Montag, 12.10.2020

Ava Max: „Ich liebe gigantische Pop-Hymnen“

Leserbrief

Sie hatte es oft nicht leicht, doch nun lacht sie am lautesten. Ava Max, die kürzlich ihr Debütalbum „Heaven & Hell“ veröffentlicht hat, macht da weiter, wo Britney Spears und Katy Perry aufgehört haben.

„Ich sehe es als meine wichtigste Mission an, mit meiner Musik die Menschen zu motivieren und ihnen auf die Beine zu helfen“, sagt Ava Max, die gerade selbst ein bisschen Motivationshilfe gebrauchen könnte. Wie derzeit üblich, sitzt die Sängerin zum Interview am anderen Ende des Computerbildschirms – morgens um 10 Uhr, auf einem grüngemusterten Gartenstuhl, hinter sich eine kahle weiße Wand, in der Hand eine große Tasse Kaffee mit Hafermilch. Doch das Heißgebräu schützt sie nicht davor, ständig so zu wirken, als würde sie jetzt eigentlich gern gähnen oder gleich ins Bett gehen. Sie sei gerade innerhalb von Los Angeles umgezogen, erzählt Ava Max, jetzt wohne sie näher an ihren Eltern, wo sie nun sehr oft zum Essen aufschlage, und am Tag zuvor habe sie bis in die Puppen irgendwelchen Kram ausgepackt.

Neben dem Umzugsstress gesellt sich für die 26-Jährige, die mit ihrem ersten Hit „Sweet But Psycho“ Ende 2018 auf einen Schlag die weltweiten Charts aufgerollt hatte, nun also auch noch die ganze Arbeit rund um ihr erstes Album „Heaven & Hell“, das so lange in der Mache war, dass die Hälfte der Songs bereits als Singles veröffentlicht wurden. Die Songs hat die Sängerin mithilfe eines eher lockeren Konzepts zur Hälfte dem „Himmel“ und zur anderen Hälfte der „Hölle“ zugeschlagen, „weil ich wie jeder Mensch Phasen habe, in denen ich superglücklich bin und andere, in denen mich die Melancholie streift“, verrät die 26-Jährige.

Wohlgemerkt nur streift, denn wo immer auch man sich gerade auf diesem Album befindet, es knallt eigentlich immer. Eine Meisterin der Subtilität ist diese Ava Max ganz sicher nicht. „Ich liebe gigantische Pop-Hymnen“, sagt sie, nun etwas wacher werdend. „Als Kind vergötterte ich Mariah Carey, Shania Twain und Destiny’s Child. Alle meine Einflüsse kommen nun in meiner eigenen Musik zusammen.“

Leidenschaft zum Pop

Originell oder gar innovativ ist an Ava Max‘ Feuerwerks-Pop nun wirklich nichts, sieht man vielleicht mal von den paar verwendeten Takten aus Peter Schillings Neue-Deutsche-Welle-Hit „Major Tom“ in der – wenn es das gibt – Uptempo-Ballade „Born to the Night“ ab. Doch erstens stört das ihre zuhauf noch sehr juvenilen Hörer*innen kein Stück, und zweitens besetzt diese junge Frau mit dem eigenartigen, hellblonden Links-lang-rechts-kurz-Haarschnitt eine echte Marktlücke im aktuellen Popgeschehen. Ava Max und ihr Produzent Cirkut fabrizieren die Art von sirupsüßen, kaum aus dem Kopf zu kriegenden Mainstream-Melodien, mit denen einst Britney Spears und Christina Aguilera die Charts dominierten. Mit einem ähnlichen Ansatz wurde vor zehn Jahren auch Katy Perry zum Weltstar, deren neues Album „Smile“ kommerziell aber überhaupt nicht zünden konnte. Schließlich ist auch der Vergleich mit Lady Gaga nicht von der Hand zu weisen, wobei sich Ava Max freilich nicht um den ganzen poptheoretischen Überbau schert, sondern sich lieber aufs reine Hit-Abliefern konzentriert. „Ich sehe das Leben nicht rosarot, aber positiv“, sagt Ava.

Schon als Kind lernte sie, zu kämpfen und sich durchzubeißen, das kommt ihr jetzt zugute. Ava Max kam als Amanda Kociin in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin zur Welt. Die Eltern flüchteten 1990 aus Albanien und lebten zunächst ein Jahr in einer französischen Kirche, bevor sie in die USA weiterreisen konnten. „Schweinekalt“ sei es dort gewesen, später zog die Familie ins wärmere Virginia und schließlich, als Ava Max 14 war und beschloss, es mit der Popkarriere zu versuchen, nach Kalifornien. Dort wurde sie an der Schule gemobbt, war später meistens pleite und verkaufte jahrelang Milchshakes.

Doch die Sängerin blieb hartnäckig. Heute singt sie glaubhafte Selbstbehauptungssongs wie „Who’s Laughing now“, Anti-Mobbing-Hits wie „So Am I“ („Du musst dich nicht der Gesellschaft anbiedern, um akzeptiert zu werden.) und feministische LGBTQ-Hymnen wie „Kings & Queens“. „Ich musste als Kind kämpfen, ich musste als Teenager kämpfen, ich musste als Erwachsene kämpfen. Aber ohne die harten Zeiten und ohne mein Kämpferherz wäre ich jetzt nicht die Person, die ich bin“, fasst Ava Max zusammen.

Das Album „Heaven & Hell“ ist ab sofort im Handel erhältlich.









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