Dienstag, 13.07.2021, 07:10 Uhr

Abibälle in Gefahr: Kaum Einnahmen für die 12. Jahrgänge

In chicen Abendkleidern wird traditionell das Abitur in einem festlichen Rahmen gefeiert. Doch das hat seinen Preis. Foto: Unsplash

Goslar. Der Abiball ist für viele Absolventen der Höhepunkt am Ende der schulischen Laufbahn. Er ist der krönende Abschluss nach drei Jahren harter Anstrengung in der Oberstufe, der Abend, an dem alle noch ein letztes Mal zusammen kommen, gemeinsam in die Vergangenheit blicken und den Übergang in den neuen Lebensabschnitt gebührend feiern. Die Freude darauf ist groß, die Vorbereitungen beginnen meistens schon zwei Jahre zuvor. Jaqueline Baumgarten und Noelle Mehenni aus dem 12. Jahrgang der Berufsbildenden Schule Baßgeige in Goslar wünschen sich trotz der Umstände einen unvergesslichen Ball. Wäre da nur nicht das Problem mit dem Geld.

Während der Pandemie können sie und ihre Mitschüler kein Spendengeld einnehmen. Der klassische Kuchen- und Waffel-Verkauf wurde den Schülern mit Blick auf die Schutzvorkehrungen bis auf Weiteres untersagt. Schulische Veranstaltungen fänden zwar ohnehin nicht statt, in den Pausen würde es sich allerdings sehr wohl lohnen, etwas Selbstgebackenes anzubieten, schildern Jaqueline und Noelle. Zusammen mit dem Abikomitee versuchen die beiden Schülerinnen, irgendwie Geld in die Kasse für den Ball im nächsten Jahr einzuspielen. Bisher mit nur wenig Erfolg.

Viele Firmen kontaktiert

„Wir haben zu so vielen Firmen in der Umgebung Kontakt aufgenommen, aber nur Absagen erhalten“, berichtet Jaqueline. Die Enttäuschung und der Frust wachsen bei ihr und Noelle. Denn ihnen ist klar: ohne Geld kein Abiball. Der koste grob gerechnet mindestens 4000 Euro, erzählen die Schülerinnen. „Die Kosten für die Location, den DJ und den Fotografen betragen allein schon 2000 Euro“, sagt Noelle. „Und dazu kommen ja noch das Catering und auch Sachen, an die man vielleicht nicht sofort denkt, zum Beispiel Tischdekoration für die richtige Atmosphäre.“

Noelle Mehenni

Ohne Sponsoren bleibe also nur noch eine Möglichkeit: Den Ball mit Spenden zu finanzieren. Jaqueline hat die Initiative ergriffen und für ihren Jahrgang einen Moneypool auf Paypal eingerichtet. Über einen Link kann dort jeder spenden, der den Abiturienten zu einem gebührenden Abschlussball verhelfen will. Bisher hat das Komitee so 200 Euro eingenommen, immerhin ein Anfang aber bei Weitem nicht genug, betont Jaqueline: „Wir müssen den Ball ja schon viele Monate vorher planen. So wie es momentan läuft, sieht es schlecht aus.“ Denn ob sie und Noelle sich auf die finanzielle Unterstützung der gesamten Mitschülerschaft verlassen können, da sind sich die beiden 18-Jährigen nicht so sicher. Der Zusammenhalt im Klassenbund sei nicht gerade der beste, viele im Jahrgang würden es darüber hinaus nicht einsehen zu spenden und hätten Angst, in einen Ball zu investieren, der eventuell überhaupt nicht stattfindet. Jaqueline und Noelle wollen jetzt versuchen, mehr Aufmerksamkeit für ihr Problem zu generieren. Zum Beispiel, indem sie QR-Codes, die zu dem Moneypool führen, in der Umgebung aufhängen, Mundpropaganda betreiben und aktiver auf Social Media werden. „Wir können nur das Beste hoffen“, sagt Jaqueline.

Ähnliche Probleme

Helena Machens vom Christian-von-Dohm-Gymnasium erzählt von einer schwierigen Zeit. Die Aktionen in ihrem Jahrgang laufen so langsam wieder an. In den Pausen werden Kuchen, bunte Tüten und Laugenbrezeln im Außenbereich der Schule verkauft. So können die Abstandsregeln eingehalten werden und es besteht keine Infektionsgefahr. „Neue Veranstaltungen für das nächste Schuljahr haben wir noch nicht geplant. Die Verordnungen sind einfach noch zu streng und auch in naher Zukunft werden sich die Regeln wahrscheinlich nicht ändern“, sagt sie.

Jaqueline Baumgarten

Der Sommer- und Winterball sowie die Halloweenparty mussten zuletzt ausfallen. „Durch die Kohortenregelung und die strengen Hygienemaßnahmen wird es auch in naher Zukunft keine größeren Veranstaltungen geben. Es bleibt bei einfachen Essensverkäufen“, erzählt Helena weiter. Das verursacht weitere Einbußen in Sachen Einnahmen für Entlassung und Ball. Es wird darauf gesetzt, dass der Schulalltag nicht wieder eingeschränkt wird und weiterhin voller Betrieb herrschen darf. So kann zumindest der Verkauf etwas Geld in die Kasse spielen. Trotzdem ist der Jahrgang größtenteils auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Nicht nur für den Abiball sondern auch für die Abizeitung werden nun die nötigen Kontakte gesucht.

Große Hoffnungen

Natürlich ist bei allen Schülern die Hoffnung auf einen standesgemäßen und tollen Abiball groß. Es ist noch fast ein Jahr Zeit, bis alles feststehen muss. Bis dahin kann noch einiges auf die Beine gestellt werden, vor allem, da die Schüler jetzt wissen, wie mit der Pandemie umzugehen ist. Sie können sich außerdem Tipps und Unterstützung von den letzten Jahrgängen holen.

Bereits im vergangenen Schuljahr hatten die Abiballkomitees große Probleme, den Ball zu organisieren. Mitten in der 12. Klasse hat die Corona-Pandemie begonnen. So blieb auch ihnen nur ein halbes Jahr, um Geld einzunehmen und den Abschluss zu planen. Sie hatten ein bis zwei Feierlichkeiten, auf denen die Jahrgänge Einnahmen gemacht haben. Danach war Schluss. Eine passende Location fehlte letztendlich bei vielen aufgrund der kurzfristigen und hohen Nachfrage. Für den Caterer und den DJ war nicht ausreichend Geld da.

Jahrgang 2021

Die strengen Corona-Vorschriften erschwerten die Planung zusätzlich, da die Gäste nur mit negativem Test, genesen oder vollständig geimpft Zutritt hatten. Die Personenanzahl war begrenzt, die Ticketpreise mussten deshalb extrem erhöht werden. Viele Familienangehörige konnten nicht an diesem feierlichen Tag teilhaben. Das soll sich so schnell wie möglich wieder ändern.

Oftmals wird der Umfang der Kosten auch unterschätzt. Nicht nur die Location und die Verpflegung für den Abiball müssen mit eingerechnet werden, sondern auch die Location für die Zeugnisübergabe, die Abizeitung und die Abschlusspullover. Die Organisation ist unter normalen Umständen schon schwer, seit dem letzten Jahr ist es noch deutlich komplizierter geworden.


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