Freitag, 12.07.2019

Wenn alte Filme neuen Glanz bekommen

Leserbrief

Der weise Affe Mafiki hält den jungen Simba auf dem Königsfelsen in die Luft und präsentiert ihn den Einwohnern des „Geweihten Landes“. Elefanten, Zebras, Giraffen und weitere Tiere feiern die Geburt des zukünftigen Königs. Das alles wird im farbenfrohen Zeichentrick präsentiert. Jetzt gibt es 25 Jahre später dieselbe Szene. Dieses Mal jedoch in computeranimierter Umsetzung. Die Tiere, einschließlich Simba und Mafiki, sehen realistisch aus. Doch der Kern der Szene, dass der „Kreislauf des Lebens“ gefeiert wird, bleibt erhalten.

Die Rede ist natürlich von einer der ersten Szenen in dem Film „Der König der Löwen“, dessen Remake in realistischer Darstellung in der kommenden Woche in den Kinos anlaufen wird. Damit reiht sich der Film in eine Reihe von Remakes ein, die Disney seit einigen Jahren produziert. Beispielsweise liefen erst vor einigen Monaten die Neuverfilmungen von „Aladdin“ und „Dumbo“ in den Kinos.

Doch was bringt die Filmemacher, neben dem finanziellen Aspekt natürlich, dazu, Neuverfilmungen zu drehen? Unter anderem haben sich der Publikumsgeschmack und die Art, wie Filme gedreht werden, mit der Zeit verändert.

Neue Art von Filmen

Und so haben sich die Sehgewohnheiten der Zuschauer verändert: Beispielsweise wurde „Psycho“ von Alfred Hitchcock 1960 für seine Gewaltdarstellung von der Presse sehr kritisiert. So schrieb der Filmkritiker Bosley Crowther in der „New York Times“, dass der Film ein „Schandfleck auf einer ehrenvollen Karriere“ sei. Heutzutage ist der Film ab zwölf Jahren freigegeben und laut des „American Film Institutes“, eine Organisation, die unter anderem amerikanische Filmkünstler und ihre Arbeit ehrt, der beste US-Thriller aller Zeiten.

Diese veränderten Sehgewohnheiten können positiv gesehen werden, weil es zeigt, wie weit das Kino gekommen ist. Zusätzlich erlauben sich die Filmemacher mehr Gewaltdarstellung. Allerdings kann das auch negativ betrachtet werden, da es für viele Leute viel schwieriger als früher ist, sich von einem Film richtig überraschen zu lassen. Kinogänger sind gewalttätige Szenen in Filmen inzwischen gewohnt. Für Drehbuchautoren ist es schwieriger geworden, Überraschungen in die Handlung eines Filmes einzubauen. Und gerade in der Hinsicht haben Remakes ein Problem: Wenn jemand das Original bereits kennt, dann überraschen einen irgendwelche Twists in der Geschichte eventuell nicht mehr.

Ein Remake kann jedoch auch das, was in den Augen vieler Kinogänger Probleme des Originals waren, ausbessern. Ein gutes Beispiel dafür ist „Es“. Die ursprüngliche, zweiteilige Verfilmung für das Fernsehen dürfte gerade für die heutige Generation gar ein wenig lächerlich wirken. Das Remake konnte einige Horrorfilm-Rekorde brechen, so ist er unter anderem laut der Webseite businessinsider.de und dem Online-Filmarchiv imdb.com mit Einnahmen von weltweit über 700 Millionen US-Dollar der erfolgreichste Film seines Genres aller Zeiten.

Unterschiede im Remake

Dazu hat sich die Neuverfilmung insofern abgehoben, indem sie die Geschichte im Gegensatz zur ersten Verfilmung und der Romanvorlage chronologisch erzählt und nicht immer mal wieder Zeitsprünge macht. Der Film hat viel Lob von den Kritikern bekommen. So hat er beim Filmrezensionsportal rottentomatoes.com, 85 Prozent der Filmkritiker überzeugen können.

Ein spezieller Fall sind die US-Remakes. Das sind nicht-englischsprachige Kinofilme, die in den USA neugedreht werden. Und so eine Art von Remake ist auch das aktuelle Beispiel „Head Full Of Honey“, die Neuverfilmung von „Honig im Kopf“, der in Deutschland Ende 2014 in die Kinos kam. Dass ziemlich genau vier Jahre nach dem Original erschienenen Remake, war laut der Meinung vieler Kritiker einfach überflüssig. Nicht nur habe die Neuverfilmung, laut des Filmkritikers Christoph Petersen, den Hit aus Deutschland Szene für Szene kopiert.

Die Darsteller seien einfach nicht an die Qualitäten eines Dieter Hallervordens und einer Emma Schweiger aus dem Original rangekommen. Petersen meint dazu: „Stattdessen kopiert sie einfach Emma Schweiger – bis hin zu deren genervtem Augenrollen und Wimpernhochziehen, zwei eigentlich unverwechselbare Moves, die längst zu so etwas wie dem Markenzeichen von Emma Schweiger geworden sind. Und auch Papa Nolte gewinnt seiner Figur nichts ab, was man bei Hallervorden nicht schon (überzeugender) gesehen hätte.“

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die Regisseure bei der Produktion eines Remakes die Chance haben, einem älteren Film dank moderner Elemente, zum Beispiel durch computerrealistische Grafik, und durch Beibehaltung der Stärken des Originals, ihn für die Kinofans interessant zu gestalten. Sie haben die Möglichkeit, dem Kinofilm neuen Glanz zu verleihen.







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