Freitag, 14.09.2018

Junge Menschen lesen – aber anders

Leserbrief

Goslar. Wer glaubt, Bibliotheken und Buchhandlungen seien von gestern und bei der Jugend nicht beliebt, der irrt. „Es kommen immer noch Jugendliche zu uns, die sich gern Bücher ausleihen“, sagt Kirsten Brocks, Leiterin der Goslarer Stadtbibliothek. Michaela Rauls, Mitarbeiterin bei der Buchhandlung „Brumby“, verkauft ebenso noch Schmöker an Jugendliche.

Die „Stiftung Lesen“ hat das Leseverhalten der Menschen untersucht und sich auf die Veränderungen besonders in der jüngeren Generation konzentriert. Fast 85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland halten es für ebenso wichtig oder noch wichtiger als vor 20 Jahren, gut lesen zu können. Menschen unter 30 Jahren lesen vor allem E-Mails und Textnachrichten sowie Internettexte. Besonders junge Menschen lesen heute anders und andere Dinge mit einer enormen Bandbreite: Von der Kurznachricht auf dem Handy bis zum Hypertext im Internet. Manche lesen durch die Medien sogar mehr als vorher.

Keine homogene Masse

Diese Entwicklungen sind den Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek und der Buchhandlung nicht entgangen. Doch es gibt immer noch viele Jugendliche, die zum klassischen Buch greifen. Kirsten Brocks mag es nicht, wenn „von der Jugend“ gesprochen wird. „Jugendliche sind keine homogene Masse. Es gibt welche, die lesen gern und viel, während andere nicht lesen. Das gab es früher schon“, erzählt die Leiterin der Stadtbibliothek.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat sie festgestellt, dass Verlage viel leisten, um Bücher ansprechender für Jugendliche zu gestalten. „Die Cover sind interessant. Es wird mit Effekten gearbeitet. Man kann sagen, dass das Auge mitliest“, sagt sie.

Lese-Unlust ist oft nur eine Phase

Michaela Rauls von „Brumby“ weist noch auf eine Phase hin, in der viele Jugendliche kurzzeitig die Freude am Lesen verlieren. „Ab 13 Jahren flaut es etwas ab, dass Mädchen und Jungs zu uns kommen. Aber ab 17 fangen sie wieder mit dem Lesen an“, erzählt sie.

Welche Bücher sind bei Jugendlichen beliebt? „Fantasy-Bücher, vor allem Harry Potter und Percy Jackson liegen weit vorn. Jugendliche mögen Mythologien und Geschichten über Zauberei. Sie lesen gern über Protagonisten, die eine besondere Fähigkeit haben“, sagt Rauls. Brocks wirft für Mädchen noch Liebesromane und Bücher über Freundschaft ein. „Bei Jungs sind Sachbücher und Thriller beliebt.

UMFRAGE

Sandra Rieke liest gern. Das Lesen ist ihr wichtig, weswegen sie jeden Tag zu einem Buch greift – meistens vorm Einschlafen. Die 18-Jährige bevorzugt Biografien und Fantasy-Geschichten. „Ich habe schon immer ziemlich viel gelesen“, erzählt die Clausthal-Zellerfelderin. Bis heute ist Sandra dem klassischen Buch treu geblieben und bevorzugt keine E-Books. „Ich habe gern etwas Festes in der Hand, was ich auch durchblättern kann“, sagt Sandra.

Jana Banse liest eigentlich gar nicht. „Es macht mir nicht so viel Spaß“, gesteht die 19-Jährige. „Vielleicht habe ich aber auch einfach noch nicht das richtige Buch für mich gefunden“, sagt sie dann weiter. Früher sah es ganz aus: Die Goslarerin ist phasenweise oft in eine Bibliothek gegangen, doch über die Jahre hinweg wurde es immer weniger. „Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, habe ich meistens nicht genug Zeit und bin zu müde zum Lesen“, sagt Jana.

Isabel Henning liest am liebsten Thriller, doch zurzeit kommt sie leider immer weniger dazu. Sie ist vor Kurzem Mutter geworden. Darum stellt die 30-Jährige fest, dass sich ihre Präferenzen über die letzte Zeit hinweg verändert haben. „Ich lese jetzt viel über Kinder und Erziehung“, sagt die Wernigeröderin. Ihrem Kind möchte sie, wenn es etwas größer ist, auch regelmäßig vorlesen. Sie wird wohl auf E-Books zurückgreifen, weil sie diese einfach praktischer findet.

Hugo Adolfs liest nicht so gern Bücher. „Als ich klein war, sah das noch anders aus. Ich musste auch oft welche für die Schule lesen“, sagt der 20-Jährige. Er glaubt, dass die Veränderung an den sozialen Medien liegt. „Heute gibt es andere Beschäftigungen als lesen. Es ist auch simpler einfach zum Handy zu greifen“, sagt der Goslarer. Im Internet liest er täglich Artikel, am liebsten zum Thema Sport und Klamotten. „Aber eine Zeitung würde ich mir nicht kaufen“, sagt er.

Moment Mal:

Mancher mag es selbst schon erlebt haben, aber Japaner

Nur logisch, dass die Japaner bei einer so typisch deutschen Sache wie der Mülltrennung noch wesentlich gründlicher und gewissenhafter vorgehen als wir. Bei uns gibt es ein ausgeklügeltes System, die Japaner haben Mülltrennung zu einer regelrechten Wissenschaft erhoben.

Immerhin: Das Land der Aufgehenden Sonne ist für seine Gegensätze bekannt. Blinkende, laute High-Tech-Welten treffen

Zurückersüße, künstliche Getränke auf

frei nach dem Motto "Omotenashi", das für japanische Gastfreundschaft steht,

 

Den Preis zahlt man als Gast in Japan nicht zwangsläufig selbst, schon gar nicht finanziell. Immerhin reist man als Tourist im Land der Aufgehenden Sonne verhältnismäßig günstig und ist in der Regel schnell wieder weg.

Was bleibt ist der Müll zu Lasten der Umwelt. Die exotische Küche "to go" in Form liebevoll gestalteter Lunch-Boxen hinterlässt Plastikschälchen, Deckel und Tüten, dazu ein feuchtes Tuch - Natürlich in Kunststoff gehüllt. Zahnbürsten, Seifen und Einwegrasierer, die täglich neu im Hotelzimmer bereit liegen, sind natürlich in Plastik eingeschweißt. Souvenirs landen in Tütchen aus Plastik, die wiederrum in größere Plastiktütchen gepackt und schließlich in einer Tragetasche sicher verstaut werden - Man rate mal, woraus die ist. Sogar der Schlafanzug, der in vielen Hotels gestellt wird, liegt täglich ein einer frischen Folienverpackung auf dem Hotelbett bereit. Getränkeautomaten an jeder (wirklich!) Ecke sind mit allerlei Tee- und Limo-Sorten in PET-Flaschen gefüllt. Pfand? Gibt's nicht.

Wem es da zunächst verwunderlich erschien, dass sich ausgerechnet der Inselstaat Japan dem G7-Abkommen über weniger Plastikmüll in den Ozeanen verweigert, dem wird jetzt vielleicht einiges klar. Die Verpflichtungen, die mit dem Abkommen einhergehen, würden eine riesige Umstellung für das Land bedeuten.

105 Kilogramm Plastikverpackungen verbrauchen die Japaner derzeit nämlich durchschnittlich pro Kopf im Jahr - XXX Tonnen landen laut XY jährlich davon im Meer. Da weint der japanische Shinto-Gott Watatsumi ("Göttlicher Geiste der See"), wenn durch seinen prächtigen Palast am Meeresboden Tüten statt Quallen schweben und Mikroplastikpartikel statt Fischschwärme schwimmen. Dabei sind die Japaner bei Weitem nicht die größten Müll-Sünder der Welt. Platz 1 belegt laut einer Statistik von National Geographic der Nachbar auf dem Festland, China.

Nachgewogen habe ich nicht, aber von den sieben zusätzlichen Kilo, die aus Japan im Koffer mit mir zurückkehrten, dürfte auch ein großer Anteil Plastikverpackungen gewesen sein. Bis heute renne ich mit diversen Tüten vom Tokyoter Flughafen durch deutsche Supermärkte und verpacke fleißig  mein Obst darin. Die schrägen blicke der Kassiererin, wenn sie eine handvoll Zwetschgen in einer bunten Tüte mit lauter japanische Schriftzeichen über den Scanner zieht, nehme ich in Kauf. So kann ich meine Urlaubs-Plastik-Sünden hier vielleicht noch ein bisschen ausgleichen. Und praktischer als die kitschige Winkekatze auf meinem Kühlschrank sind die Tüten allemal.

 








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