Montag, 11.01.2021

Eine Boyband, die das Album selbst schreibt

Leserbrief

Elf Uhr morgens in Los Angeles. Die Jungs von „Why Don’t We“ quetschen sich in ihrem Hauptquartier zu fünft auf einem viel zu engen Sofa mit Blick auf die Küchenzeile und vermitteln bereits vor Gesprächsbeginn einen schelmischen Gesamteindruck. „The Good Times And The Bad Ones“ heißt das zweite Album der 2016 gegründeten US-amerikanischen Boyband, bestehend aus Daniel Seavey (21), Corbyn Besson (22), Jonah Marais (22), Jack Avery (21) und Zach Herron (19). Wie schon die Vorabsingles „Fallin‘“ und „Lotus Inn“ andeuteten, zeigen die neuen, sehr knackigen und abwechslungsreichen Songs, dass die Jungs nicht nur an den Oberarmen, sondern auch im Kreativzentrum ein paar Muskeln aufgebaut haben.

Jungs, habt ihr die Küche hinter euch schon mal benutzt?

Corbyn Besson: Das ist durchaus schon vorgekommen, aber meistens lassen wir uns doch lieber was liefern (lacht). Du siehst hier einen Ausschnitt unseres Hauptquartiers. Drüben in der Ecke steht das Piano, an dem wir viel geschrieben haben. Das gesamte Album ist hier entstanden.

2019 wart ihr noch sehr aktiv, doch bis vor Kurzem war wenig von euch zu hören – selbst in den sozialen Medien. Warum habt ihr euch so rar gemacht?

Jonah Marais: Wir wollten uns ein bisschen sammeln, uns kreativ nach Herzenslust austoben und dann mit einem großen Aufschlag zurückkommen. Wir sind drei Jahre lang praktisch ohne Pause unterwegs gewesen, das mussten wir erstmal alles verarbeiten. Und es war uns wichtig nach unseren musikalischen Wurzeln zu graben, um das neue Album wirklich selbst zu schreiben und zu produzieren. Wir spielen auch viel mehr Liveinstrumente als vorher.

Daniel Seavey: „Why Don’t We“ fühlt sich jetzt an wie eine richtige Band. Wenn wir endlich wieder live spielen können, versprechen wir ein Spektakel.

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Marais: Den Musiker Børnsmögen, ein total unterschätzter Künstler. Von der Produktion her haben wir uns von Post Malone inspirieren lassen, und wir lieben die Band Fun, die vor etwa zehn Jahren Supermusik gemacht hat. Und Queen. Seit wir den „Bohemian Rhapsody“-Film gesehen haben, bewundern wir Freddie Mercury über alles.

Die Songs selbst zu schreiben, ist für Boygroups ein eher seltenes Privileg. Musstet ihr kämpfen, damit euch die Plattenfirma nicht doch lieber ein paar Songwriting-Teams vorbeischickt?

Besson: Zum Glück nicht. Wir hatten von Anfang an klargemacht, dass wir bei diesem Album mehr Verantwortung übernehmen und uns stärker an der kreativen Arbeit beteiligen wollten. Das macht einem zu Beginn ein bisschen Angst, aber wir haben schnell gemerkt, wie wunderbar Songschreiben ist. Wir haben die Herausforderung angenommen und sind von der Klippe gesprungen.

Was genau hat euch Angst bereitet?

Marais: Als Teil der Musikindustrie bekommst du manchmal das Gefühl vermittelt, es gäbe eine Formel zum Erfolg, der du dich doch bitteschön anzupassen hast. Das haben wir anfangs auch getan. Aber wir sind nicht mehr die Jungs von vor vier Jahren. Nach und nach fingen wir an, selbst an Songs zu arbeiten, und das funktionierte auch richtig gut. Und doch hat man das Gefühl, als würde man sich ganz schön weit aus dem Fenster lehnen. Eben weil es außergewöhnlich für eine Boygroup ist, mal nicht mit den üblichen Pop-Autoren zusammenzuarbeiten.

Besson: Viele der neuen Stücke haben wir schon während unserer Tour geschrieben, also noch einige Zeit vor der Pandemie und denganzen Einschränkungen. Wir haben die Songs sprichwörtlich hinter den Kulissen zusammengepuzzelt und kaum jemandem davon erzählt.

Während viele Kollegen nach den Shows gern einen trinken oder sich abschleppen lassen, habt ihr brav an eurer Musik gearbeitet. Vorbildlich, Jungs.

Seavey: So sind wir halt (alle lachen). Ich denke nicht, dass es hier ein absolutes „entweder oder“ gibt, aber am fokussiertesten waren wir definitiv auf unsere neuen Songs.

Marais: Während der Pandemie ist es sowieso echt schwierig geworden, Spaß zu haben. Aber ich denke, wir schlagen uns wacker.

Ihr seht in jedem Fall sehr gut und fit aus.

Marais: Danke. Zum Glück. Wir sind nicht dick geworden, und wir waren nicht faul. Wir haben angefangen, zusammen Workouts zu machen.

Ihr hockt ja ohnehin die meiste Zeit aufeinander. Wie wichtig ist es, dass ihr euch tatsächlich mögt?

Marais: Ich denke, das ist überhaupt der wichtigste Grund, warum das Zusammenspiel in dieser Band so gut funktioniert. Wir waren vorher schon Freunde und haben uns beschnuppern können, bevor wir mit „Why Don’t We“ loslegten. Als wir zum ersten Mal gemeinsam in einem Raum waren, hatten wir sofort so ein „Jau, das passt“-Gefühl. Wir sind keine irgendwie zusammen gecastete Boyband. Sondern wir befinden uns auf einer gemeinsamen Reise mit unseren besten Freunden.

Das Album „The Good Times And The Bad Ones“ erscheint am kommenden Freitag, 15. Januar.









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