen begründen eine Leidenschaft, die später zu einem Aushängeschild von Shigeru Mizukis Arbeit wird.

Mit geregelten Tagesabläufen steht Shigeru allerdings auf Kriegsfuß. Seine privaten Interessen und, wie er zugibt, ein ausgeprägter Hang zum Müßiggang stehen ihm im Weg. Seine Pläne, auf eine Kunsthochschule zu gehen, sind ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Trotzdem malt und zeichnet der junge Shigeru gerne und viel.

Shigerus Jugend endet mit seiner Einberufung zum Militär. Japans Pläne im Pazifik fressen Unmengen an Material und Menschen. Der Drill in der japanischen Armee ist gnadenlos. Schläge und Misshandlungen sind an der Tagesordnung. Einziger Lichtblick ist das Essen – nicht, weil es gut ist, sondern weil es viel ist.

Was der Manga-Zeichner Shigeru Mizuki im ersten Teil seiner Biografie schildert, ist aus heutiger Sicht erschreckend aber auch gleichzeitig oft lustig und unterhaltsam. Er begleitet den Leser als Erzähler durch den Manga und streut auf diesem Weg Kommentare zum damaligen politischen Weltgeschehen und besonders Japan in die Geschichte ein. Besonders spannend hat er dabei die Sicht und Meinung der einfachen Bevölkerung auf diese Ereignisse eingefangen und schildert zudem die Auswirkungen auf die Menschen.

„Kindheit und Jugend“ ist der erste Teil der Biografie von Shigeru Mizuki, die der Reprodukt-Verlag erstmals auf Deutsch publiziert hat. Die Teile „Kriegsjahre“ und „Mangaka“ sind ebenfalls erschienen.

„Kinderheit und Jugend“ von Shigeru Mizuki, Reprodukt Verlag, 480 Seiten, 29 Euro.


Blog der Redaktion
Weitere Themen aus der Region