Montag, 14.06.2021, 18:31 Uhr

Die digitale Spaltung überwinden

Viele Menschen haben ihre digitalen Kompetenzen durch die Corona-Krise verbessern können. Foto: Unsplash

Digitalisierung? Ja. Sich einbringen? Auch ja – aber wie? Neue Studienergebnisse, die der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) zum Auftakt des Digitaltags an diesem Freitag veröffentlicht hat, zeigen, dass sich viele gerne digitaler bewegen würden, dabei aber auf Hürden stoßen. Obwohl die Corona-Pandemie die Digitalisierung im Eiltempo vorangebracht hat, herrsche bei vielen noch Nachholbedarf.

Für die Studie wurden rund 1000 Personen ab 16 Jahren befragt. Die deutliche Mehrheit gibt an, digitalen Technologien grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen. Und zwar bis ins hohe Alter: Drei von vier Personen über 75 Jahre signalisieren Offenheit für Digitalisierung. Ein „Corona-Effekt“ sei besonders in den Bereichen der sozialen Kontakte, Bildung, Arbeit und des Haushalts sichtbar, erklärt Achim Berg, Präsident von Bitkom. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Nutzung von digitalen Technologien in diesen Kategorien deutlich gestiegen, vor allem auf das Home-Office würden viele nicht mehr verzichten wollen.

„Digitales Abseits“

In der Pandemie sei es so zu einem „Fähigkeitszuwachs“ in Sachen Digitalkompetenz gekommen. Vor allem die 50- bis 64-Jährigen geben an, jetzt besser mit Smartphone und Computer umgehen zu können. Während digitale Technologien vielerorts unerlässlich werden, stehe die Gruppe der über 75-Jährigen allerdings im „digitalen Abseits“, betont Berg. Insgesamt geben sogar 53 Prozent an, gerne mehr am digitalen Leben teilzunehmen, sich aber zu wenig mit entsprechenden Technologien auszukennen. „Wir stehen vor der Herausforderung, diejenigen mitzunehmen, die sich noch zu wenig mit digitalen Angeboten auskennen und auch Angst haben, Fehler zu machen“, sagt der Experte.

Was den digitalen Fortschritt betrifft, haben viele gemischte Gefühle: Auch, wenn digitale Angebote für 90 Prozent der Befragten nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind, machen sich viele Gedanken um den Schutz ihrer Daten. 70 Prozent geben an, Angst davor zu haben, dass der Staat durch die Digitalisierung zu viele persönliche Daten abgreift, etwas mehr als die Hälfte ist besorgt, dass Fremde an sensible Daten gelangen.

Dr. Uwe Brandl, vom „Deutschen Städte- und Gemeindebund“ fordert indes, den Datenschutz liberaler zu denken: „Wenn wir uns zu sehr verschanzen, wird vieles nicht möglich sein, was die Technik ohne Weiteres zulässt. Das liegt in der Freiwilligkeit des Nutzers, aber Tatsache ist, dass wir in der Pandemie vieles effizienter gestalten könnten, wenn wir nicht ständig vom Datenschutz aus denken würden, sondern von der Frage des Gesundheitsschutzes aus.“

Auch Städte sind betroffen

Ein weiterer Knackpunkt sei außerdem die Verfügbarkeit von Breitband-Internet. „Sowohl bei den leitungsgebundenen als auch bei den Funkverbindungen Leitungen ist weit noch nicht alles erreicht, um eine vernünftige Basis für eine digitale Gesellschaft überhaupt möglich zu machen“, sagt Brandl.

Auch Petra Bentkämpfer, Präsidentin des „Deutschen LandFrauenverbandes“, bemängelt den unzureichenden Netzanschluss. Nicht nur in ländliche Regionen, auch in Städten herrsche noch viel Nachholbedarf. Des Weiteren fordern die Experten weitere Fortbildungsmöglichkeiten für die digitale Kompetenz im Bereich der Unternehmen, Verwaltung, Vereinsarbeit sowie im Privaten. Schließlich sei Deutschland nur so imstande, im Spiel der großen Digitalisierer mitzuhalten.


Weitere Themen aus der Region