Montag, 05.10.2020

Ein rasanter Sprung durch Zeit und Raum

Leserbrief

Für nostalgische Videospielfans war es im Sommer vermutlich die Nachricht des Jahres: Crash Bandicoot, der wahrscheinlich berühmteste Beuteldachs der Welt, kehrt auf die heimischen Konsolen zurück – und diesmal nicht nur mit Remakes seiner alten Abenteuer, sondern mit brandneuen Herausforderungen. 

„Crash Bandicoot 4: It’s about Time“ soll „die wahre Fortsetzung“ zur originalen Trilogie aus den 90ern werden, heißt es in der Ankündigung. Wird langsam auch mal Zeit – das dachten sich anscheinend nicht nur die Fans, sondern auch die Entwickler, wie der doppeldeutige und leicht ironische Name schon zeigt.

„It’s about Time“ setzt genau da an, wo „Warped“ aufgehört hat – sowohl was die Story angeht, als auch vom Spielprinzip. Vermutlich auch aus dem Grund, weil die „N.Sane-Trilogy“, die Remakes der Originale, vor ein paar Jahren durch die Decke gingen. Ein Erfolg, den die ursprünglichen Sequels nie geschafft haben.

Neue Fähigkeiten

Zeitsprünge spielen auch in den Leveln von „It’s about Time“ selbst eine Rolle: Drehte sich das dritte Spiel der Original-Trilogie noch um Zeitreisen allein, öffnen sich jetzt die Portale zu einem Multiversum. Als Gegner sind auch dieses Mal wieder die Schurken Cortex und N. Tropy mit dabei.

Da die beiden allerdings die Grenzen von Raum und Zeit sprengen mussten, um der Dimension zu entkommen, in die Crash sie 1998 verbannte, entstehen jetzt Anomalien in der Realität. Und wer wäre besser geeignet als Crash und Coco Bandicoot, um diese Löcher in Zeit und Raum zu stopfen?

Helfen sollen ihnen dabei die vier neuen Quantum-Masken. Jede von ihnen verleiht den Helden eine andere Fähigkeit. So erlaubt es Lani-Loni Crash und Coco, die Realität zu ändern, Ika-Ika dreht die Gravitation auf den Kopf, ’Akano verleiht ihnen eine Super-Spin-Attacke und mit Kapuna-Wa können sie die Zeit verlangsamen.

Und nicht nur die Masken bieten Abwechslung, denn auch altbekannte Gesichter, in deren Rollen die Spieler schlüpfen, sorgen für ein neues Spielerlebnis. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass Tawna, die sonst nur als Crashs Freundin und Jungfer in Nöten bekannt war, in einer alternativen Dimension ein richtiges Action-Girl sein kann?

Soweit zu den Neuerungen, denn abseits davon spielt sich „It’s about Time“ fast genauso wie die kanonischen Vorgänger. Und da genau das der Anspruch ist, ist das vermutlich das größte Kompliment, das Spieler aussprechen können. Aber selbst Veteranen der Crash-Bandicoot-Reihe sollten sich anschnallen, denn der Schwierigkeitsgrad wird noch einmal hochgeschraubt.

Sicherlich, in den originalen Spielen waren die 100 Prozent nie einfach zu erreichen. Jetzt geht es teilweise aber nur noch um das blanke Überleben. Alle Kisten in den Leveln zu sammeln, scheint teilweise geradezu unmöglich, zumal deren Anzahl in vielen Arealen fast lächerlich hoch ist. Und neben den Kisten, die zerbrochen werden wollen, warten noch die eigentlichen Level auf Crash und Coco. Rutschbahnen, verschwindende Plattformen und die vielen unterschiedlichen Gegner machen es nicht gerade einfach, Perfektion anzustreben.

Nostalgie und Innovation

Zwei neue Features sollen aber dabei helfen: Einerseits können Spieler jetzt mit unendlichen Leben die Reise durch Raum und Zeit antreten, sodass sie immer wieder am letzten Checkpoint starten. Anderseits kann ein gelber Kreis als Sprunghilfe angeschaltet werden, der anzeigt, wo die Helden landen.

Alteingesessene Spieler, die glauben „Das brauche ich nicht!“, werden schnell eines besseren belehrt – denn der Welpenschutz endet spätestens nach Level drei. Dann werden die großen Geschütze aufgefahren, und die Choreografie, um zu überleben, wird immer schwieriger. Dazu kommt auch, dass die Figuren gerne mal ein bisschen verzögert auf die Kommando-Eingabe reagieren. Extreme Präzision beim Knöpfedrücken gehört zur Essenz der Spielreihe, „It’s about Time“ schraubt diesen Anspruch teilweise aber fast ins Absurde hoch. Dass die Level extrem detailreich gestaltet und ein echter Augenschmaus sind, hilft nicht weiter. Denn dabei überschreiten die Sequenzen nicht selten den Grad zur Unübersichtlichkeit. Nichtsdestotrotz wurde alles richtig damit gemacht, die beiden Beuteldachse zu ihren Wurzeln zurückkehren zu lassen. „Crash Bandicoot 4: It’s about Time“ ist nicht nur das bisher größte, sondern auch anspruchsvollste Abenteuer der Reihe. Es ist die natürliche Fortführung der „N.Sane-Trilogy“, und findet genau den richtigen Grad zwischen Nostalgie und Innovation. Neue Features werden niemals überstrapaziert, stattdessen werden die Level für ausgewählte Sequenzen gekonnt damit gespickt.

Sogar storymäßig tut sich einiges, obwohl das nie das Hauptaugenmerk der Reihe war. Nur der wirklich hohe Schwierigkeitsgrad könnte einige Spieler abschrecken – denn ohne eine hohe Frusttoleranz landet der Controller vermutlich noch vor der zweiten Welt in der Ecke.

„Crash Bandicoot 4: It’s about Time“, Activision/Toys for Bob, freigegeben ab 6 Jahren, für Playstation 4 und Xbox One, 69,99 Euro.









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