Freitag, 24.04.2020

Wie es für das "Rock am Beckenrand"-Festivalteam nach der Absage weitergeht

Leserbrief

Wolfshagen. „Rock am Beckenrand“ ist für dieses Jahr Geschichte. Immerhin: Fast alle Bands haben bereits zugesagt, stattdessen im Jahr 2021 bei dem Wolfshäger Festival auf der Bühne zu stehen. GZ-Volontärin Sarah Franke hat mit Peer Niclas Peters, Vorsitzender des Vereins „Rock am Beckenrand“, über die Absage, finanzielle Einbußen und Zukunftspläne gesprochen.

Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen verboten. Ihr habt euch dagegen entschieden, das für Ende August geplante Festival nach hinten zu verschieben. Warum?

Peer Niclas Peters: Wie alle Veranstalter haben wir geguckt, wie sich die Lage entwickelt. Wir hatten immer noch die Hoffnung, dass die Schritte etwas kleiner sind, in denen Großveranstaltungen abgesagt werden. Unter dem Strich teilen wir aber die Entscheidung des Landes. Hinzu kam noch, dass wir uns irgendwann die moralische Frage gestellt haben: Können wir erhobenen Hauptes sagen, dass es richtig war, die Veranstaltung zu machen?

Und dann habt ihr abgesagt.

Wir haben „Rock am Beckenrand“ nicht abgesagt, aber auf das nächste Jahr verschoben. Witzigerweise verschieben wir nicht nur ein Festival, sondern zwei, die Bands für 2021 standen auch schon.

Außerdem war uns klar: Wenn es ein Festival gibt, dann eines mit Auflagen. Wir haben daran schon gearbeitet: Beim Eintritt Hände desinfizieren, kein Bierverkauf ohne Handdesinfektion, sind einfache Beispiele. Aber spätestens, wenn dann um 23 Uhr die ersten 4000 Liter Bier verkauft sind, werden die Leute den Abstand nicht mehr einhalten. Und beim Pogen vor der Bühne hat man dann doch sehr viel Hautkontakt.

„Rock am Beckenrand“ organisiert ihr ehrenamtlich. Gibt es nun trotzdem ein finanzielles Problem?

Nein, Gott sei Dank. Es trifft andere Veranstalter deutlich, deutlich stärker, weil diese ja auch Gehälter zahlen müssen. Außerdem haben wir starke Partner, die uns auch für 2020 die Unterstützung trotz Ausfall nicht streichen. Besonders toll ist Med-X-Press, die uns Lagerfläche zur Verfügung stellen. Wir werden die Festival-Absage finanziell schon merken, aber wird sind jetzt nicht kurz vor dem Ruin.

Wie meinst du das?

Ein paar Kostenfaktoren kommen dann doch dazu, zum Beispiel das Umschreiben der Tickets mit einem drei- bis vierstelligen Betrag.

Die gewonnene Zeit wollt ihr für kleinere Projekte nutzen, zum Beispiel die Verbesserung der Festival-Atmosphäre.

Meine Herzensangelegenheit ist das Campinggelände. Beides, Freibad- und Campinggelände, soll ein Erlebnis sein. Man kann einfach einen Strahler hinstellen und dann leuchtet der Platz. Das ist aber total ungemütlich. Stattdessen haben wir aus 1000-Liter-Wassertanks und LEDs eine Art Leuchtturm gebaut. Die Tanks leuchten in verschiedenen Farben. Lichterketten, Dekoration, das gibt eine ganz andere Atmosphäre. Im Endeffekt können wir uns jetzt der Schnippelarbeit widmen, zu der man sonst nicht kommt.

Ihr wollt die Familienfreundlichkeit ausbauen – was habt ihr da konkret vor?

Die Anzahl der Kinder bei uns hat sich erhöht. Als eine Dreijährige mit ihrer Mutter beim Bieryoga mitgemacht hat ... also die Kleine hatte natürlich kein Bier (lacht). Da ist uns aufgefallen: Eigentlich könnte man die Eltern noch besser unterstützen. Wir wollen den Kinderbereich im Freibad zur Nutzung freigeben und dort mit ausgebildeten Kindergärtnern und Kindergärtnerinnen professionelle Betreuung anbieten.

Wer ein Festival organisiert, ist sicherlich auch privat großer Musikfan. Wie ist für dich die lange Zeit ohne Live-Konzerte?

Meine Mutter gehört zur Gefahrengruppe. Mehrere Vereinsmitglieder gehören zur Gefahrengruppe. Von daher fällt es mir überhaupt nicht schwer. Letztendlich werden Konzerte nachgeholt. Niemand verpasst etwas und darauf freuen wir uns.

Wie auf euer Festival. Was wünscht ihr euch für die Saison 2021?

Gutes Wetter (lacht). Ansonsten sind wir glücklich. Wir haben perfekte Besucher. Die nehmen Rücksicht aufeinander. Auch jetzt nach der Absage sind die Reaktionen toll. Wir kriegen Lob, kaum jemand will eine Rückerstattung. Manche wollen ihre Tickets sogar spenden.









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