Donnerstag, 31.12.2020

Die bittere Pille mit süßer Zuversicht runtergespült

Leserbrief

Ein filmreifes, wenn nicht hollywoodreifes Jahr liegt hinter uns. Corona hat unserem Leben einen plot twist verpasst, mit dem so niemand gerechnet hatte (außer vielleicht Apokalypsen-Freaks).

Sprach man von uns bislang noch als Generation „Fridays for Future“, ist jetzt von Generation „Corona“ die Rede. Denn nach anfänglichem Versäumnis hat irgendwann auch der Letzte kapiert: Trotz des scheinbar geringeren Infektionsrisikos nehmen in der Pandemie vor allem Schüler eine äußerst missliche Position ein – und müssen ebenso besonders berücksichtigt werden, damit man dem Bildungsauftrag gerecht wird. Nicht zu schweigen davon, dass das 130-Milliarden-Euro schwere Konjunkturpaket auch zukünftig noch Fragen der Generationengerechtigkeit aufkommen lassen wird.

Trotz all der Beschränkungen und Unsicherheit haben junge Goslarer 2020 immer wieder neuen Mut und Ideenreichtum bewiesen. Sie haben dafür gesorgt, dass relevante Themen bei all dem Wirbel um Corona nicht aus dem Bewusstsein geraten.

Für Toleranz und Demokratie

Der Fall des im Mai durch Polizeigewalt verstorbenen US-Amerikaners George Floyd hat auch jugendliche Goslarer stark bewegt und zum Handeln veranlasst. Eine Schülergruppe des Werner-von-Siemens-Gymnasiums schaltete eine eigene Durchsage zum Gedenken Floyds, während Lara Tabea Faeseler (18) und Antonia Dräger (19) aus Goslar kurzerhand einen stillen Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt vor dem alten Standesamt in Goslar organisierten. 8 Minuten und 46 Sekunden lang schwiegen die Demonstranten im Starkregen – so lange, wie der Polizist Derek Chauvin auf Floyds Nacken gekniet hatte.

Das neu gegründete Jugendforum der Stadt macht sich seit September des Jahres für demokratische Werte stark und will den Landkreis jugendlicher gestalten. Auch Themen wie Gendervielfalt und -gerechtigkeit liegen der Gruppe am Herzen. Im Oktober initiierte sie die zeitweise Errichtung einer kostenlosen Pump-Track-Anlage am Bündheimer Schloss.

Der Umwelt zuliebe

Klimaschutz ist jungen Goslarern auch 2020 ein wichtiges Anliegen geblieben. Anfang Juni setzte „Fridays for Future Goslar“ mit einer Plakataktion ein Zeichen, im September trat die Gruppe für das Klima in die Pedale und protestierte für eine fahrradfreundlichere Innenstadt.

Für die Umwelt ging es aber nicht nur auf die Straße, sondern auch in den Wald: Bei verschiedenen Pflanzaktionen beteiligten sich Kinder und Jugendliche über das Jahr verteilt an der Aufforstung der Stadt. Eine 9. Klasse des Christian-von-Dohm-Gymnasiums, Schüler der Förderschule Schule am Harly sowie Mitglieder der Grünen Jugend Goslar packten unter anderem mit an.

Im Sommer erzählte Jasmin Naser vom Werner-von-Siemens-Gymnasium der Jungen Szene von ihrer Zerrissenheit über eine zukünftige Familienplanung auf einer immer gefährdeteren Erde. So wie ihr geht es mittlerweile vielen jungen Menschen.

Ende des Jahres fand eine Schülergruppe des Ratsgymnasiums durch einen Selbstversuch heraus, dass es gar nicht so schwer ist, eine Woche lang autofrei, vegetarisch, vegan oder plastikfrei zu leben wie gedacht und motivierte Mitschüler sowie Lehrer zum Mitmachen.

Digitales bleibt im Fokus

Nicht nur deckte das Virus die mangelnde Digitalisierung der Schulen auf. Einmal mehr verdeutlichte es auch, wie ungesund es sein kann, rund um die Uhr erreichbar und ständig auf Social-Media zu sein: Im Lockdown hatten wir plötzlich Zeit, unsere Kreativität mal so richtig auszuleben. In einer Umfrage verrieten uns junge Goslarer, dass sie durch Corona die Natur neu für sich entdecken konnten.

Gleichzeitig warnten Experten immer wieder vor einer zunehmenden Vereinsamung durch übermäßigen Digitalkonsum im Lockdown. In einem Interview mit der Jungen Szene erklärte Sozialpädagogin Katja Bosse vom Lukas-Werk Goslar, warum Medien uns wichtig sind und, was wir tun können, um sie in einem gesunden Maße zu nutzen. Manchen dürfte ein zeitweises Dopaminfasten helfen, ein etwaiges Ungleichgewicht auszugleichen. Hierzu gab die Junge Szene Tipps.

Ihr habt einen Artikel verpasst? Kein Problem, auf unsere Internetseite www.goslarsche.de/junge-szene.html könnt ihr alle Berichte kostenlos nachlesen.









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