Dienstag, 08.12.2020

Der eigenen Stimme im Hörspiel lauschen

Leserbrief

Goslar. Wir alle haben als Kinder davon geträumt, einmal in die Haut unserer Lieblingsfigur aus Film, Fernsehen, Hörspiel oder Literatur zu schlüpfen. Für die Brüder Erik Elias und Louis Matheo Bolik aus Wiedelah ist dieser Kindheitstraum wahr geworden: Schon von klein auf sprechen sie die Figuren „Kire“ und „Zack“ in der Hörspielreihe „Zeitschiff Unicorn“. Durch die Produktion haben sie einen ganzen Stab an prominenten Synchronsprechern und Schauspielern kennengelernt.

Angefangen hat alles mit ein paar Sätzen, die Vater Martin Bolik seinem achtjährigen Sohn Erik auftrug, für den ersten Teil seiner Jugendhörspielreihe einzusprechen. „Das hat so gut geklappt, dass später kein anderer Sprecher mehr für die Rolle von Kire infrage kam“, erinnert sich der inzwischen 16-jährige Schüler des NIG in Bad Harzburg. Auch sein Bruder Louis sollte Teil der Hörspielreihe werden. Seitdem er 12 Jahre alt ist, vertont er „Zack“ in „Zeitschiff Unicorn“. Er ist damit im Hörspiel wie im wahren Leben großer Bruder von Erik alias „Kire“.

„Es war für uns normal“

Ganz so aufregend, wie man es sich für ein derart junges Duo vorstellt, sei das Einsprechen aber gar nicht gewesen. „Damals war das für uns normal“, erzählt Louis. „Schon in jüngeren Jahren hat uns unser Vater mit zu Radio Okerwelle genommen.“ In seiner Show ließ Bolik seinen damals sechsjährigen Sohn Stücke aus Eichendorfs „Mondnacht“ zitieren. „Dadurch habe ich meinen Sprachfehler wegtrainiert“, erzählt Louis. Die ersten vier Jahre seines Lebens war er taub, erst spät stellten die Ärzte fest, dass er „damals als Kind so komisch sprach“, weil er von den Lippen ablas und durch eine chronische Entzündung nichts hören konnte.

Das Problem wurde durch einen Eingriff behoben. Dank des eifrigen Trainings ist von seinem Sprachfehler in den Hörspielen nichts mehr zu vernehmen. Überhaupt sind er und sein Bruder mittlerweile Profis auf ihrem Gebiet. „Wenn ich Texte einspreche, erledige ich das in wenigen Minuten“, erzählt Erik. Tempo, Lautstärke, Betonung, Artikulation, das sitzt nach sieben Jahren Erfahrung.

Was Erik beim Einsprechen auch helfen dürfte, ist die Nähe, die er zu seinem Charakter verspürt. „Kire ist sehr neugierig und hinterfragt so gut wie alles, was ihm gesagt wird. Die Rolle spiegelt mich ganz gut wider. Außer, dass er in der Geschichte Superkräfte besitzt“, erzählt Erik und lacht. Neben der Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen und in die Vergangenheit zu schauen, gebe es da aber doch eine Veranlagung, die er auch im wahren Leben besitze: Die Begabung, mit dem dritten Auge Dinge wahrzunehmen, die anderen entgehen und die Fantasie auch mit dem Älterwerden zu bewahren. „Ohne Fantasie geht so gut wie gar nichts“, sagt der 16-Jährige. Das sieht auch sein Bruder Louis so, der hin oder wieder etwas tagträumen und damit andere auch mal irritieren würde. „Darum geht es in dem Hörbuch. Die Fantasie nicht zu verlieren. Deshalb versuchen Kire und Zack, durchs Geschichtenerzählen die Welt zu retten“, sagt der 19-Jährige.

Im Zuge der Produktion durften Erik und Louis den einen oder anderen namenhaften Hörspiel- und Synchronsprecher kennenlernen. Dazu zählen etwa Eckart Dux, der Sprecher von Gandalf in der Hobbit-Triologie, Jessica Wahls von den „No Angels“, Schauspieler Heinz Hoenig, der einst in Harlingerode wohnte, der verstorbene Sprecher und Schauspieler Helmut Krauss, den die meisten noch aus der Kinderserie „Löwenzahn“ kennen dürften, und last but not least SantiagoZiesmer, den Synchronsprecher von„Spongebob“.

Zu Tisch mit Spongebob

„Nichts geht über Santiago Ziesmer. Du bist mit Spongebob aufgewachsen und redest dann plötzlich mit ihm am Essenstisch“, erzählt Louis beeindruckt. Heute sei er ein guter Freund der Familie. „Helmut Krauss war wie ein Onkel für uns“, fährt Louis fort. „Er ist oft zu uns rüber gekommen, um Texte einzusprechen. Bei League of Legends hat er drei Charaktere gesprochen. Dadurch höre ich ihn noch, obwohl er nicht mehr da ist.“ Auch zu Heinz Hoenig habe die Familie ein gutes Verhältnis. „Wir kennen ihn schon von klein auf“, berichtet Louis. Vor einiger Zeit habe er sogar spontan vorbeigeschaut, um zu plaudern und sich dann noch ein Nickerchen auf dem Balkon gegönnt.

So viele berühmte Persönlichkeiten zu treffen, das sind Erik und Louis heute gewöhnt. Es dürften sicherlich nicht die letzten Kontakte sein, die sie knüpfen: Der vierte Teil von Vater Martin Boliks „Zeitschiff Unicorn“ ist in Arbeit, Erik spricht zusätzlich Stadtrundgänge und Rollen für kleinere Produktionen ein und Louis schneidet fleißig die Tonspuren. Nachdem Corona überstanden ist, sollen dann auch wieder größere Auftritte folgen.









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