Freitag, 22.03.2019

Zwischen Schulpflicht und Unterstützung

Leserbrief

Goslar. Nach der ersten „Fridays for Future“-Demonstration in Goslar vergangene Woche wächst die Bewegung. „Es wird weitere Demonstrationen geben“, verspricht Initiatorin Frauke Nickel. Ein Organisationsteam stehe nun fest.

Ein Problem für viele Schüler: mögliche Konsequenzen durch die Schulleitung. An der Adolf-Grimme-Gesamtschule (AGG) kursierten Gerüchte, Streikende würden bestraft. Die Schulleitung korrigiert: Sie setze nur den Erlass des Kultusministeriums um. Was das allerdings konkret für die Schüler bedeutet, das beantwortete die AGG nicht. Am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg sei die Bewegung bisher kein großes Thema unter den Schülern, meint Schülersprecher Ömer Sahin. Er erwarte auch keine Probleme seitens der Schulleitung: „Unsere Schule ist tolerant und offen für so etwas“, sagt Sahin. Direktorin Inga Rau betont dennoch, dass die Schulpflicht Vorrang habe. Verständnis und ein wenig Stolz habe sie trotzdem: „Grundsätzlich sehen wir es positiv, dass unsere Schüler sich engagieren“, sagt Rau. Jeder müsse eigenverantwortlich entscheiden, ob er die unentschuldigten Fehlstunden in Kauf nehme.

Zwickmühle für Schulen

Der gleichen Meinung ist Barbara Reichert, Schulleiterin des Christian-von-Dohm-Gymnasiums, und beschreibt ein Dilemma: Sie vertrete die Schulpflicht auf der einen Seite, könne aber nachvollziehen, dass sich die Schüler Sorgen machten. „Durch die Bewegung ist ein Nachdenken in Gang gekommen. Das ist wichtig“, findet Reichert.

Ähnlich hatte es der Leiter des Ratsgymnasiums Hans-Peter Dreß formuliert. Zu dessen Auftritt bei der Schülerkundgebung wollte sich Frauke Nickel nicht äußern. Scharf kritisiert hatte die Einmischung des Direktors bereits Karsten Färber, Kreisvorsitzender der Linkspartei: Die Schüler sollten sich nicht oberlehrerhaft einschränken lassen.

Klare Aussage gefordert

Lehrerverbände haben in dieser Woche Politiker aufgefordert, eine klare Aussage zur Schulpflicht zu treffen. Sie dürften die Lehrer nicht zum Buhmann für den Umgang mit Fehlzeiten machen, klagt etwa Jürgen Böhm, Vorsitzender des Realschullehrerverbandes. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger warf etwa Angela Merkel Heuchelei vor, wenn sie sich hinter eine Bewegung stelle, die gegen ihre eigene Klimapolitik protestiere.








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