Freitag, 31.05.2019

Wie Medien das Miteinander junger Erwachsener beeinflussen

Leserbrief

Goslar. Ein Paar will einen gemütlichen Abend verbringen, jedoch möchte der eine Partner lieber eine Serie schauen als mit dem anderen Sex zu haben. Klingt unrealistisch? Eine Studie des Wall Street Journal hat ergeben, dass 38 Prozent der befragten 18- bis 38-Jährigen mindestens einmal in sechs Monaten lieber etwas auf Netflix gestreamt haben, anstatt Sex mit ihrem Partner zu haben.

Claudia Brümmer
Netflix selbst kommentierte die Ergebnisse humorvoll. Ein Sprecher des Konzerns sagte zu der Studie „Wir sind stolz darauf, ein Teil des kulturellen Zeitgeistes zu sein, aber ein jahrzehntelanger Rückgang von Sex geht sogar über unsere Programmier-Fähigkeiten hinaus.“ Das Ergebnis der Studie lässt auf eine immer größer werdende Ablenkung durch die Medien schließen. „In Zeiten der neuen Medien ist die Möglichkeit der Ablenkung größer als früher“ sagt Claudia Brümmer. Die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin bei der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises Goslars bezieht sich nicht nur auf das Sexualleben von Paaren, sondern auf die allgemeine Entwicklung eines Menschen. Wenn jemand die Medien als eine Art Ausweg und Flucht sehe, und keine Erfahrungen draußen in der Welt mache sowie keine sozialen Kontakte aufbaue, könne das negative Folgen für einen Menschen haben.

Dennoch sei der Beraterin kein Rückgang bei der sexuellen Aktivität junger Menschen aufgefallen.

Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Twitter, spielen im Allgemeinen eine große Rolle dabei, da sie unsere Kommunikation verändert haben.

Zärtlichkeit ist wichtig

Brümmer ist jedoch der Ansicht, dass Zärtlichkeit sehr wichtig sei. Diese könne nicht durch eine Serie, Internetseite oder sonstige Medien erreicht werden, sondern nur mit einer realen Person.

Des Weiteren können die Möglichkeiten, die man heutzutage durch das Internet habe, dazu führen, dass schnell eine sexuelle Müdigkeit eintrete oder dass man zu hohe Ansprüche an sich selbst stelle. In einer Zeit, in der pornografische Inhalte nur wenige Mausklicks entfernt sind, sind das keine zu unterschätzenden Probleme. Es sei auch wichtig, ob zuerst die sexuelle Erfahrung oder der hohe Medienkonsum vorhanden war, denn ein Mensch könne nicht vermissen, was er nicht kenne, so Brümmer.

Dazu werden die Möglichkeiten der Medien in Zukunft immer weiter steigen und je mehr Ablenkung eine Person durch selbige hat, desto weniger Zeit bleibe am Tag für seine anderen Bedürfnisse. Diese Entwicklung ist auch dahin gehend besorgniserregend, dass laut der Psychologin Sexualität nach wie vor ein großes Tabuthema für viele junge Menschen sei. Dies ist gerade in einer Zeit, in welcher Sex in den Medien schon lange kein großes Tabuthema wie früher mehr ist und viele Transgender offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen, äußerst verwunderlich.

Weiterhin ist die Sexualberaterin der Ansicht, dass die neuen Medien natürlich auch viele Möglichkeiten bieten, da sich jeder heutzutage über alles Mögliche per Smartphone aufklären kann. Brümmer selbst ist insgesamt der Ansicht, dass die Ergebnisse der Studie nicht besorgniserregend sind, da es normal sei, in einer Beziehung nicht immer Lust auf Sex mit dem Partner zu haben. Man solle sich jedoch, sobald dies zur Regelmäßigkeit werden sollte, mit seinem Partner darüber aussprechen und der möglichen Unzufriedenheit auf den Grund gehen.

Phänomen junger Leute

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass von den über 39-Jährigen nur 16 Prozent in den letzten sechs Monaten mindestens einmal lieber etwas gestreamt haben als Sex mit dem Partner zu haben, also 22 Prozent weniger als bei den 18- bis 38-Jährigen. Dies bestätigt die Annahme, dass es sich dabei vor allem um ein Phänomen unter jungen Leuten handelt.

Wir haben euch übrigens auf Facebook zu dem Thema befragt, und dort schrieb Steve Niewisch den humorvollen Kommentar „Wir haben dieses Netflix nicht. Und nun lassen Sie mich in Ruhe, meine 14 Kinder haben Hunger.“








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