Montag, 19.04.2021, 15:00 Uhr

"Auf Bauchgefühl hören": Berufsberaterin erklärt, wie man die passende Ausbildung findet

Viele Wege führen manchmal zum Traumberuf: Wer sich beispielsweise für Biologie interessiert, kann das Fach an sich studieren, eine duale Ausbildung zum Biologielaboranten machen oder eine schulische Ausbildung zum biologisch-technischen Assistenten absolvieren. Entsprechende Ausbildungen können auch zu einem Studium ohne Abitur qualifizieren. Symbolfoto: Pixabay

Petra Allwardt, Berufsberaterin. Foto: Privat

Goslar. Der erste Schritt ins Berufsleben ist oftmals nicht nur der Wichtigste, sondern auch der Schwierigste. Welcher Beruf passt zu mir? Welcher Weg führt mich ans Ziel? Und was mache ich eigentlich, wenn es nicht so läuft, wie geplant? Beraterin Petra Allwart von der Agentur für Arbeit in Goslar hilft Berufseinsteigern dabei, Antworten auf genau solche Fragen zu finden.

Frau Allwardt, wie läuft eine duale (betriebliche) Ausbildung ab und für wen ist sie geeignet?

Petra Allwardt, Berufsberaterin. Foto: Privat

Bundesweit gibt es derzeit 467 duale Ausbildungsberufe, die nach den Ausbildungsordnungen überall gleich geregelt sind. Dual steht dabei für zwei Lernorte: den Betrieb und die Berufsschule. Normalerweise lernen Azubis den praktischen Teil an drei beziehungsweise vier Tagen in der Woche im Betrieb und den fachtheoretischen Teil dementsprechend an einem oder zwei Tagen in der Schule. Manchmal gibt es den Berufsschulunterricht aber auch in Blockform. Je nach Beruf absolviert man den Berufsabschluss dann innerhalb von zwei bis dreieinhalb Jahren. Die duale Ausbildung ist gut für Jugendliche geeignet, die das Zwischenspiel zwischen Theorie und Praxis brauchen. Durch die Arbeit im Betrieb wird das Erlernte für sie fassbarer.

Neben der betrieblichen gibt es noch die vollzeitschulische Ausbildung. Was sind die Unterschiede?

Anders als die dualen Ausbildungen sind die vollzeitschulischen nach jeweiligem Landesrecht geregelt. An den Berufsfachschulen werden dann im Vollzeitunterricht Fachtheorie und -praxis vermittelt. Die Praxis lernen Azubis je nach Schule vor Ort, über Kooperationen in bestimmten Einrichtungen oder im Praktikum. Betriebliche Ausbildungen werden immer entlohnt, schulische Ausbildungen aber nur im Einzelfall. Eine Ausnahme bilden zum Beispiel die Pflegefachfrau und der Pflegefachmann.

Abiturienten haben nach der Schule die Qual der Wahl zwischen Studium und Ausbildung. Manchmal klaffen die Meinungen über die Berufschancen, die sich durch die jeweiligen Bildungswege ergeben, weit auseinander. Viele denken, mit einem Studium käme man auf lange Sicht am weitesten. Was sagen Sie dazu?

Es gibt keinen Weg, der grundsätzlich besser ist als der andere. Ganz unabhängig vom Schulabschluss sollte man bei dieser Entscheidung auf sein Bauchgefühl hören. Denn selbst mit einer Ausbildung hat man aufgrund der Durchlässigkeit des Bildungssystems sehr gute Chancen, sich auch später noch einmal in Richtung Studium zu orientieren. Daneben sind auch firmeninterne Weiterbildungen möglich. Eine Ausbildung zu absolvieren und ein Leben lang auf diesem Niveau zu bleiben, das gibt es schon lange nicht mehr. Und auf welche Erfahrungen Arbeitgeber Wert legen, ist firmen- und branchenabhängig.

Wie findet man heraus, welcher Beruf zu einem passt?

Der Blick auf die eigenen Fähigkeiten und Interessen ist elementar. Wenn sich ein Talent nicht direkt aus einem Hobby ableitet, muss man manchmal etwas in die Tiefe gehen. Dafür kann man sich alltägliche Dinge anschauen: Bin ich vielleicht besonders gut darin, meine Freundin beim Shoppen zu beraten, bin ich im Sport sehr teamfähig oder bin ich super schnell im Erfassen einer Situation? Dann sucht man nach Berufen, in denen man so etwas findet. Und nachdem man sich theoretisch informiert hat, ist der nächste Schritt, es einfach auszuprobieren. Das ist ganz wichtig. Ich sollte über Praktika, Freiwilligendienste oder Hobbys Rückmeldung erhalten, dass der Beruf zu mir passt.

Was kann man tun, wenn man nach der Probezeit merkt, dass man sich doch für den falschen Weg entschieden hat?

Man sollte immer gucken: Ist es wirklich der Beruf, der aus bestimmten Gründen gar nicht zu mir passt, oder sind es äußere Umstände, die mich stören? Wichtig ist immer der Weg zu Vertrauenspersonen im Betrieb, den Eltern, der Kammer und natürlich zu uns Berufsberatern. Denn wenn ich überlege, einen Cut zu machen, ist es für mich wichtig zu wissen, wie es weiter gehen kann. Grundsätzlich soll eine Ausbildung aber nicht an Einzelheiten scheitern. Wenn es zum Beispiel in der Berufsschule schief läuft, gibt es ausbildungsbegleitende Hilfen, die wir finanzieren. Oder wenn der Fahrweg zu lang ist, können wir prüfen, ob man für einen Umzug einen Zuschuss über die Berufsausbildungsbeihilfe erhalten kann.

Wie beeinflusst die Pandemie Ausbildung und Bewerbungsverfahren?

Entgegen der Bundestendenz befinden wir uns im Landkreis Goslar im Aufwärtstrend. Aktuell sind bei uns 642 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 68 Stellen mehr als zur selben Zeit im letzten Jahr. Obwohl unsere Arbeitgeber gebeutelt sind, geben sie das Signal: Wir wollen Fachkräfte ausbilden. Das finde ich phänomenal. Bei den Bewerbungsverfahren an sich hat sich kaum etwas geändert: Sie laufen nach wie vor hauptsächlich online ab. Und Betriebe, die große Räumlichkeiten haben, laden auch noch zu persönlichen Bewerbungsgesprächen vor Ort ein. Durch Corona werden sich viele Verfahren in die Länge ziehen, weil Betriebe erst einmal schauen müssen, wie es weitergehen kann. Das war im letzten Jahr aber auch schon so. Im Moment suchen einige Jugendliche zwar noch Betriebe, aber die Angebote in Goslar lassen auf eine positive Entwicklung hoffen. Hier gilt es, die regionalen Ausbildungsangebote regelmäßig auszuwerten.


Weitere Themen aus der Region