Donnerstag, 10.01.2019

Wer es in Oberhof schafft, schafft es überall

Harz. Mit der Weltcup-Station in Oberhof beginnt für die Biathleten die heiße Phase der Saison. In den kommenden Wochen stehen die wohl härtesten Rennen des Jahres an. In seinem Blog erzählt Daniel Böhm vom SC Buntenbock, was die Strecken so besonders macht und wie er den Trubel vor heimischen Fans erlebt hat.  

Neues Jahr, neues Glück. Zwar ist die Saison 2018/2019 schon in vollem Gange, die ersten Tendenzen sind sichtbar, aber für mich persönlich geht es jetzt erst richtig los. Jeder hatte noch einmal Zeit, im Training an den letzten Feinheiten zu arbeiten und auf den Saisonstart zu reagieren und will im Januar topfit am Start stehen, denn jetzt geht es nach Oberhof, Ruhpolding und Antholz. Gerade für die deutschen Athleten ist dies etwas ganz Besonderes.

Auf der einen Seite ist das Medieninteresse extrem hoch, Sponsorentermine häufen sich und der eigene Druck, vor heimischem Publikum erfolgreich zu sein, nimmt zu. Auf der anderen Seite stehen aber auch volle Stadien mit frenetischen Fans, die einen förmlich um die Runde brüllen und damit zusätzliche Energie freisetzen können. Unter dem Strich sind es einfach unfassbar intensive Wochen, auf die sich jeder freut, aber auf die man sich perfekt vorbereiten muss.

Kaum geschlafen

Ich kann mich noch genau an mein erstes Rennen in Oberhof erinnern – Sprint 2009 und mein erster Weltcupeinsatz überhaupt. In der Nacht vor dem Wettkampf habe ich kaum geschlafen und schon beim Skitest und der ersten Runde durch das Stadion hatte ich Gänsehaut. Am berühmten Birxsteig, der500 Meter nach dem Start kommt, versteht man sein eigenes Wort nicht, geschweige denn Informationen der Trainer. Hier kann tatsächlich nur nonverbal kommuniziert werden und deswegen haben die Betreuer Tafeln dabei, auf denen die Schussbilder und Platzierungen aufgeschrieben sind.

Ich kannte die Strecke natürlich aus zahlreichen Trainingseinheiten und wusste, dass ich in der ersten Runde nicht zu viel Gas geben darf, um nicht zu überziehen. Dieser Vorsatz hielt leider nur bis zum Eingang des Anstiegs und ich musste bitter erfahren, wie sehr eine Zuschauermenge pushen kann, denn die letzte Runde war die Hölle. Es gilt also, kühlen Kopf zu bewahren, sich nur auf sich selbst zu fokussieren und auch am Schießstand den Jubel komplett auszublenden. Wer das in Oberhof und Ruhpolding schafft, der kann es überall!

An vielen Wettkampforten kann man sich fast vollständig auf das Wesentliche konzentrieren und all seine Energie in die sportliche Leistung stecken. Bei den Heimweltcups kommt aber ein weiterer Spagat dazu, denn auch Presse, Sponsoren und Fans möchten ihre Sportler hautnah erleben. Das ist natürlich eine tolle Sache, die verdiente Anerkennung und eine schöne Abwechslung. Aber gleichzeitig bedarf es viel Fingerspitzengefühl und Konsequenz, die richtige Balance zu finden, denn am Ende zählt nur das Ergebnis. Auch hier zeigt sich Erfahrung!

Ich bin mir sicher, dass unser Team das hervorragend meistern wird und uns allen tolle Wettkämpfe liefert. Auch Arnd Peiffer hat sein Weltcupdebüt mit einer fulminanten Staffel in Oberhof gegeben und freut sich bestimmt schon auf das Spektakel, denn aus Erfahrung wird er mit jedem Wettkampf im Laufe einer Saison immer stärker.

Es kribbelt schon

Wie gesagt, jetzt nimmt die Biathlonsaison richtig Fahrt auf und ein Highlight folgt dem anderen. Die Weltmeisterschaft in Östersund rückt ebenfalls näher und wer jetzt seine Arbeit nicht gemacht hat, wird es schwer haben, das Ruder noch rumzureißen. Bei mir kribbelt es jetzt auch schon richtig, ich freue mich auf spannende Wettkämpfe und werde mir die Rennen auch vor Ort ansehen, um unser Team anzufeuern! Ich halte euch auf dem Laufenden...

Daniel Böhm (32) vom SC Buntenbock war Weltmeister mit der deutschen Staffel 2015 und holte 2014 Olympia-Silber. Böhm lebt jetzt in Fischbachau bei Rosenheim und wird für die GZ in lockeren Abständen die Biathlon-Saison begleiten.