Montag, 09.11.2020

Comic: Ein untoter König Artus auf Abwegen

Leserbrief

Dass seine Großmutter aus ihrem Pflegeheim in Südengland abhaut, ist für Duncan McGuire schon Schock genug. Dass er sie allerdings kurz darauf im Wald in einer Waffenkammer wiederfindet, macht die Überraschung komplett. Seine, wie sich herausstellt, schießwütige Oma verpflichtet ihn kurzerhand zu einer brenzligen Mission. Denn wie sich herausstellt, ist Duncans Oma Monsterjägerin im (Un)Ruhestand.

Die gut informierte Rentnerin führt ihren Enkel nach Glastonbury, um eine Katastrophe zu verhindern. Denn dort erweckt eine rechte Gruppe den toten König Artus mithilfe der Scheide des Schwertes Excalibur zu neuem Leben. Sie wollen Britannien für sich. Das will der untote Artus auch und bringt die englischen Nationalisten prompt um. Denn er hat eine andere Vorstellung davon, was Briten ausmacht – und eine angelsächsische Abstammung gehört nicht dazu. Eine Katastrophe mit epischen Ausmaßen bahnt sich an. Doch Duncans Oma hat einen Plan, der vor allem Duncan mit einschließt. Und der ist darüber nicht erfreut.

Abbildungen: Cross Cult

An Epos angeknüpft

„Once & Future. Band 1 – Der König ist untot“ von Kieron Gillen, Dan Mora und Tamra Bonvillain knüpft eng an die legendären Geschichten um König Artus, seine Ritter der Tafelrunde und die Suche nach dem Heiligen Gral an. Dieser epische Stoff ist sehr vielfältig und benötigt daher viele Erläuterungen. Die liefert das Trio geschickt und gut in die Story verpackt gleich mit. Die finale Legende, dass Artus zurückkehrt, um Britannien zu retten, wenn es in Not ist, ist dabei ein spannender Einstieg. Denn was kann man eigentlich von einem untoten Kriegsfürsten aus dem frühen Mittelalter erwarten? Moderne politische Lösungen sicherlich nicht.

Einen Parzival gemacht

Ein kreativer Ansatz für den Plot von „Once & Future“ scheint eine Anleihe aus der Rollenspielszene zu sein. Denn jeder kann hier, mit der korrekten Vorbereitung und Verhaltensweise, wichtige legendäre Personen aus dem Artus-Epos verkörpern. So gibt es nicht den einen Sir Lancelot, sondern man kann sich einen Lancelot suchen. Oma McGuire hat sich übrigens einen Parzival geschaffen – für den Notfall.

Diese „Verkörperungs-Möglichkeit“ führt allerdings auch zu einigen fragwürdigen, recht flachen Twists und Lösungen in der Geschichte. Die sind aber zum Glück selten und stören daher in der Plot-Entwicklung wenig.

Spielerisch werden britische Sagengestalten und legendäre Orte in eine moderne Fantasy-Geschichte eingebaut. Auch das eine oder andere popkulturelle Zitat ist augenzwinkernd untergebracht.

Der kantig-klare Zeichenstil passt gut zum Thema, kann in einigen Szenen jedoch auch ablenken. Für den untoten Artus und seine Begleiter ist er allerdings ideal. Sie wirken dunkel, besonders bedrohlich und auch ein wenig, als wenn sie direkt vom Cover eines Heavy-Metal-Albums in die Geschichte eingestiegen sind.

Durch den Einsatz von Schuss- und Hiebwaffen gibt es auch einige intensive Kampf- und Splatter-Szenen.

Die durchgängig sehr bunte Gestaltung ist hochwertig gemacht und hilft gut bei der Orientierung. Wiederkehrende Farb-Themen sind an bestimmte Figuren und Orte gebunden.

Insgesamt macht „Once & Future“ – Band 1 Lust auf mehr epischen Comic und auch darauf, mal wieder die Geschichten von König Artus aus dem Bücherregal zu holen. Den zweiten Band von „Once & Future“ hat der Cross-Cult Verlag für Anfang Dezember angekündigt.

Once & Future. Band 1 – Der König ist untot“ von Kieron Gillen, Dan Mora und Tamra Bonvillain, Cross Cult, 144 Seiten, 22 Euro.









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