Montag, 14.05.2018

Poesie auf jeder einzelnen Seite

Leserbrief

In diesem Buch beschreibt der Autor Steven Herrick eine traurige Familiengeschichte: „Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“.

Im Inneren roch das Haus nach Putzmittel und Brathähnchen. Außen nach Altöl. Symbolisch für Harrys Leben. Aufgeräumt, aber trotzdem irgendwie falsch. Die Mutter starb, als er sieben war. Harrys Vater gibt sich alle Mühe, die beiden Jungs Keith und Harry alleine großzuziehen. Aber die Lücke schließt sich nie wieder. Wild und frei und beinah unbeschwert spucken Harry und Keith in warmen Sommernächten Wassermelonen-Kerne um die Wette. Trotzdem liegt über allem eine tiefe Traurigkeit. Die Melancholie in den kleinen, kurzen Erinnerungen – fast Gedichten – ist förmlich greifbar. Aber das macht die Poesie dieser Familiengeschichte aus. Harrys Erzählungen sind wie die Sommernächte: wunderschön. Auch wenn man weiß, dass sie bald vorbei sein werden. So erzählt er vom Leben und vom Tod. Von Fußball, von Mädchen, von Prügeleien unter Jungs, von Kirchgängen am Sonntag. Von Alltäglichem und Bedeutsamem. Von Gott und von großen Fragen, die sich ein Junge in dem Alter normal nicht stellt.

Am Ende wartet keine Pointe oder Moral. Fast so unbemerkt, wie sich der Sommer verabschiedet, schließt Harry seine Erzählungen. Der Leser bleibt beschenkt zurück. Und möchte trotz allem noch verweilen in den lauen, warmen Nächten. mak

„Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“ von Steven Herrick, 240 Seiten, ab 13 Jahren, Thienemann Verlag, 15 Euro (HC).







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