Freitag, 10.09.2021, 14:18 Uhr

Alessa Otte: Sonntags bin ich ein Kreisliga-Ultra

Das Trikot und ein Ball stehen für das nächste Spiel schon bereit. Foto: Otte

Aus welchem Grund Junge-Szene-Beuaftragte Alessa Otte eine Leidenschaft für den Kreißfußball hegt, weiß sie eigentlich selbst nicht so genau. Aber eines weiß sie: Statt ausgedehnter Shoppingtouren verbringt sie ihre Wochenenden lieber auf Dorffußballplätzen. Dabei darf eine gehörige Portion Lokalpatriotismus nicht fehlen.

Endlich darf eines meiner liebsten Hobbys wieder stattfinden. Und ich rede nicht von Festivalbesuchen oder ausgedehnten Shoppingtouren in der Innenstadt. Ich rede davon Sonntagnachmittag um Punkt 15 Uhr auf einem Dorffußballplatz zu stehen und der 1. Herren des SV Hahndorf beim Fußballspielen zuzugucken. Ich weiß nicht so recht, woher diese Vorliebe für Kreisligafußball kommt, denn ich würde selbst niemals anfangen Fußball zu spielen. Wenn aber 22 Männer vom Dorf über den Rasen sprinten und einem Ball hinterherjagen, als würde ihr Leben davon abhängen, kriegt mich das einfach.

Ein paar Euro Eintritt für meist spannende 90 Minuten – da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Auf dem Platz angekommen, führt der erste Gang zur Getränkeausgabe, denn ohne ein kühles Radler würde mir beim Fußball etwas fehlen. Dem SV Hahndorf fahre ich bei Auswärtsspielen gut und gerne mal ein paar Kilometer hinterher, und als Auswärtszuschauer wird man in der Regel auch relativ schnell erkannt und von oben bis unten gemustert. Zumindest bilde ich mir das ein.

Wenn die Mannschaften auf den Platz laufen, kommt auch schon der erste kleine Anflug von Dorfpatriotismus auf. Die Mannschaft, für die mein Herz schlägt, ist nämlich prinzipiell immer im Recht und alles was die Gegner machen, ist sowieso unfair.

Zugegeben, ganz so schlimm ist es nicht, aber als Zuschauerin beim Kreisligafußball muss man ein wenig voreingenommen sein. Obwohl ich relativ wenig Ahnung von irgendwelchen Fußballtaktiken habe und mich bei den Handzeichen des Schiris immer frage, ob er gerade eine Ecke anzeigt oder einem Flugzeug beim Landen hilft, weiß ich natürlich trotzdem ganz genau, wann die Gegner im Abseits stehen, gefoult oder sich einfach nur fallen gelassen haben. Als parteiische Zuschauerin habe ich für solche Dinge einfach einen Blick. Freundschaftsspiele schaue ich mir als kleine Unterhaltung immer gerne an. Aber damit der Puls so richtig hoch geht, bedarf es schon eines Pokalspiels oder wie zuletzt des Derbys zwischen Hahndorf und Jerstedt. Aus rein informativen Gründen möchte ich hier auch noch mal auf den Sieg des SV Hahndorfs hinweisen. Das war ein Spiel genau nach meinem Geschmack. Direkt nach Anpfiff habe ich die gespannte, aufgeladene Stimmung quasi schon gerochen, und auch auf meine geheime Vorliebe für Elfmeter wurde bei diesem Spiel Rücksicht genommen. Zwei an der Zahl, und beide hat der SV Hahndorf versenkt. Bei solchen Ereignissen steigt mein Puls schneller als nach 20 Minuten auf dem Laufband. Eure Alessa


Weitere Themen aus der Region