Samstag, 03.04.2021, 17:00 Uhr

Ausmisten: Weg mit der materiellen Last

f Unser Wohn- und Lebensraum wirkt sich auf unsere Stimmung aus. Wer Ordnung in die eigenen vier Wände bringt und sich regelmäßig von materiellem Ballast befreit, schafft auch seelisch Raum für Neues. Fotos: Unsplash

Bei vielen ist es vor allem der Inhalt des Kleiderschranks, der sich ständig erweitert. Regelmäßiges Aussortieren ist daher oft der einzige Weg, irgendwie den Überblick zu behalten. Für mehr Nachhaltigkeit kann ungenutzte, aber noch gut erhaltene Kleidung gespendet oder weiterverkauft werden.

Wenn einem beim Öffnen des Kleiderschranks die Klamotten schon entgegen fallen, das Bücherregal vor verstaubten Romanen nur so überquillt und man in seinen vollgekramten Schubladen nicht einmal mehr das findet, wonach man sucht, dann ist es an der Zeit, auszumisten.

Wie es gelingt, Ordnung in materielles Chaos zu bringen, hat uns die japanische Aufräum-Beraterin Marie Kondo schon auf Netflix gezeigt: „Does it spark joy?“ sollen wir uns fragen, wenn wir beim Aufräumen einen Gegenstand in den Händen halten. Ist man der Meinung, dass dieser „keinen Glücksfunken in einem auslöst“, heißt es: Nicht lange zögern, sondern weg damit und loslassen.

Das befreit und lässt aufatmen. „In einem aufgeräumten Zimmer ist auch die Seele aufgeräumt“, sagte nicht zuletzt auch Ernst von Feuchtersleben, Arzt und Mitbegründer der psychosomatischen Medizin, vor bereits fast 200 Jahren. In manchen Fällen wird das Ausmisten heute sogar als Therapie angewandt. Denn Enge wirkt sich auf den Körper und damit auch auf die Psyche aus. Außerdem gilt: Wer nur schwer loslassen kann, egal ob Beziehung, Erinnerungen oder Habseligkeiten, den belastet unterbewusst meist ein unaufgearbeitetes Thema. Materielles Entrümpeln kann ein erster Schritt sein, das Loslassen zu üben.

Aussortieren mit System

Um sich beim Ausmisten so wenig (Mehr)-arbeit wie möglich zu machen, empfiehlt es sich, alle Gegenstände in drei Kategorien und dazu in verschiedene Kisten zu sortieren: „Unbedingt behalten“, „Vielleicht zu entbehren“ und „Weg damit“. Die „Vielleicht“-Kiste kann man einige Tage stehen lassen, um dann erneut zu überlegen, wie wichtig einem der Inhalt wirklich ist. Hervorragend hilft bei der Entscheidung die Frage, ob man jenen Gegenstand innerhalb der vergangenen zwei Jahre überhaupt benutzt hat. Manchmal fällt einem erst dann auf, dass viele Dinge mit der Zeit eher zum Staubfänger im Regal und damit zur materiellen Last werden. Natürlich kann man auch gleich nach der „Does ist spark joy“-Methode von Marie Kondo verfahren.

Wohin mit dem Ausrangierten

Aussortierte Dinge, die in einem guten Zustand sind, können in einer Kiste verstaut und beim nächsten Flohmarkt wieder vom Dachboden geholt werden. Alternativ lohnt es sich, Kaufanzeigen bei Ebay und Co. zu schalten – hier wird man zumindest einzelne Produkte schnell los.

Gut erhaltene Kleiderspenden nimmt das „Deutsche Rote Kreuz“ immer gerne entgegen. Aber auch nicht mehr tragbare Klamotten gibt die Hilfsorganisation an Verwertungsgesellschaften weiter. Die Rohstoffe können so beispielsweise noch zu Fußmatten, Autositzbezügen oder Putzlappen weiterverarbeitet werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, nutzbare Kleidung in einen Karton zu packen und versandkostenfrei an „Packmee“ zu schicken. Das Unternehmen, das unter anderem mit „DHL“ und „C&A“ zusammenarbeitet, spendet den gesamten Gewinn aus den Spenden an wohltätige Zwecke und sorgt dafür, dass die Kleidungsstücke dem Textilkreislauf erhalten bleiben. Die Paketaufkleber zum Versand lassen sich innerhalb weniger Minuten online generieren und ausdrucken.

Loslassen tut gut

Das gesamte Zimmer von Grund auf auszumisten, ist häufig ein ganzes Stück Arbeit. Vor allem diejenigen, die noch nicht geübt darin sind, sich regelmäßig von Gegenständen zu trennen, dürften sich anfangs eher schwer damit tun. Gerade sie dürfen dafür aber am eindrücklichsten erfahren: Loslassen tut richtig gut.


Blog der Redaktion
Weitere Themen aus der Region