Freitag, 23.04.2021, 11:00 Uhr

Auf der Suche nach einer verschollenen Liebe

Die draufgängerische Mia tritt nach ihrer Schulzeit auf einem Internat einer Raumschiff-Crew bei. Die Besatzung der „Sonnenstrahl“ besteht aus Char, Alma, Jules, Elliot und einer Katze. Ihre Aufgabe ist es, im All verlassene Gebäude und Strukturen zu restaurieren oder für eine Umnutzung vorzubereiten. Zwischen den Aufträgen verbringt die kleine Crew-Familie ihre Zeit mit Spielen und Video-Abenden. Alles scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen. 

Doch eines Tages sorgt Mia durch ihre Neugier für einen Zwischenfall in einem alten Tempelkomplex. Daraufhin wird Kapitänin Char suspendiert, was für Ärger in der Crew sorgt. Für noch mehr Ärger sorgt allerdings die neue Leiterin Jo, die nun der Gruppe zugewiesen wird. Mia, Elliot, Jules und Alma beschließen daraufhin, gemeinsam mit ihrem Schiff zu verschwinden und Mia dabei zu helfen ihre Freundin Grace wiederzufinden, von der sie vier Jahre zuvor getrennt wurde. Grace ist wahrscheinlich in einer verbotenen Zone des Alls verschollen: Der Großen Treppe. Die zaghafte Liebesgeschichte zwischen Mia und Grace wird in Rückblicken als zweiter Erzählstrang geführt.

Geschichte mit vielen Facetten

Die geheimnisvolle Grace sondert sich auf dem Internat von den anderen Schülerinnen ab. Außerdem scheint sie die Internatsleiterin in der Hand zu haben. Als Grace Mia hilft in das Lex-Team der Schule aufgenommen zu werden, kommen sich die beiden dennoch näher (Lex ist ein Spiel, bei dem mit kleinen Raumschiffen in einer Art Labyrinth Gegenstände gesammelt werden müssen). Dennoch gibt es weiterhin einige Themen, über die Grace mit Mia nicht spricht – zum Beispiel ihre Herkunft. Dann wird sie plötzlich ohne Vorwarnung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von ihren Schwestern abgeholt.

Tillie Waldens „Auf einem Sonnenstrahl“ ist in vielerlei Hinsicht facettenreich. Arbeitet sie einerseits mit klaren Linien und flächiger Farblichkeit, kann schon in den nächsten Panels fast sämtliche Form aufgelöst sein. Der Farbunterschied zwischen grau-blauen Tönen für die Vergangenheit und rosa, orange und gelben Farben für die Gegenwart, die an einem bestimmten Punkt der Geschichte ineinander übergehen, ist gelungen. Auch das Gender-Konzept von Waldens Weltraum-Abenteuer überrascht, funktioniert aber erfrischend gut – es gibt keine Männer, dafür „tons of queer people“ wie Walden selbst über ihren Comic sagt. „Auf einem Sonnenstrahl“ hält viele spannende und überraschende Wendungen in einem gefährlichen und fantasievollen All bereit. Dass die Raumschiffe nach dem Vorbild von Fischen konstruiert sind, erscheint da schon fast alltäglich.

„Auf einem Sonnenstrahl“ von Tillie Walden, Reprodukt Verlag, 544 Seiten, 29 Euro.

Abbildungen: Reprodukt Verlag

 


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