Sonntag, 12.04.2020

Kaum noch Müll verursachen dank des Zero-Waste-Prinzips

Leserbrief

So langsam ist wieder Zeit für den jährlichen Frühjahrsputz. Findest du öde? Die Junge Szene sammelt hier Tipps für eine andere Art des Reinemachens, nämlich für ein möglichst reines Gewissen. Wir präsentieren euch Vorschläge, wie ihr euren Alltag möglichst nachhaltig (fast) ohne Müll zu produzieren nach dem Zero-Waste-Prinzip gestalten könnt.

Einkaufen und unterwegs

Wer beim Einkaufen keinen Müll verursachen möchte, sollte vorher planen. So vergammeln keine Lebensmittel mehr. Und Klamotten hängen weder monatelang ungetragen im Kleiderschrank noch liegt dort dreimal das gleiche Shirt. Bei neuer Kleidung am besten darauf achten, dass sie nicht aus Kunstfasern ist. Denn beim Waschen reibt sich Mikroplastik ab. Modernen Kläranlagen fällt es noch schwer, die winzigen Teilchen aus dem Wasser zu filtern. Sie landen also in unseren Flüssen und Meeren.

Seitdem Plastiktüten Geld kosten, nehmen die meisten sowieso einen Jutebeutel mit. Das meiste Gemüse und Obst braucht zudem auch die dünnen Beutel in der Gemüseabteilung nicht. Sie bringen eine ganz natürliche Verpackung mit: ihre Schale. Beim Einkauf kann man darauf achten, Produkte auszuwählen, die in Papier oder Glas verpackt sind. Die Gläser könnt ihr, wenn sie leer sind, ausspülen und weiterverwenden. In Goslar soll bald ein Unverpackt-Laden öffnen. In Schraubgläsern aus Glas könnt ihr lose Waren wie Getreide oder Nudeln nach Hause transportieren – sie sehen in der Küchenvitrine äußerst dekorativ aus.

Überall einen Kaffee für unterwegs mitnehmen zu können, ist praktisch – dabei aber auch daran denken, einen Mehrwegbecher oder eine Trinkflasche aus Glas oder Metall dabei zu haben. Das Gleiche gilt für Take-Away-Essen: Wer nett fragt, dem wird das Essen ebenso in eine mitgebrachte Dose gefüllt.

Aufbrauchen und kreativ sein

Die Lieblingsfrage eines Zero-Wastlers lautet: Brauche ich das wirklich? Nachhaltiger als Dinge neu zu kaufen sind Second-Hand-Produkte. Denn dadurch verlängert sich die Zeit, die ein Produkt benutzt wird. Ressourcen für etwas Neues, das vielleicht noch gar nicht gebraucht wird, werden gespart.

Vorhandene Pflegemittel sollten aufgebraucht und Dinge bis zum Verschleiß weiterwendet oder umfunktioniert werden. Wer möglichst wenig Müll produzieren will, kann kreativ werden: Leere Schraubgläser eignen sich beispielsweise nicht nur zum Verstauen, sondern auch als Windlichter.

Badezimmer

Menstruationstassen sparen kiloweise Tampons. Foto: Unsplash
Gerade im Badezimmer stapeln sich Tuben und Dosen aus Plastik. Dabei gibt es tolle Alternativen. Die simpelste ist, flüssige Seife durch ein Seifenstück zu ersetzen. Wer keine Seifenschale daheim hat, kann Steine in eine Schüssel legen und die Seife darauf legen, damit sie abtropft und trocknet. Seife eignet sich übrigens ebenso zur Körperwäsche, fühlt sich aber nicht so flutschig an wie Duschgel. Feste Haarshampoos und -duschgels findest du nicht mehr nur im Reformhaus, sondern mittlerweile genauso in vielen Drogerien. Auch Haarseife ist eine Alternative. Allerdings ist sie etwas schwieriger in der Anwendung. Damit die Haare fluffig bleiben, brauchen sie zusätzlich zur Haarseife regelmäßig eine Spülung mit saurer Rinse, einer Mischung aus einem Liter Wasser und Essig oder Zitronensaft.

Insbesondere in Peelings ist oft Mikroplastik enthalten. Aus Kaffeesatz oder grobem, braunem Zucker mit Olivenöl lässt sich ein natürliches Peeling selbst mixen.

Deocremes in Metalldosen sind eine tolle Alternative zu Plastiksprühflaschen. In den Dosen könnt ihr nach Gebrauch Kleinigkeiten wie Haarnadeln oder Büroklammern aufbewahren. Kaufen könnt ihr sie zum Beispiel in Bioläden. Zahnbürsten gibt es aus Holz und Zahnpasta in fester Form als Tabletten. Statt Nassrasierer mit in Plastik eingefassten Klingen minimiert ein Rasierhobel euren Müllverbrauch. Bei vielen Modellen tauscht ihr wirklich nur die Klingen statt des ganzen Kopfes aus. Genauso wie Deocremes gibt es auch Rasiercreme in Metalldosen.

Mädels, aufgepasst: Ihr müsst nicht monatlich jede Menge Tampons oder Binden verbrauchen. Eine Menstruationstasse kauft ihr einmal und benutzt sie bei regelmäßigem Auskochen für Jahre. Es kann ein bisschen dauern, bis ihr die Tasse das erste Mal auslaufsicher eingesetzt habt – viele Videos auf Youtube erklären, wie es richtig geht.

Ein Wattepad einmal benutzen und dann wegwerfen? Benutzt stattdessen waschbare Pads aus Baumwolle. Die könnt ihr nicht nur kaufen, sondern auch selbst aus alten Klamotten nähen. Sogar für Wattestäbchen gibt es einen umweltfreundlichen Ersatz, nämlich aus Silikon zum Abspülen.

Die simpelste Möglichkeit im Badezimmer Abfall einzusparen: Seifenstücke statt flüssiger Seife aus dem Spender oder Nachfüllpack nutzen. Foto: Unsplash

Küche

Plastikflaschen sind überflüssig. Leitungswasser ist genauso gut – und gesünder als diverse Softgetränke. Alternativ könnt ihr im Supermarkt zumindest zur Glasflasche greifen.

Alu- und Frischhaltefolie sind ziemlich überflüssige Einmalprodukte. Essen könnt ihr genauso gut mit einem weiteren Teller abdecken oder in Brotdosen füllen. Außerdem wiederverwendbar sind in Bienenwachs getränkte Baumwolltücher. Die könnt ihr selbst herstellen oder in diversen Online-Shops kaufen. Kaffeekapseln sind nicht nur eine Belastung für die Umwelt, sondern auch ziemlich teuer, wenn man den Kaffee daraus auf den Kilopreis umrechnet. Im Espressokocher oder der French Press aufgebrühter Wachmacher dauert zwar länger, lohnt sich aber.

Ganz generell gilt, keine überhöhten Ansprüche an sich selbst haben. Die Konzepte Zero Waste und Nachhaltigkeit funktionieren für die meisten nicht ad hoc, sondern integrieren sich nach und nach in den Alltag. Immer dran denken: Es ist besser, ein bisschen etwas zu verändern, als gar nichts zu tun.

DATEN UND FAKTEN: SO STEHT ES UM DEN MÜLLVERBRAUCH IN DEUTSCHLAND

Im Alltag kommt es uns vielleicht gar nicht so vor, als würden wir viel Abfall verursachen. Doch die Säcke summieren sich, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Sie beziehen sich alle auf das Jahr 2018:

  • Durchschnittlich 455 Kilogramm Haushaltsabfälle hat jeder Deutsche in die Tonnen geschmissen. Das sind rund 1,2 Kilogramm Müll pro Tag. Zu den Haushaltsabfällen zählen Haus- beziehungsweise Restmüll, Bioabfälle, Wertstoffe sowie Sperrmüll.
  • Ein Großteil der Haushaltsabfälle setzt sich aus Restmüll und Sperrmüll zusammen. 157 Kilogramm je Einwohnerin und Einwohner haben die Deutschen produziert. Das entspricht einem Abfallvolumen von 430 Gramm pro Tag.
  • Mit 30 Kilogramm pro Person hatten die sogenannten Leichtverpackungen den größten Anteil am eingesammelten Verpackungsmüll der privaten Haushalte. Leichtverpackungen sind überwiegend Verpackungen aus Kunststoffen, Leichtmetallen wie Aluminium oder Weißblech und Verbundmaterialien – zu dieser Kategorie zählen viele Shampooflaschen und Cremetiegel, die du mit dem Zero-Waste-Prinzip einsparen kannst.
  • 22 Kilogramm Glasverpackungen hat jede Einwohnerin und jeder Einwohner Deutschlands verbraucht.
  • Das Schlusslicht bilden die Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton: 16 Kilogramm pro Kopf haben die Deutschen recycelt. 








Weitere Topthemen aus der Region:
  • Region
    Reha-Klinik: Aus zum Jahresende
    Mehr
  • Liebenburg
    Ein Gremium mit viel Gesprächsbedarf
    Mehr
  • Langelsheim
    Neuer Geschäftsführer für PPM
    Mehr
  • Goslar
    Mehr Grillo-Jobs durch Solidarität
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Harzer Galopper laufen der Musik hinterher
    Mehr