Der belgische Popstar Milow hat einschneidende Lebenserfahrungen hinter sich und präsentiert sich auf seinem neuen Album „Nice To Meet You“ längst nicht mehr so geheimnisvoll wie früher.

„Die Jahre sind förmlich vorbeigeflogen“, sagt Milow, der inzwischen und erst recht seit seiner 2019er-Teilnahme an „Sing meinen Song“ ein absolut fließendes Deutsch spricht, und lächelt daheim in Belgien in seine Videokamera. Seit 2006 ist der in Antwerpen als Jonathan Vandenbroeck zur Welt gekommene Pop-Singer und Songwriter in Benelux ein Star, hierzulande gelang ihm zwei Jahre später mit seiner zarten Version von „Ayo Technology“, im Original von50 Cent, der erste Megaerfolg. Seitdem veröffentlicht Milow in sehr schöner Regelmäßigkeit Alben und Lieder – „You And Me (In My Pocket)“, „We Must Be Crazy“ oder „Howling At The Moon“ etwa – die dazu beitragen, dass noch die kommerziellsten Pop-Radiosender ein kleines bisschen heller leuchten als ohne Milow-Musik. „Natürlich hatte ich großes Glück“, so Milow, „und selbstverständlich kann auch ich keine Hits auf Knopfdruck produzieren. Doch ich bin sehr diszipliniert, schreibe wirklich eine Menge und freue mich, wenn ich hin und wieder ein Körnchen Gold finde.“

Album aus dem Leben

Für sein neues Album mit dem zunächst eher unscheinbaren Titel „Nice To Meet You“ musste der Belgier mit Zweitwohnsitz Los Angeles nicht allzu lange buddeln. Die Themen lagen gewissermaßen offen vor ihm. Da ist auf der tragischen Seite des Spektrums der Krebstod seines Schlagzeugers Oscar Kraal, der im vergangenen Jahr im Alter von 50 Jahren starb, und dem Milow mit dem ganz von der Akustikgitarre und seiner Stimme getragenen „Oscar“ ein würdiges Andenken geschenkt hat. Und da ist das zwar auch recht stille und zurückhaltende Titellied, nur dass es hier um das genaue Gegenteil geht, um die Ankunft eines Menschen auf der Welt. Der in privaten Dingen schüchterne Milow hat nämlich, fern von der öffentlichen Aufmerksamkeit, mit seiner langjährigen Partnerin Laura Jansen zwei Kinder bekommen, sieben und vier Jahre sind sie mittlerweile alt. „Ich glaubte lange Zeit, dass mein persönliches Leben meine Lieder überschatten würde, so wie eine Art Störfrequenz, und deshalb sprach ich nach Möglichkeit nicht darüber. Doch heute sehe ich das nicht mehr ganz so verbissen“, sagt der Musiker. „Ich finde sogar, es kann für die Hörenden bereichernd sein, wenn sie die Lebensumstände des Künstlers ein bisschen kennen.“ Trotzdem habe er einige Jahre gebraucht, um ein Lied übers Vatersein zu schreiben. „Bei mir brauchen die Dinge eben Zeit“, so Milow.

„Zeitloses Soulgefühl“

Aber nicht überall auf „Nice To Meet You“ geht es gar so tiefgründig und lebensverändernd zu. Milow hat zum Beispiel mit „Donkey Kong“ und „DeLorean“ zwei recht lockerflockige Lieder mit Erfindungen im Angebot, die genauso alt sind wie er selbst, Baujahr 1981, und auf „Whatever It Takes“ lässt er den Soul der Motown-Ära so glaubwürdig aufleben, dass man denken kann, dieses Lied gäbe es schon seit den Sechzigern. „Ich hatte schon lange Lust, dieses zeitlose Soulgefühl in meiner Musik aufzugreifen, jetzt endlich fand ich den für mich passenden Dreh, um nicht wie ein Abklatsch zu klingen.“ Und natürlich singt Milow, nicht ohne Selbstironie, auch über die Liebe.

In „Guiness Book Of Records“ geht es um einen Typen, der es in seinen Beziehungen weltrekordverdächtig oft vermasselt hat, und die neue Single „How Love Works“ stellt, in teils sentimentalen, leicht Tropical-House-poppigem Kleid, die Frage, auf die auch Milow, glücklich liiert hin oder her, die ultimative Antwort erst noch finden möchte.