Montag, 28.09.2020

Statt aufs Gas lieber in die Pedale treten

Leserbrief

Goslar. Normalerweise dominieren Autofahrer die Goslarer Innenstadt, am Freitagnachmittag mussten sie sich hinten anstellen: 67 Demonstranten zogen bei der „Fridays for Future“-Demo mit ihren Fahrrädern um den Innenstadtring. Sie fordern „die längst überfällige Verkehrswende“.

"Wir wollen eine möglichst autofreie Innenstadt, zumindest bis auf den Lieferverkehr am Vormittag“, erklärt Philipp Rost, Mitglied der Organisationsgruppe von „Fridays for Future“ in Goslar. Dazu benötige es bessere Rad- und Fußgängerwege vor Ort, Gleiches gelte allerdings auch für andere deutsche Städte. Zudem müsse der Schienenverkehr bundesweit stärker ausgebaut werden, damit künftig weniger LKWs die Autobahnen verstopfen, betont Philipp.

Philipp Rost, 18.
 

Auch der Dannenröder Forst, gegen dessen Rodung sich verschiedene Umweltorganisationen einsetzen, war vor dem Startschuss der Radtour Gesprächsthema. „Es soll eine Autobahn durch ein Trinkwasserschutzgebiet gelegt werden, bloß, um als Autofahrer zwei Minuten Zeit zu sparen. Dann sollte man besser die bestehenden Verkehrsanbindungen ausbauen“, sagt Philipp.

Viel Frust, viele Verbündete: Bundesweit gingen am Freitag laut Angaben von „Fridays for Future Berlin“ rund 200.000 Demonstranten auf die Straßen. Auch für Goslar sei die Teilnahme verhältnismäßig groß gewesen: „Dafür, dass es das erste Mal seit Corona war, war die Demo sehr erfolgreich. Von denjenigen, die teilgenommen haben, war die Reaktion durchweg positiv. Viele wären sogar lieber noch weiter gefahren“, freut sich Philipp. Auch Antonia Dräger und Tom Linde, Mitglieder der Goslarer Organisationsgruppe, traten kräftig in die Pedale. „Wir wollen vor allem trotz Corona am Ball bleiben“, unterstreicht Tom, für den die Tour um die Innenstadt wohl ein Klacks gewesen sein dürfte. Seinen Schulweg lege er stets mit dem Fahrrad zurück. Pro Tag seien das fünf bis sechs Kilometer. Das Fahrradfahren sei für ihn „eine umweltschonende Leidenschaft“.

Antonia Dräger, 19.
 

Da schließt sich Antonia Dräger an. Vielmehr ist sie aber von den Vorteilen, die eine Fahrraddemo mit sich bringt, überzeugt. „Über die längere Strecke erreicht man mehr Menschen als auf normalen Demos und es lässt sich gut mit Corona verbinden“, erklärt Antonia.

Einsatz wird belächelt

Sie sagt: „In der Politik passiert immer noch zu wenig.“ Das sieht Philipp genauso. Vom Bundestag ist er stark enttäuscht: „Man gibt uns das Versprechen, unsere Forderungen ernst zu nehmen, aber trotzdem geht jetzt mit Datteln 4 ein neues Kohlekraftwerk ans Netz.

Das Kohleausstiegsgesetz ist ein Reinfall. Es müssen dringend erneuerbare Energien ausgebaut und Windkraftanlagen stärker subventioniert werden.“

Tom Linde, 15.
 

Als Klimaschützer fühlt sich Philipp von der Politik nicht ernst genommen: „Man setzt sich hier bei Fridays for Future ein und aus der Politik bekommt man ein Lächeln zurück.

Nach dem Motto: Lasst das mal die Erwachsenen regeln. Oder wie Lindner es gesagt hat, die Profis. Da denkt man doch, dass es diese Profis im Bundestag eigentlich hinbekommen sollten.“

Vielleicht sei der Mangel an Akzeptanz gegenüber den jungen „Fridays for Future“-Aktivisten ja der Tatsache geschuldet, dass sie auf Bundesebene noch nicht wählen dürfen, überlegt Philipp. „Aber irgendwann wählen wir. Dann müssen solche Politiker mit einer Wahlklatsche rechnen“, ist er sich sicher.

Von Lea Dämgen









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