Freitag, 26.03.2021, 15:00 Uhr

Alien-Geschichte ohne Charakter

Abbildungen: Cross Cult

Gabriel Hardman, bekannt durch Star Wars Legacy und seine Arbeit bei Marvel, hat nach eigenen Worten eine Geschichte veröffentlicht, die er erzählen wollte. Also keine Auftragsarbeit, sondern ein Werk der Liebe zum Franchise Alien. Doch diese Liebe ufert oft in Nachahmung als Förderung des Bestehenden aus.

Die Geschichte beginnt mit dem jungen Maxon der von lautem Krach aus dem Schlaf gerissen wird. Ein Mann schießt in Panik auf der Straße um sich und ein paar Schüsse verirren sich durch die Fensterscheibe, durch die der Junge das Ganze beobachtet. Er eilt ängstlich zu seiner Mutter, doch diese ist bereits einem „Facehugger“ zum Opfer gefallen, der sich jedoch schnell von ihrem Gesicht löst. Die beiden beobachten Rettungs-Shuttles, die den Planeten verlassen und machen sich verschreckt auf den Weg: Wohin ist egal, Hauptsache raus aus der Gefahrenzone. Während sie die Wohneinheit verlassen, treffen sie auf den ersten Xenomorph, das Alien, dass der Reihe ihren Namen gibt.

Bei dieser Begegnung wird auch das erste Problem des Comics deutlich: Das Alien reagiert nämlich gar nicht auf die beiden, die vor Schreck erstarren, sondern schnüffelt kurz und zieht dann ab, wie der T-Rex aus „Jurassic Park“. Ein deutlicher Bruch mit dem etablierten Kanon der Reihe. Das Problem illustriert sich im Verlauf der Geschichte häufiger; die Bedrohung ist da, aber oft tut sie einfach genau das nicht, was sie eigentlich so beängstigend macht: Schnell und brutal töten.

Die beiden fliehen also, geraten in einen Autounfall, werden von Rettungskräften zum nächsten Shuttle gezerrt, welches natürlich abstürzt, nicht zuletzt, weil der Mutter Maxons ein Baby-Alien aus der Brust platzt, welches der „Facehugger“ aus der ersten Szene dort platziert hatte. Fans der Reihe sehen solche Wendungen natürlich sofort kommen, sie sind ein fester Bestandteil des Mythos. So beginnt für den kleinen Jungen eine angsterfüllte Reise. Seine Figur erlebt ihren Höhepunkt und einzige Entwicklung am Ende, als er sich dazu durchringt, selbst zu handeln. Der Aspekt der Machtlosigkeit, der im Vorwort versprochen wurde, wird durch Maxon charakterisiert, allerdings bleibt ihm leider keine andere Eigenschaft, an die sich ein Leser klammern kann, um die Geschichte durch seine Augen zu erleben.

Auch die Illustration verwirrt öfter, vielleicht mit Absicht. Dennoch fällt es manchmal schwer, zwischen verrauchten Bildern und trüben Farben einen klaren Handlungsablauf zu identifizieren. Und das vor allem, wenn es hektischer zugeht – nicht zuletzt, weil das Paneling, also die Bildabfolge, bestimmten Elementen von Actionszenen manchmal einfach nicht genug Raum bietet. So wird in einer Szene ein mechanischer Greifarm geschwungen, um ein Alien außer Gefecht zu setzen, dieser Greifarm taucht aber nur in eben diesem einen Panel auf. Zweifelsohne ist die Geschichte düster, und die Farben spiegeln dies deutlich wieder, doch einen Comic fast ausschließlich in Brauntönen zu halten, macht noch keine Atmosphäre. Selbst James Camerons „Aliens“, ein Film, der diesen Comic deutlich inspiriert hat, zeigt sich oft eher farbenfroh im Vergleich.

Besagter Film lieferte anscheinend auch die Idee für die Geschichte, die hier erzählt wird. Beide Werke sind in ihrer Struktur oft deckungsgleich. Und natürlich dürfen sämtliche Klischees der ersten Filme nicht fehlen: „Facehugger“ und „Chestbuster“, Kinder, die um jeden Preis beschützt werden, starke weibliche Figuren und natürlich ein kalkulierter und kühler Mensch, der sich am Ende als Roboter herrausstellt. Die bösen Experimente der Weyland-Yutani Corporation dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ach ja und Aliens: Jede Menge Aliens, (sogar die Königin ist mit dabei) die diesmal allerdings, wie schon erwähnt, oft ihre Wirkung verfehlen. Vielleicht liegt das daran, dass sie sich auf Bildern nicht bewegen, oder daran, dass sie oft zu zurückhaltend sind, den Hauptcharakter zu bedrohen. Dadurch ist der Comic leider weder für Kenner noch für Neulinge ein Genuss. Stattdessen ist „Staub zu Staub“ ein einfallsloser Eintrag im Alien Universum, der nichts Neues erzählt, sondern bekannte Klischees aufgreift und damit eine etwas abgeänderte Fassung vom zweiten Kinofilm erzählt. Für Fans enttäuschend, für Neulinge nicht anregend.

„Aliens – Staub zu Staub“ von Gabriel Hardman, Cross Cult, 96 Seiten, 15 Euro.


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