Montag, 01.10.2018

Zwischen Katzenjammer und Hundeleben

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Eckertal. Sie kläffen, bellen und heulen. Schon auf dem Schotterplatz vor dem Tierheim Eckertal hört man die Hunde. Wer wie Anna-Lena Thormann den Großteil der Woche hier verbringt, gewöhnt sich an den Lärm. Die 17-Jährige absolviert seit Anfang August ihre Ausbildung zur Tierpflegerin (Fachrichtung Tierheim und Tierpension).

„Wer die Vorstellung hat, ich würde den ganzen Tag nur mit den Katzen kuscheln, liegt falsch“, sagt Anna-Lena. Wäsche waschen, Näpfe spülen, Räume mit dem Dampfreiniger keimfrei halten und Haufen von der Hundewiese aufsammeln: Ein Großteil der Arbeitszeit geht für das Saubermachen drauf. „Man muss schon mit dem Kotgeruch zurechtkommen“, sagt Anna-Lena.

Bisher schon etwa 150 Tiere vermittelt

Rund 150 Katzen und Hunde hat das Tierheim Eckertal in diesem Jahr bisher vermittelt. Aktuell warten etwa je ein Dutzend Katzen und Hunde auf ein neues Zuhause. Bis es so weit ist, kümmern sich Anna-Lena und ihre Kollegen um die Tiere. Nicht nur das Arbeiten im Tierheim zählt zu ihren Aufgaben. Die 17-Jährige besucht einmal in der Woche die Berufsschule in Hannover. Die Ausbildung zur Tierpflegerin gibt es auch noch mit den Fachrichtungen Forschung und Klinik sowie Zoo.

Neben jeder Tür im Katzenbereich hängen ein Kehrblech, ein Handfeger und ein Besen. Vor den Räumen steht eine Schüssel mit einem in Desinfektionsmittel getränkten Handtuch. Hier stapft Anna-Lena hindurch, damit sich Keime nicht verbreiten. Mit einer Plastikschaufel siebt sie die Hinterlassenschaften von Paul aus dem Katzenklo. Der schwarze Kater scharwenzelt um ihre Beine und schnurrt. Danach kontrolliert sie, ob die Decken in Pauls Zimmer sauber sind, und fegt den Raum.

Zeit für die Tiere nehmen

Während ihres Arbeitstages nimmt Anna-Lena sich immer wieder Zeit, die Tiere zu beschäftigen. Doch das Tierheim ist auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. Um die 500 Mitglieder zählt der Tierschutzverein Bad Harzburg. Einige engagieren sich als „Gassigeher“, helfen bei Baumaßnahmen im Tierheim mit oder sind „Katzenstreichler“. „Ein Junge hat sich mit seinem Buch zu einer Katze gesetzt und ihr vorgelesen“, erzählt Anna-Lena und lächelt.

Nach den Katzen sind die Hunde dran: Vorbei an einem Kollegen, der Futternäpfe spült, eilt Anna-Lena Richtung Zwinger. Sie leint zwei junge Hunde an und lässt sie auf der eingezäunten Wiese hinter dem Haus frei. Mani und Joey toben bellend über die Wiese und raufen sich. Die Auszubildende knipst derweil mit ihrer Spiegelreflexkamera Fotos für die Homepage des Tierheims.

Nachdem sie die beiden wieder in den Zwinger gebracht hat, holt sie Maya. Als Anna-Lena den Zeigefinger hebt, schaut die Bardino-Mischlingsdame sie erwartungsvoll an. „Sitz!“, befiehlt die Auszubildende und Maya gehorcht. Zur Belohnung bekommt sie ein Leckerli. „Das Hundetraining mache ich besonders gern“, sagt Anna-Lena.

Geduld ist wichtig

Am Nachmittag betreut die Auszubildende keine Tiere – sondern Menschen, die sich für ein Tier aus dem Tierheim interessieren. Weder Hund noch Katze sollte man nach dem Aussehen aussuchen, sondern danach, ob Eigenheiten der Rasse und des Charakters zu den eigenen Lebensumständen passen.

Zudem sei Geduld wichtig. Es komme manchmal vor, dass eine Katze zurückgegeben wird, weil sie sich ein bis zwei Wochen fast nur unter dem Sofa verkriecht. „Die Tiere brauchen Zeit, um sich in der neuen Umgebung mit den fremden Menschen zurechtzufinden“, erklärt Anna-Lena und gibt zu bedenken: „Manchen Menschen ist nicht bewusst, was es bedeutet, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen.“








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