Freitag, 28.06.2019

Wenn Himmel und Hölle Hand in Hand arbeiten

Leserbrief

Was würdest du machen, wenn der Antichrist am Samstag die Apokalypse in Gang setzen wird und du sie unter allen Umständen verhindern willst – aber keine Ahnung hast, wo der Bengel stecken könnte? Schuld ist ein Haufen satanischer Nonnen, der das Kind des Teufels dem falschen Paar untergejubelt hat. 

Genau vor dieser Herausforderung stehen Engel Erziraphael und Dämon Crowley. Eigentlich ist der Weltuntergang schon fest im Kalender eingeplant. Die beiden haben die Erde in den vergangenen Jahrtausenden ein bisschen zu lieb gewonnen, um sie jetzt ausgelöscht zu sehen.

Skurille Figuren

Crowley und Erziraphaels Masterplan bestand eigentlich darin, den Antichristen im Auge zu behalten, damit er sich zu einem ganz normalen Jungen entwickelt. Allerdings haben sie elf Jahre lang für das falsche Kind Babysitter gespielt. Und jetzt weiß niemand, wo sich die echte Teufelsbrut herumtreibt. Wie in Himmel und Hölle soll man so die Apokalypse verhindern? Soweit die Ausgangssituation in „Good Omens“, der sechsteiligem Miniserie, die auf dem Roman „Ein gutes Omen“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman basiert. Es ist nicht der erste Versuch, das Buch für die große oder kleine Leinwand zu adaptieren. Mit Gaiman selbst als Showrunner und Autor hat man es jetzt aber doch geschafft. Gerade deswegen ist die Serie vermutlich auch so skurril, verrückt und voller Liebe zum Detail. Die Charaktere sind dabei die größte Stärke von „Good Omens“, denn das bevorstehende Ende der Welt bietet allerlei merkwürdigen Gestalten die Möglichkeit, auf die Bühne zu treten. Da wären neben den überirdischen Wesen noch eine Hexe, zwei mehr oder minder erfolgreiche Hexenjäger, eine Möchtegern-Wahrsagerin, ein lächerlich zuverlässiger Paketbote und die besten Freunde des Antichristen. Nicht zu vergessen die vier apokalyptischen Reiter, wobei die mittlerweile eine Bikergang sind – man muss ja schließlich auch mit der Zeit gehen. Und auch, wenn es vor interessanten und faszinierenden Charakteren in der Serie nur so wimmelt, Michael Sheen als Erziraphael und David Tennant als Crowley sind dennoch die unangefochtenen Stars. Das (platonische?) Traumpaar aus Engel und Dämon ist das Highlight schlechthin der Serie, an dem man sich stundenlang erfreuen könnte.

Nur sechs Folgen

Das wird gerade in der dritten Folge der Mini-Serie deutlich, die sich in ihrer ersten Hälfte nur der Freundschaft der beiden in den vergangenen 6000 Jahren widmet. Die Serie hat zwar mit sechs Folgen nur eine kurze, dafür aber sehr sehr passende Laufzeit, bei der nichts künstlich in die Länge gezogen wird. Bei der Story um Crowley und Erziraphael hätte Gaiman aber gerne eine Ausnahme machen könnnen.

Mit einem Schuss toller Musik, größtenteils von „Queen“, ist „Good Omens“ definitiv eine der sehenswerten Serien des Sommers, die man gut und gerne auch mehrmals anschauen kann– erst dann ergeben nämlich alle kleinen Witze, Andeutungen und Vorahnungen, die darin versteckt sind, so richtig Sinn.

Die sechs Folgen von „Good Omens“ gibt es seit dem 31. Mai auf Amazon Prime.








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